Über Jugendarbeit in Wallenhorst Jugendpfleger „Cheyenne“ Abeln: Liebeskummer ist immer ein Thema

Von Silke Brickwedde

Jürgen Abeln
              
              Foto: BrickweddeJürgen Abeln Foto: Brickwedde

Wallenhorst. Niemand im JAB2 würde Wallenhorsts Jugendpfleger „Jürgen“ rufen. Jürgen Abeln ist für alle „Cheyenne“, der Name hängt an dem 49-Jährigen seit einem Zeltlager in den frühen 80er-Jahren. Schon damals, in Vechta, war der heutige Diplom-Sozialpädagoge in der Jugendarbeit aktiv.

Herr Abeln, wie sind Sie zu dem Spitznamen „Cheyenne“ gekommen?

Ich habe 1982 im Zeltlager ständig Bücher über Indianer gelesen, daher kommt das. Gott sei Dank haben meine Freunde mich nach einem Stamm benannt und mir keinen Indianer-Namen gegeben. Mich nennt seitdem keiner Jürgen, selbst ein Professor war im Studium ganz überrascht, als er auf einem offiziellen Formular gesehen hat, dass ich tatsächlich Jürgen heiße.

Mancher Jugendlicher findet, in Wallenhorst ist nichts los. Sehen Sie das auch so?

Ganz im Gegenteil: Neben den Jugendtreffs der Gemeinde gibt es außerdem viele Angebote aus den Vereinen, Verbänden und auch den Kirchengemeinden. Mit all denen arbeiten wir gut zusammen. Klar, wir hören immer wieder mal von den Jugendlichen, warum gibt es in Wallenhorst keine Disco und keinen McDonald’s? Doch das ist ja keine Angelegenheit der Gemeinde, sondern privater Anbieter, die genau kalkulieren, ob sich hier eine Disco lohnen würde. Das liegt nicht in unserer Hand.

Einen angesagten Club können Sie nicht einrichten, aber was können Sie für die Jugendlichen tun?

Wir bieten Treffs in Rulle und Hollage an. In Wallenhorst ist das JAB2 jeden Tag außer sonntags geöffnet bis 21.30 Uhr, auch in Hollage und Rulle gibt es wöchentliche Angebote. Dienstags gibt es Projekte wie Kochen, Tanzen oder Video, donnerstags werden im JAB2 Kindergeburtstage gefeiert. An den anderen Tagen kann jeder zu jeder Zeit kommen. Im Schnitt laufen hier täglich 50 Leute durch.

Nicht jeder sieht Jugendzentren durchweg positiv. Wie sieht das hier vor Ort aus?

Ganz ehrlich? Unsere Jugendlichen sind total nett. Das zeigt sich zum Beispiel immer wieder, wenn sie hier an der Bushaltestelle stehen. Manche empfinden größere Gruppen von Jugendlichen als laut oder aggressiv. Wenn dann aber eine Mitarbeiterin von uns dazukommt und fröhlich begrüßt wird, ist es so offensichtlich, wie toll unsere Jugendlichen sind, dass die meisten ihre Vorbehalte verlieren. Politik und Verwaltung unterstützen uns übrigens sehr. Vor Jahren, als das Jugendzentrum eingerichtet werden sollte, hieß es noch von einigen Seiten, „das brauchen wir nicht, es gibt doch die Vereine“, aber das ist längst vorbei.

Das heißt aber doch nicht, dass es keine Probleme gibt?

Unsere Jugendlichen sind zwischen 13 und 26 Jahre alt, natürlich haben auch junge Menschen Probleme. Wir kriegen hier viel mit, das reicht von Liebeskummer über Schulden bis hin zu heftigeren Themen wie Suizid. Unser Team kann den ersten Schritt machen, die Leute zum Beispiel mitnehmen zur Schuldnerberatung. Wir können nicht jedes Problem allein lösen, aber wir wissen, wo es Hilfe gibt.

Was machen Sie denn bei Liebeskummer?

Liebeskummer ist immer ein Thema. Oft eines, mit dem man nicht unbedingt zu den Eltern gehen möchte. Es kommt immer auf die Situation an, aber in der Regel versuche ich das Ego wiederaufzurichten. Manchmal kenne ich auch beide Parteien und weiß, dass der andere auch nicht will, dass die Beziehung zu Ende ist, dann ist vielleicht gar nicht alles aus. Kommt immer auf den Einzelfall an.

Mit Verlaub, Sie sind 49 Jahre alt, haben Sie nicht manchmal Angst, den Draht zu den Jugendlichen zu verlieren?

Die Frage stelle ich mir selbst immer wieder. Doch ich glaube nicht, dass ich mich von den Jugendlichen entferne, und die Jugendlichen sehen das auch nicht so. Ich liebe meinen Job, und ich möchte gar nichts anderes tun.