Bürgermeisterkandidaten nett zueinander Wallenhorst: Wahlkampf unter Sportsmännern und Freunden

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Wallenhorst. Wie ticken die Wallenhorster Bürgermeisterkandidaten? Bei der Kandidatenrunde der Ruller Kolpingsfamilie konnten die über 200 Besucher beobachten, wie spontan Ulrich Belde (58, SPD-Mitglied, aber unabhängiger Kandidat), Stefan Düing (47, CDU) und Otto Steinkamp (51, parteilos, unterstützt von SPD, Grünen und Wählergemeinschaft) sind.

Die Veranstaltung war erfrischend anders als die in Wallenhorst und Hollage . Es begann damit, dass die Herren sich nicht schon wieder selbst vorstellen durften, sondern jeweils die Stärken ihrer Kontrahenten nennen sollten. Die Reihenfolge wurde ausgelost – dann begann ein Wettstreit im Nettigkeiten-Austeilen.

Düing beschrieb Steinkamp als „feinen Kerl“ und „Verwaltungsmenschen“. „Er ist ein fairer Typ und ein Sportsmann.“ Belde über Düing: „Ihn kann man gut zum Freund haben.“ Bei Kolping beheimatet – wie er selbst – stehe das Familiäre und Miteinander bei Düing im Mittelpunkt, so Belde. Und Steinkamp über den Amtsinhaber: Belde sei „rhetorisch sehr stark“ und könne sich „von Null auf Hundert auf neue Dinge einstellen“, Steinkamp gegenüber sei Belde „ehrlich, offen und fair“.

Johannes Tewes und Markus Seiters führten souverän durch den Abend und ließen nicht zu, dass sich die Kandidaten vor der Beantwortung einer Frage drückten. Einfach waren diese nicht. So wollte Tewes von Steinkamp wissen, wie er damit umging, dass die CDU ihm ihre Unterstützung versagt hat. Zur Erinnerung: Steinkamp hatte sich auf die gemeinsame Stellenausschreibung von CDU, SPD, Grünen und WWG beworben, dann entschied sich die CDU aber doch für einen eigenen Kandidaten. „Auch wenn immer wieder etwas anderes gesagt wird: Ich bin unabhängiger Kandidat“, betonte Steinkamp. „Ich bin Bürgermeister für alle.“

Und warum hat Düing seinen Hut erst spät in den Ring geworfen , anstatt sich auf die Anzeige zu bewerben? „Ein gemeinsamer Kandidat war gesucht, aber man hat ihn nicht gefunden“, so Düing. Er habe viel nachgedacht, Gespräche geführt und sich für die Kandidatur entschieden.

„Herr Belde, die alten Verbündeten versagen die Unterstützung, verbünden sich sogar mit dem politischen Gegner. Was ist das für ein Gefühl?“, fragte Tewes. „Diese unsere Gemeinde ist mir das wert“, sagte Belde. Und auf die Nachfrage, ob er sich alleinegelassen fühle: „Was zurückliegt, ist durchaus für mich nicht einfach gewesen, auch für meine Familie.“

Die nächste Spontanaufgabe: Auf einem Wühltisch mussten die Kandidaten Gegenstände aussuchen, die sie selbst am besten beschreiben. Zur Wahl standen Utensilien wie Bohrmaschine, Spielzeugbagger, Nudelholz und Reitpeitsche. Steinkamp schnappte sich einen Kosmetikspiegel, Belde ein Fernglas, Düing einen Regenschirm. Belde sagte, er wolle generationenübergreifend Weitsicht zeigen, das Fernglas gegebenenfalls aber auch umdrehen und auf die „Integration des Gemeinwesens“ blicken. „Ich bin glücklich, wenn die Bürger zufrieden sind, aber auch Anteil nehmen.“ Steinkamp betonte, er sei offen und ehrlich. „Das führt dazu, dass man jeden Tag noch in den Spiegel schauen kann.“ Beim Benefizlauf „Von Kreisel zu Kreisel“ vor einer Woche habe er offen gesagt, dass er nur eine kurze Strecke mitlaufe. „Am ersten Kreisel habe ich mir gesagt: Boah, der ist nicht beleuchtet, da steige ich aus“ (Gelächter).

Mit dem Regenschirm wollte Düing sagen: „Ich möchte alle mitnehmen.“ Alle Bürger, alle Ortsteile und alle unter einen Schirm. „Dass es vorwärtsgeht und dass wir alle glücklich sind.“

Beim Thema „Führungsstil wiederum griff Düing zum Schachbrett („Der König kann alleine das Spiel nicht gewinnen, er braucht seine Mannschaft“), Belde zum Spiegel („Man muss den Mitarbeitern das Gefühl geben, sie sind wichtig, und sie gleichzeitig nach ihrer Außenwirkung fragen“) und Steinkamp zum Fernglas („Man muss weitsichtig sein“).

Für die jüngeren Zuschauer boten die Kolpinger an, Fragen per SMS oder Whatsapp zu stellen. Was der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ ihre selbsternannte „Zuschauer-Anwältin“ Brigitte Büscher ist, war für die Ruller Kolpingsfamilie Doris Potthoff. Sie sammelte und präsentierte die Fragen. Einer wollte wissen, was der Wahlkampf koste. Nach einigem Zögern rang sich Düing zu einer Zahl durch: „15000 Euro.“ Steinkamp nannte 18000 Euro. Belde wollte sich nicht äußern, sonst wüsste jeder, „wie arm der Bürgermeister ist“ (Gelächter). Nur so viel verriet er: „Ich habe bis heute weniger ausgegeben.“ Eine Whatsapp-Meinung sorgte übrigens für lauten Applaus: „Es gibt auch Stimmen, die sagen, vielleicht sollte der gesamte Rat mal zurücktreten.“


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