Parteien suchen nach Lösung Kein Kulturmanager für das Ruller Haus

Jugendliche für Kunst begeistern – dieses Ziel verfolgt das Team vom Ruller Haus seit einem Jahr erfolgreich. Doch ohne finanzielle oder personelle Unterstützung durch die Gemeinde Wallenhorst wollen und können die Ehrenamtlichen das Programm nicht weiter stemmen. Foto: Archiv/Elvira PartonJugendliche für Kunst begeistern – dieses Ziel verfolgt das Team vom Ruller Haus seit einem Jahr erfolgreich. Doch ohne finanzielle oder personelle Unterstützung durch die Gemeinde Wallenhorst wollen und können die Ehrenamtlichen das Programm nicht weiter stemmen. Foto: Archiv/Elvira Parton

Wallenhorst. Das Ruller Haus wird keinen Kulturmanager erhalten – das steht für die Wallenhorster Ratsfraktionen fest. Nichtsdestotrotz wollen sie nach einer Lösung suchen, wie sie vor allem die Jugendkunstprojekte finanziell und personell unterstützen können, die der Kulturverein seit 2013 angestoßen hat. Das Team des Ruller Hauses hat mehrfach angemahnt, dass es die Arbeit auf rein ehrenamtlicher Basis nicht mehr bewältigen kann.

„In der Form, wie sich das Ruller Haus das vorstellt, also dass wir Personalkosten übernehmen, wird das nicht umzusetzen sein“, sagt SPD-Fraktionschef Guido Pott. „Eine Kooperation zwischen der Gemeinde und dem Verein Ruller Haus ist vielleicht der richtige Weg.“ So könnte etwa ein Jugendtheaterprojekt wie zuletzt das Musiktheater „Rats“ prinzipiell ja auch von der Gemeine initiiert und in Kooperation mit dem Kulturverein Ruller Haus durchgeführt werden.

Das Musical sage eigentlich alles darüber aus, was die Jugendkulturarbeit des Ruller Hauses leiste, betont der Vereinsvorsitzende Arno Weerd. Vorstandsmitglied Elisabeth Lumme hatte dafür Fördermittel des Bundes akquiriert. „Jugend ins Zentrum“ heißt das Förderprogramm, 22000 Euro von der Bundesvereinigung soziokultureller Zentrenflossen im vergangenen Jahr nach Wallenhorst. Das Jugendmusical bildete den Abschluss dieser Förderperiode. Organisiert hatte das Ruller Haus das Musical in Zusammenarbeit mit dem Musiktheater Lupe, dem Wallenhorster Jugendzentrum JAB2 und dem Jugendtreff Haste; die Wallenhorster Schulen und die Thomas-Morus-Schule in Haste stellten die beteiligten Schüler zeitweise vom Unterricht frei.

90000 Euro Fördermittel

Die nächsten 22000 Euro für die Zeit ab Juli seien so gut wie sicher, so Lumme. Nicht sicher sei, wie sie das auf ehrenamtlicher Basis weiter koordinieren soll. Dabei stünden noch weitere Fördermittel des Bundes in Aussicht, etwa 16000 Euro dafür, über das Programm „MuseobilBOX“ Wallenhorster Kinder in Museen zu locken. Alles zusammengerechnet werde das Ruller Haus es dann bald geschafft haben, fast 90000 Euro in die Gemeinde zu holen – überwiegend für die Kinder- und Jugendkulturarbeit.

„Dieses Feld ist bisher von der Gemeinde nicht abgedeckt, es gibt noch kein Budget dafür“, gibt Lumme zu bedenken. Arno Weerd betont: „Letztlich geht es um die Frage: Will die Gemeinde, dass wir vom Ruller Haus diese Arbeit für die Gemeinde weiter machen.“ Wie Wallenhorst das letztlich finanzieren will, sei für ihn und sein Team unerheblich.Der Spielball liege nun bei der Gemeinde.Aber: „Wenn das nicht bald entschieden wird, wird dieses Jugendarbeit-Projekt in diesem Jahr beendet sein. Dann würden wir die Gelder, die wir für 2015 schon beantragt und zugesagt bekommen haben, zurückweisen.“

Für die Koordination „wirklich eine Stelle einzurichten, halte ich für sehr, sehr schwierig“, sagt Ludger Meyer von der Wählergemeinschaft. „Damit würden wir ein völlig neues Fass aufmachen und die Ansprüche der anderen Vereine würden steigen.“ Einzelne Projekte könne die Gemeinde aber sehr wohl unterstützen. Und bezogen auf die Akquise von Fördermitteln sagt Pott: „Man müsste prüfen, inwieweit die Gemeinde Wallenhorst auf die Erfahrung der Fachkräfte des Ruller Hauses zurückgreift.“ Mit solch einer Lösung könne sie gut leben, sagt Lumme. Auch Arnulf Nüßlein, Grüne, spricht sich für einen Mittelweg aus: „Es ist durchaus denkbar, dass projektbezogen Veranstaltungen, die die Notwendigkeit personellen Engagements beinhalten, unterstützt werden könnten.“

CDU-Fraktionchef Clemens Lammerskitten könnte sich wiederum vorstellen, dass der Verein Ruller Haus seine Kosten für das Kulturmanagement über die Kulturcard auflisten und abrechnen könnte. „Das wäre eine flexible Lösung“, so Lammerskitten. „Wir wären auch bereit, dafür mehr Geld auszugeben.“ Lumme ist skeptisch. „Das funktioniert nur bei einem klaren Veranstaltungsformat, wo Eintrittsgelder erhoben und die Defizite ausgeglichen werden.“ Die Parteien wollen nun weitere Gespräche mit dem Team des Ruller Hauses führen.


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