Zufall führte nach Wallenhorst Bürgermeisterkandidat Ulrich Belde im Porträt

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Wallenhorst. Seit 14 Jahren ist Ulrich Belde (unabhängig) Bürgermeister von Wallenhorst – und er will es bleiben. Er fühle sich sehr wohl in der Gemeinde, sagt der 58-jährige Jurist. Dabei war es der Zufall, der ihn in den 1980er-Jahren zunächst nach Rulle führte und 2000 dann an die Spitze des Rathauses katapultierte.

„Ja, der berühmte Anruf…“, sagt Belde: Guido Pott, Sprecher der SPD-Ratsfraktion, rief ihn im Frühjahr 2000 an und fragte, ob er für die Sozialdemokraten Wallenhorsts Bürgermeister werden wolle. „Da habe ich erst mal spontan Nein gesagt“, erinnert sich Belde, der damals nach eigenen Angaben nur eine Karteileiche bei den Sozialdemokraten war. Er besprach die Möglichkeit mit seiner Frau, entschied sich für die Kandidatur, und der Rest ist Geschichte.

Dieses Mal allerdings ist die Ausgangslage eine andere. Statt eines Anrufs von Pott weht ihm ein eisiger Wind aus dem Gemeinderat entgegen. Bis auf Michael Riemann von der Linken unterstützt ihn niemand mehr. Warum tut er sich die erneute Kandidatur an? „Unsere Gemeinde hat unglaublich viel Potenzial“, sagt Belde, „aber auch viele Baustellen.“ Töwerland , Grüne Wiese – „ich habe es mir zur Aufgabe gesetzt, diese Baustellen hier vernünftig auf den Weg zu bringen.“ Und: Er habe eine Alternative anbieten wollen, als CDU, SPD, Grüne und Wählergemeinschaft (WWG) noch vorhatten, einen gemeinsamen Kandidaten aufzustellen. „Ich war enttäuscht vom Führungspersonal meiner eigenen Partei“, sagt Sozialdemokrat Belde. Aber: „Ich bin bereit, jeder Fraktion die Hand zu reichen.“

Begeisterter Radfahrer

Seine beiden Kontrahenten Otto Steinkamp (parteilos, unterstützt von SPD, Grünen und WWG) und Stefan Düing (CDU) haben unsere Zeitung zu Hause empfangen. Belde wollte das nicht. „Ich möchte da gerne Berufliches und Privates trennen“, sagt er. Fotografieren lässt er sich stattdessen an Knollmeyers Mühle im Nettetal auf dem Fahrradsattel. „Meine Frau und ich sind begeisterte Radfahrer“, sagt Belde, der auch bei einem guten Krimi vor dem Fernseher entspannen könne und sehr gerne im Freundeskreis Skat und Doppelkopf spiele. „Es darf aber nicht zu bierernst werden. Ich mag die Geselligkeit.“

1984 waren Belde und seine Frau nach Rulle gezogen – während er sein Referendariat beim Landgericht Osnabrück absolvierte. „Wir sind hier heimisch geworden“, sagt er. Die Umgebung habe die „besten Voraussetzungen“ für die Kinder geboten. Mittlerweile sind die beiden gemeinsamen Töchter erwachsen und aus dem Haus. Aufgewachsen ist Belde in Hagen a.T.W. Nach dem Abitur am Osnabrücker Ratsgymnasium schlug er die Juristen-Laufbahn ein. Zwar war auch sein Vater in Osnabrück in der Verwaltung tätig – doch selbstverständlich war die Wahl des Faches Jura für den jungen Ulrich nicht, gibt Belde zu. „Ich wollte eigentlich Lehrer werden. Latein und Geschichte fand ich toll.“ Doch dann habe er gemerkt, wie problematisch Jugendliche gerade in der Oberstufe sein können. Er entschied sich für Jura, studierte in Gießen, erkundete für ein Auslandsjahr das schweizerische Lausanne und legte das erste Staatsexamen in Münster ab. Es folgten nach dem zweiten Staatsexamen Tätigkeiten als Anwalt, dann wurde er Personalchef bei Piepenbrock, erzählt er, und schließlich Personalchef bei den Maltesern in Köln. „Ich bin viel bundesweit unterwegs gewesen“, sagt Belde. Wohnen blieben er und seine Frau in Rulle, der junge Familienvater pendelte. „Das war eine aufregende und strapaziöse Zeit.“

Parteipolitisch aktiv war Belde all die Zeit nicht, sagt er. Er habe Anfang der 1990er-Jahre mal eine Ratssitzung in Wallenhorst besucht, als es um Wohnraum ging, und sei im Schulelternrat vertreten gewesen. „Aber sonst habe ich das kommunalpolitische Geschehen nur am Rande verfolgt.“ Und dann? „Ich war einfach mal neugierig“. Er besprach Potts Angebot mit seiner Frau. Die Aussicht auf ein Ende der Pendelei lockte ihn, und das Rüstzeug in Sachen Verwaltungsrecht brachte er mit. Belde gewann mit 68 Prozent der Stimmen überraschend gegen CDU-Gegner Thorsten Wächter.

Nach all den Zufällen steht für ihn nun fest: „Ich bringe gerne Projekte auf den Weg und zu Ende.“


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