Heißer Tanz mit Chacko Schutzdiensthelfer im Wallenhorster Schäferhundeverein

Vollen Körpereinsatz zeigte unser Mitarbeiter Hendrik Steinkuhl bei seinem Besuch beim Schäferhundverein OG Wallenhorst. Foto: privatVollen Körpereinsatz zeigte unser Mitarbeiter Hendrik Steinkuhl bei seinem Besuch beim Schäferhundverein OG Wallenhorst. Foto: privat

Wallenhorst. Und plötzlich hat man ein 40 Kilo schweres Tier am Arm: Der Schutzdienst gilt als Königsdisziplin der Hundearbeit, Laien sehen darin oft nur bloße Scharfmacherei. Unser Mitarbeiter hat sich beim Schäferhundverein OG Wallenhorst selbst als Schutzdiensthelfer versucht – und war über sich selbst erstaunt.

Im Allgemeinen möchte man niemandem wünschen, dass ein Schäferhund auf ihn zurennt und sich in seinem Unterarm verbeißt. Wenn man wie ich darauf vorbereitet ist und Schutzkleidung trägt, ist das Erlebnis natürlich ein anderes. Trotzdem zittern meine Beine ein wenig, als Chacko das erste Mal in meine Richtung hetzt. Der Moment, in dem er abspringt und sich in meinem Handschuh festbeißt, ist zu kurz, um irgendetwas darüber zu sagen. Danach aber weicht meine Anspannung sofort einem großen Spaß an der Auseinandersetzung mit diesem Tier. Ich ziehe, schiebe, ich gebe nicht nach und Chacko auch nicht. Erst, als der Hundeführer „Aus!“ ruft, lässt er sofort von mir ab.

„Vor fünf Jahren hätte er dich umgerissen“, sagt Carsten Wilke mit einem Grinsen. Carsten ist mein bester Freund, deshalb nenne ich ab jetzt nur noch seinen Vornamen. Dass Carsten Hundesport macht, habe ich immer respektiert, seine Begeisterung dafür allerdings nie verstanden. Was macht denn Spaß daran, in dicker Schutzkleidung über einen Platz zu hetzen und ständig mit einem Schäferhund zu rangeln?

Der Schutzhundesport, dem sich Carsten und seine Vereinskollegen beim Schäferhundverein OG Wallenhorst in erster Linie widmen, besteht aber nicht nur aus Vollkontakt mit dem Tier. Die erste Disziplin ist die Fährte, dabei folgt der Hund einer Spur und muss einige darauf abgelegte Gegenstände finden und „verweisen“, wie es der Hundesportler nennt. „Der Hund soll den Gegenstand natürlich nicht umherschmeißen oder damit spielen, sondern sich zum Beispiel davor hinlegen“, sagt Hartmut Langemeyer, der Vorsitzende des SV Wallenhorst.

In der zweiten Disziplin, der Unterordnung, muss der Hund seine „Führigkeit“ beweisen. Damit ist nichts anderes gemeint als die Bereitschaft, seinem von ihm anerkannten Hundeführer zu dienen. Das Wort „Hundeführer“ finden laut Carsten viele schon anstößig, er hat dafür allerdings wenig Verständnis. „Hunde sind ziemlich clever, trotzdem würden sie in der Gesellschaft alleine nicht zurechtkommen. Deshalb werden sie nun einmal geführt.“

Als Vorurteil bezeichnet Hartmut Langemeyer die öffentliche Wahrnehmung, wonach jeder Schäferhund ein todkranker Angehöriger einer kaputtgezüchteten Rasse ist. „In einigen Fällen stimmt das natürlich. Bei unseren Tieren, die wir im Schutzhundesport einsetzen, ist das aber überhaupt nicht der Fall.“

Und wie verhält es sich nun mit der „Abteilung C“, dem Schutzdienst? Hat das wirklich nichts mit Scharfmacherei zu tun? „Nein, der Handschuh ist für den Hund nur eine Beute, an ihm kann er seinen ohnehin vorhandenen Beutetrieb trainieren“, sagt Carsten. Es ist ein ritualisierter Akt, ohne den es keine Polizeihunde gäbe, die Verbrecher stellen oder Drogen und Sprengstoff suchen. Im Schutzdienst wird also keine Aggressivität antrainiert, sondern nur ein Instinktverhalten kanalisiert. Und der Stock übrigens, der auf dem Foto zu sehen ist, dient zur Simulation einer echten Bedrohung und nicht zur Züchtigung, außerdem ist er sehr weich.

Als ich schließlich den Stock weglege, den Handschuh abstreife und den Schutzanzug ausziehe, bin ich immer noch überrascht davon, wie viel Spaß mir die Rangelei mit dem Hund gemacht hat. Und ein bisschen stolz, weil ich so gut dagegengehalten habe. Aber was meinte Carsten damit, dass mich der Hund noch vor fünf Jahren umgerissen hätte? „Er hatte einen Kreuzbandriss und hat seine besten Tage leider schon lange hinter sich“, sagt er mit einem Lachen. „Aber dafür ist er der schönste Hund in unserem Verein!“


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