Diskussion ohne Samthandschuhe Wallenhorster Bürgermeisterkandidaten im Schlagabtausch

Von Sandra Dorn


Wallenhorst. Wenn es nach der Menge des Applauses geht, gab es bei der ersten Podiumsdiskussion der Wallenhorster Bürgermeisterkandidaten einen Sieger: Otto Steinkamp (parteilos, unterstützt von SPD, Grünen und Wählergemeinschaft) rang den rund 400 Zuschauern am Freitagabend in der Wallenhorster Gymnastikhalle immer wieder den längsten und lautesten Beifall ab. Knapp zweieinhalb Stunden diskutierten er, Stefan Düing (CDU) und Amtsinhaber Ulrich Belde (unabhängig). Und sie schenkten sich nichts.

Dass die Steinkamp-Fans in der Überzahl waren, wurde schon deutlich, als die Kandidaten noch kein Wort gesagt hatten und Moderator Karl-Heinz Bergmann vom Bürgerverein Wallenhorst sie vorstellte. Höflicher Applaus für Belde (58), höflicher Applaus für Kolping-Diözesansekretär und CDU-Ratsherr Stefan Düing (47), langer enthusiastischer Applaus für den Osnabrücker Landkreis-Jugendamtsleiter Otto Steinkamp (51).

Die Wallenhorster Wirtschaft stärken, eine Lösung für die Grüne Wiese und für das Töwerland-Grundstück finden, den Bau der A33-Nord verhindern – das wollen alle drei Kandidaten. Die Kernfrage des Abends lautete aber: Wie wollen sie die zerrütteten Verhältnisse innerhalb des Gemeinderates sowie zwischen Rat und Verwaltungsspitze wieder kitten und das Image Wallenhorsts verbessern? Das wollten etliche Bürger wissen.

„Wallenhorst produziert am laufenden Band Peinlichkeiten“, sagte Stefan Düing. „Alles, was gut läuft, wird davon überschattet.“ Einig waren sich alle Kandidaten in dem Punkt, dass Wallenhorst als Gemeinde etwa in Sachen Kinderbetreuung und Lebensqualität gut aufgestellt ist. „Wir brauchen wieder Ruhe und Vertrauen im Rathaus“, sagte Düing und erntete Applaus. Er könne Menschen zusammenführen. „Das Zauberwort heißt miteinander sprechen und diskutieren.“

Steinkamp argumentierte ähnlich: „Im Grunde genommen ist alles ganz toll, aber trotzdem stehen wir immer mit negativen Schlagzeilen in der Presse. Das liegt am politischen Umgang miteinander.“ Applaus – und just in diesem Moment ging das Licht wieder an, das eine Viertelstunde zuvor ausgefallen war. Er wolle alle Ausschuss- und Ratssitzungen mit allen Fraktionen intensiv vorbereiten. „Es kann durchaus sein, dass die Opposition einen guten Vorschlag hat, der besser ist als der der Mehrheitskooperation“, so Steinkamp. „Mein Job als Bürgermeister ist es, den dann auch zu vertreten.“

Belde sagte, der Bürgermeister „hat durchaus eine mittlernde Funktion“. Als unabhängiger Kandidat sei er „frei von allen Fraktionszwängen“. Das habe ihm in den letzten Jahren immer geholfen. „Mein Angebot geht an alle Fraktionen, erstmal eine Bestandsaufnahme zu machen.“ Er reiche allen die Hand und schlug vor, die Runde der Fraktionsvorsitzenden, die derzeit „nur bedarfsweise“ stattfinde, regelmäßig abzuhalten. „An dem Image arbeiten wir alle gemeinsam.“ Er wolle die Baustellen, die es in der Gemeinde noch gibt, abschließen.

Da verschärfte Herausforderer Düing den Ton: Belde sei seit 14 Jahren Bürgermeister und berufe sich nun plötzlich auf die Rolle des Vermittlers. „Warum erst jetzt? Ich habe das Gefühl, Du spaltest mehr, statt dass Du versöhnst.“ Belde erwiderte, in der Kommunalverfassung seien die Aufgaben des Bürgermeisters festgeschrieben: Er solle die Beschlüsse des Rates umsetzen, die Verwaltung leiten und die Gemeinde repräsentieren. „Er ist nicht Erfüllungsgehilfe des Rates.“

„Sicherlich gibt es rechtliche Rahmenbedingungen“, sagte Steinkamp. Er würde aber darüber hinaus Gespräche führen wollen. „Es ist an der Zeit, dass einer die Vermittlerrolle übernimmt. Das kann eher jemand gestalten, der bisher nicht im System unterwegs war.“

Belde konterte: „Wie ist jemand außerhalb des Systems, der sich ausschließlich auf die Unterstützung der Kooperation stützen kann? Es geht vor allem darum, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen.“

„Ich denke, dass Sie auch mal von einer Partei unterstützt wurden“, erwiderte Steinkamp in Richtung SPD-Mitglied Belde, dessen eigene Partei sich von ihm abgewandt hat. „Wenn Sie meinen Ausführungen aufmerksam zugehört hätten, wüssten Sie, dass ich zu der einen oder anderen Sache durchaus eine andere Position habe als die Mehrheitskooperation.“ Zuvor hatte Steinkamp sich wie Düing für die U msiedlung des Aldi-Marktes neben die Combimarkt-Filiale unweit der B68 ausgesprochen, die von der CDU befürwortet, vom Mehrheitstrio aber abgelehnt wurde.

Zurück zum „System Wallenhorst“: Steinkamp sagte offen, dass er nicht vorhat, von Osnabrück nach Wallenhorst zu ziehen. Düing: „Ich denke, wir brauchen keinen Gemeindedirektor, sondern einen Bürgermeister, der in Wallenhorst wohnt und nicht jeden Tag anreist.“ Belde: „Herr Steinkamp, das schaffen wir Wallenhorster schon.“ Steinkamp: „Es gibt viele Beispiele im Landkreis, wo der Bürgermeister nicht aus der Gemeinde kommt und das klappt gut. Und dann gibt es Beispiele, wo der Bürgermeister aus der Gemeinde kommt und das klappt nicht so gut.“ Gelächter, Applaus.

Auch Ratsherr Düing, seit drei Jahren im Rat und damit ebenso wie Belde Teil des Systems Wallenhorst, musste sich verteidigen. „Wo hast Du Deine Stimme erhoben in den letzten drei Jahren?“, fragte Belde. „Es sind die kleinen Dinge, an denen ich mitgewirkt habe“, gab Düing zurück und nannte die Verbesserung der Obdachlosenunterkunft und den Bau des Radwegs an der Osnabrücker Straße in Lechtingen.

Die nächste Debatte findet Donnerstag, 11. September, um 20 Uhr im Gasthaus Barlag statt, organisiert von der Kolpingsfamilie Hollage.