Parteiloser Osnabrücker tritt an Steinkamp will Wallenhorsts Bürgermeister werden


Wallenhorst. Er fordert Amtsinhaber Ulrich Belde heraus: Otto Steinkamp (parteilos) möchte Bürgermeister in Wallenhorst werden. Unterstützt wird der 51-Jährige dabei von den Parteien SPD, Grüne und Wallenhorster Wählergemeinschaft (WWG), die im Gemeinderat eine Mehrheitskooperation bilden. Wie sich die CDU zu dem Leiter des Jugendamts beim Landkreis Osnabrück positioniert, bleibt auch nach einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag unklar.

Ursprünglich wollten alle Wallenhorster Parteien bis auf die Linke einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten finden, um bei der Wahl am 28. September Amtsinhaber Belde (SPD) vom Thron zu stoßen. Der 57-Jährige hat nach 14 Jahren im Amt fast jeglichen Rückhalt der örtlichen Politiker verloren, auch den seiner Parteifreunde von der SPD. Trotzdem stellt sich Belde erneut zur Wahl.

Steinkamp setzt darauf, als unabhängiger Kandidat die Wallenhorster Bürger mit dem Versprechen für sich zu gewinnen, Bürgerforen in den vier Ortsteilen anzubieten. Zum anderen will er die zerstrittenen Fraktionen von CDU und Mehrheitstrio versöhnen. „Mir macht es Spaß, unterschiedliche Meinungen auf ein gemeinsames Ziel hin zu führen“, betonte der Vater von vier Kindern im Alter zwischen 12 und 22 Jahren. Diskussionen müssten „auf sachlicher politischer Ebene“ geführt werden.

Der Diplom-Verwaltungswirt stammt gebürtig aus Alfhausen. Dort war er für die Wählergemeinschaft zwei Jahre im Gemeinderat aktiv, bis er vor 16 Jahren nach Osnabrück zog. Seit 1979 arbeitet er beim Landkreis, seit 2012 leitet er den Fachdienst Jugend. „Ich glaube, dass ich eine Verwaltung der Größe Wallenhorsts führen kann“, so Steinkamp. Er finde es „hochinteressant, an Themen gestaltend mitzuwirken“, sagte er mit Blick auf seine Arbeit an der Schnittstelle zwischen Kreisverwaltung und -politik.

Wallenhorst habe er bewusst ausgewählt. „Die Gemeinde bietet sehr gute Rahmenbedingungen für kommunalpolitischen Gestaltungsspielraum.“ Sein Ziel: „Ich möchte als unabhängiger Kandidat Bürgermeister für alle Wallenhorster werden.“

Drei Schwerpunkte will Steinkamp in Wallenhorst setzen: „Erhalt der Wohn- und Lebensqualität“, „Wirtschaftsförderung“ und „Bürgernähe“. Wallenhorst sei, was die Schullandschaft und Kinderbetreuung angehe, „schon sehr gut aufgestellt“. Damit das so bleibe, sei wichtig, solide und nachhaltig zu haushalten. Was die Wirtschaftsförderung und das Anlocken neuer Betriebe angeht, betonte Steinkamp seine „guten Netzwerkkontakte“. Bürgernähe will er garantieren, indem er in den Ortsteilen Bürgerforen organisiert. „Ich möchte erfahren, welche Themen den Bürgern unter den Nägeln brennen.“

Berührungspunkte mit Wallenhorst habe er bislang über viele Mitarbeiter und Bekannte. „Ich habe überall auch schon Fußball gespielt“, ergänzte der passionierte Hobby-Fußballer. Er lege viel Wert auf Fairness – auch und gerade im politischen Umgang. „Es ist mir wichtig, dass wir die großen Themen weitestgehend einvernehmlich auf den Weg bringen.“

Der 51-Jährige hatte sich auf die Stellenanzeige beworben, mit der CDU, SPD, Grüne und WWG im Februar gemeinsam ihre Kandidatensuche begonnen hatten. Sechs von 29 Bewerbern seien zu Gesprächen von der parteiübergreifenden Findungskommission eingeladen worden, erläuterte der Ratsvorsitzer Hans Stegemann (SPD) das Prozedere. „Uns würde es sehr freuen, wenn die CDU gemeinsam mit uns Herrn Steinkamp unterstützt“, sagte Stegemann. „Die Tür ist da offen und wird es auch bleiben.“

Für die Christdemokraten war zur Pressekonferenz nur der Vorsitzende des Ortsverbands Hollage, Stefan Gutendorf, erschienen. „Wir haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass seitens der Kooperationsparteien ein Kandidat favorisiert wird, auf den wir uns noch nicht einvernehmlich einigen konnten“, so Gutendorf. Die Entscheidung seiner Partei solle „basisdemokratisch“ bei der Mitgliederversammlung Ende Juni getroffen werden. Vor einer Woche habe die Findungskommission auf Wunsch der CDU noch ein Gespräch „mit einer weiteren Personalie“ geführt. „Das hat an unserer Entscheidung nichts geändert“, sagte Stegemann.

Er könne nachvollziehen, dass die CDU noch Zeit brauche, so Steinkamp. „Ich finde es gut, das basisdemokratisch zu entscheiden.“ Er sei bereit, sich auf der Mitgliederversammlung vorzustellen. Auf die Frage, ob die CDU ihn überhaupt einladen wird, sagte Gutendorf: „Der Parteivorstand wird entscheiden, wie die Mitgliederversammlung auszusehen hat.“


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