Abwassermeister im Hollager Klärwerk Jobrekord in Hollage: Der schmutzigste Job in der Region

Von Christoph Beyer

Hoch über dem Abwasser und alles im Griff (v. links): Klärwerk-Mitarbeiter Michael Haneberg, Thorsten Kohkemper und Stefan Hörnschemeyer. Foto: Christoph BeyerHoch über dem Abwasser und alles im Griff (v. links): Klärwerk-Mitarbeiter Michael Haneberg, Thorsten Kohkemper und Stefan Hörnschemeyer. Foto: Christoph Beyer

Wallenhorst. „Zimperlich darf man nicht sein“, bemerkte Thorsten Kohkemper mit einem leichten Kopfschütteln. Der sympathische Abwassermeister im Hollager Klärwerk am Barlager Esch verantwortet zusammen mit seinen Kollegen Stefan Hörneschemeyer, Michael Haneberg und zwei weiteren Mitarbeitern die Abläufe dieser wichtigen Entsorgungseinrichtung, zu der auch das Ruller Klärwerk gehört – eine hochkomplexe Aufgabe, bei der Umwelt- und Ressourcenschutz allerhöchste Priorität genießen.

„Man hat durchaus häufiger mal direkten Kontakt mit dem Abwasser, und es riecht halt auch mal, aber wir tragen ja Schutzkleidung.“ Lächelnd erläuterte Kohkemper die Vorgänge innerhalb und außerhalb des Klärwerks. Zu dem gemeindeeigenen Betrieb gehört auch ein 120 Kilometer langes Schmutzwasserkanalnetz, das betreut und gewartet werden muss. 25 Pumpstationen überbrücken Gefälle und sorgen so dafür, dass die Abwässer das Klärwerk auch erreichen. Für 27000 Einwohner ist die Hollager Kläranlage ausgelegt, 6000 sind es in Rulle. Technische Innovationen sorgten in den letzten Jahren dafür, das Abfallvolumen der Kläranlage um 50 Prozent zu senken. Hochkomplexe Reinigungsprozesse mit unterschiedlichen Verfahren wie der mechanischen und biologischen Reinigung und der Nachklärung kommen dabei zur Anwendung. In der „Rechenanlage“ werden Grobstoffe aus dem Abwasser entfernt, ausgewaschen und gepresst, um anschließend als Containerfracht der Verbrennung zugeführt zu werden. „Rechengut umfasst natürlich alles Mögliche“, bemerkte Kohkemper schmunzelnd. Ein gewisser Euphemismus haftet auch dem Begriff „Organik“ an, zugleich signalisieren diese Bezeichnungen aber auch den professionellen Umgang mit der schmutzigen Materie. „Wir dienen der Umwelt und halten sie sauber, praktizierender Umweltschutz also. Das ist unser berufliches Selbstverständnis“, so Kohkemper weiter. Bei der allmorgendlichen Teambesprechung gilt es zunächst die jeweils anstehenden Aufgaben zu verteilen. Nicht nur die Kläranlage selbst, sondern auch die zahlreichen Pumpwerke müssen gewartet, gereinigt und nicht selten repariert werden. Auch für Anwohneranfragen sind die Klärwerksmitarbeiter zuständig „Da gibt es die unterschiedlichsten Sachen. Verstopfte Rohre, Geruchsbelästigung...“ Eine große Herausforderung stellen seit einiger Zeit Starkregenereignisse dar. „Die haben in den letzten Jahren ganz klar und eindeutig zugenommen. In diesem Jahr ist es besonders extrem“, betont Kohkemper stirnrunzelnd. „Das ist dann teilweise auch sehr lokal. Dann muss man sehen, dass das Kanalsystem schnellstmöglich wieder frei ist, da setzen wir dann auch spezielle Firmen für Wasserabsaugmöglichkeiten ein.“ Trotz so mancher Widrigkeiten ist Kohkemper mit seiner Arbeit sehr zufrieden. „Es ist einfach ein interessanter, vielseitiger Beruf, und er hat auf jeden Fall Zukunft.“