Besondere Erlebnisse kreieren Kunstprojekt im Ruller Haus lädt Besucher zum Mitmachen ein

Das Ruller Haus wird in den nächsten zwölf Tagen Kulisse eines ungewöhnlichen Kunstprojektes. Archivfoto: Elvira PartonDas Ruller Haus wird in den nächsten zwölf Tagen Kulisse eines ungewöhnlichen Kunstprojektes. Archivfoto: Elvira Parton

Wallenhorst. Weg vom Gemälde, hin zum Gespräch: Das Ruller Haus wird in den nächsten zwölf Tagen Kulisse eines ungewöhnlichen Kunstprojektes.

Studierende der Kunstakademie Münster verfolgen in verschiedenen Performances und Projekten das Ziel, statt bleibender Werke vor allem besondere Erlebnisse zu kreieren. Anhand von Knetfiguren wird geklärt, ob die Ruller eigentlich heiliges Blut oder sakrales Schaschlik haben, das morgendliche Abtrocknen wird kurzerhand zum Tanz des Lebens umchoreografiert. Klingt kryptisch, Klarheit schafft eigentlich nur der explizit erbetene Selbstversuch: Das Publikum ist wesentlicher Protagonist des Programms.

„Allerein“ heißt die zwölftätige Veranstaltung, deren Zuschnitt die Studierenden der Klasse Buletti von der Kunstakademie Münster für den Standort Rulle konzipiert haben. Dem Lokalbezug tragen besonders Veranstaltungen wie „Kritische Infrastruktur Rulle“ oder „Briefe einer Reise durch Rulle“ Rechnung, deren Charakter freilich noch offen ist: Statt mit statischen Modellen arbeiten die Künstler mit vagen Konzepten und Ideen, deren tatsächliche Gestalt sich erst aus der Interaktion mit dem Publikum entwickelt.

Die Idee partizipativer Kunstprojekte habe in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, berichtet Elisabeth Lumme vom Ruller Haus. Der Trend sei Widerspiegelung sozio-politischer Entwicklungen, in dessen Rahmen sich wachsende Ansprüche nach Teilhabe und Mitbestimmung auch auf die Kunst niederschlügen. Die entdecke vor diesem Hintergrund Alltägliches als Leitmotiv: „Manchmal sind die Ausgangspunkte der Projekte einfach entfremdete Worthülsen oder ein paar ganz gewöhnlicher Handgriffe, auf welche die Künstler im Zusammenspiel mit dem Publikum ganz neue Perspektiven entwickeln“, so Lumme.

„Allerein“ habe daher auch nichts mit einer klassischen Ausstellung zu tun, sondern komme eher im Stile kurzer Seminare daher: Besucher sollten etwas Zeit mitbringen und die Bereitschaft, die Rolle des passiven Kunstkonsumenten zu verlassen. Ziel der Künstler sei, spontan und durch Moderation von Gedanken und Gruppendynamiken neue Denkimpulse zu vermitteln – oder selbst zu erhalten: „Omelette“ lautet eine Veranstaltung des Projektes, in der sich Jan Partke vom Publikum 78 verschiedene Fähigkeiten beibringen lassen will. Unter anderem auf der Liste: „Inflationstheorie“, „Elfmeterhalten“, oder „Auto kurzschließen“.

Stefanie Sczepanek, die als Tutorin der Klasse das Projekt betreut, verspricht einen leichten und unverbindlichen Zugang zu den Projekten: Die zwischenmenschliche Interaktion sei Kernstück des Projektes, über Spontaneität und Witz sollen Distanzen abgebaut und Räume für eine kreative Erfahrung eröffnet werden.

Bis einschließlich zum 18. Mai gastiert „Allerein“ im Ruller Haus, die verschiedenen Angebote finden jeweils mehrmals pro Woche statt. Der Eintritt ist für alle Programmpunkte frei, weitere Informationen gibt es unter www.rullerhaus.de .


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