Wahl in Wallenhorst Bürgermeisterkandidat Steinkamp als Praktikant im Heim

Von Sandra Dorn

Altenpflege ist ein Knochenjob. Wie der Alltag der Pflegekräfte aussieht, wollte Bürgermeisterkandidat Otto Steinkamp hautnah miterleben. Drei Stunden lang begleitete er Michaela Honerkamp im Hollager Pflegeheim St. Raphael. Foto: PentermannAltenpflege ist ein Knochenjob. Wie der Alltag der Pflegekräfte aussieht, wollte Bürgermeisterkandidat Otto Steinkamp hautnah miterleben. Drei Stunden lang begleitete er Michaela Honerkamp im Hollager Pflegeheim St. Raphael. Foto: Pentermann

Wallenhorst. Das frühe Aufstehen sei das geringste Problem gewesen, sagt Otto Steinkamp. Der parteilose Bürgermeisterkandidat (unterstützt von SPD, Grünen und Wählergemeinschaft) hat am Mittwoch eine Altenpflegerin bei der Frühschicht im Hollager Altenpflegeheim St. Raphael begleitet – als „Praktikant“, so stand es klein gedruckt auf einem Namensschildchen, das er an seinem grünen Kittel trug.

Steinkamp beschreibt sich als Frühaufsteher und ist häufig schon vor seinen Kollegen im Kreishaus am Schölerberg, wo er beim Landkreis Osnabrück als Leiter des Fachdienstes Jugend arbeitet. Insofern habe ihn der Dienstantritt um 6.30 Uhr in Hollage nicht geschreckt.

„Ich war um 6.28 Uhr hier und wurde noch von einem Krankenwagen überholt“, erzählt er. Mit Blaulicht sei der Wagen auf dem Weg zur Einrichtung gewesen. Als Steinkamp dann das Altenpflegeheim betrat, habe er zwar keine tumultartigen Szenen erwartet – von der Ruhe war er aber dennoch überrascht. „Das lief alles hoch professionell und ruhig ab“, sagt er.

Er wurde dann nach einer Übergabebesprechung Altenpflegerin Michaela Honerkamp an die Seite gestellt. Seit 13 Jahren arbeitet sie im Haus St. Raphael. Und, wie hat Steinkamp sich geschlagen? „Er hat sich ganz geschickt angestellt“, attestiert ihm Honerkamp. Beim Anziehen und Rasieren habe er geholfen sowie bei kleineren Handgriffen.

Steinkamp habe sich den Bewohnern bewusst als „Praktikant“ vorgestellt, betont er, und nicht als Bürgermeisterkandidat. Die Erlebnisse in den drei Stunden, die er Honerkamp begleitete, haben ihn beeindruckt: „Wenn man sieht, was die Pflegekräfte alles leisten – die zusätzlichen Handgriffe, auf die Patienten eingehen, das gesamte Pflegespektrum, und dann klingelt es immer wieder – das ist schon Wahnsinn“, sagt der Verwaltungsfachmann aus Osnabrück. Nicht nur wegen der Knöpfe, die die Bewohner drücken, wenn sie Hilfe brauchen, klingelte es. Hinzu kam das Telefon, denn an das Pflegeheim ist noch betreutes Wohnen angeschlossen – von dort bekommt Honerkamp während des Dienstes zusätzlich Anrufe.

„Es gab keine Minute, wo man mal Zeit hatte, durchzuatmen“, sagt Steinkamp. Pflegealltag. Ihm sei bewusst, dass ein dreistündiger Besuch nur eine Momentaufnahme sein könne. Aber es sei intensiver, mitzuarbeiten, als bei einem Standardtermin durchs Haus zu laufen und sich von der Leiterin die einzelnen Bereiche zeigen zu lassen.

„Pflegeheime haben nicht den besten Ruf“, sagt Geschäftsführerin Annette Wiechert, „aber wenn man auf Pflege angewiesen ist, leisten sie eine wertvolle Arbeit.“ Das sollte aus ihrer Sicht häufiger betont werden. „Es ist wichtig, dass man sich auf Ortsebene durchaus auch mit den anderen Einrichtungen einmal zusammen an einen Tisch setzt“, sagt Steinkamp.

Und wie sieht es mit dem Pflegenachwuchs aus? Ist Fachkräftemangel im Bereich Pflege in der Region ein Thema? „Fachkräftemangel ist in jeder Region Thema“, beantwortet Honerkamp Steinkamps Frage. Zurzeit lebe die Einrichtung noch von den langjährigen Pflegern, erläutert Leiterin Wiechert. „Aber in circa drei Jahren werden wir froh sein über jede neue Pflegefachkraft.“