Charakterköpfe in Szene gesetzt Heckerstraße in Rulle erinnert an den Maler

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Wallenhorst. Im Ruller Malerviertel trifft man auf internationale Spitzenkräfte wie Rembrandt, Raffael und Rubens. Gleich nebenan finden sich Straßen, die nach der „deutschen Oberliga“ mit Dürer, Feuerbach, von Menzel und Zille benannt sind. Für eine Straße am Ruller Haupthügel hat man einen Maler mit Regionalbezug gefunden: Franz Hecker (1870 - 1944).

Der ist zwar nicht in Wallenhorst geboren oder gestorben, hat aber an vielen Stellen im Osnabrücker Land und so auch in Wallenhorst seine Motive gefunden. Eines seiner Hauptwerke bildet das Innere der Alten Alexanderkirche zu Wallenhorst ab. In diesem Bild kommt sehr viel von dem zusammen, wofür Hecker steht: die liebevoll historisierende Darstellung des dörflichen Lebens und heimatlichen Brauchtums, wirkungsvoll inszenierte Architektur und handwerklich perfekt gearbeitete Gesichtsporträts des in sich ruhenden niederdeutschen Menschenschlags.

Die älteren Gesichter der Andächtigen sind von Last und Mühsal eines arbeitsreichen Lebens gezeichnet. Mit den detailliert gezeichneten Hauben der Bäuerinnen konserviert Hecker die ländliche Volkstracht, die zur Entstehungszeit des Bildes schon nicht mehr alltäglich war. Er gewährt uns einen Blick in eine schon damals auf dem Rückzug befindliche, heute endgültig verloren gegangene Welt, in der alles langsamer und bedächtiger zuging, wenn man der Aussage des Bildes Glauben schenkt, und das darf man wohl.

Das fast drei Quadratmeter große Ölgemälde fertigte Hecker 1897. Der Dürerbund kaufte es an und stiftete es 1910 dem Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück, wo es auch noch heute zu bewundern ist. Hecker hatte zu diesem Bild eine Reihe von Skizzen und Vorstudien angefertigt, in denen er sich den dargestellten Menschen annäherte. Bei der Eröffnung einer Hecker-Ausstellung im Heimathaus Hollager Hof im Oktober 2010 tauchte die Frage auf, ob man auf dem Bild denn wohl reale Wallenhorster erkennen könne. Galerist Peter Rehme wusste nur eine Person zu identifizieren: „Hier vorne in der Mitte, das ist die alte Meyer vom Gut Sandfort, die hat Hecker häufiger porträtiert und dann in verschiedene seiner Interieur-Bilder eingebaut.“ Dann lieferten der Heimathausvereins-Vorsitzende Josef Pott und sein ebenfalls anwesender Bruder Hugo Pott, der frühere Wallenhorster Gemeindedirektor, weitere Aufklärung: Ihr Urgroßvater saß damals Modell. Um welchen der dargestellten Charakterköpfe es sich bei ihm handelt, vermochten sie allerdings nicht zu sagen.

Franz Hecker kam am 15. November 1870 in Bersenbrück zur Welt, besuchte die dortige Dorfschule und dann das Carolinum zu Osnabrück. Seine schulischen Leistungen sollen nicht bedeutend gewesen sein. Er verließ die Schule ohne Abitur und begann eine Banklehre. Der künstlerische Drang war jedoch stärker als der Wunsch nach einer gesicherten beruflichen Laufbahn. Nach zwei Jahren brach er auch die Banklehre ab und schrieb sich an der Kunstakademie Düsseldorf ein. Weitere Stationen seines künstlerischen Ausbildungswegs: München und Paris, Studienreisen führten ihn nach Holland und Italien.

Als Dreißigjähriger kehrte er nach Osnabrück zurück. Von 1902 bis 1912 wohnte er auf Einladung seines Freundes und Gönners Siegfried Jaffé auf Gut Sandfort in Voxtrup. 1912 bezog er eine eigene Villa am Schölerberg. Sie wird derzeit aus Mitteln der Bohnenkamp-Stiftung saniert und zu einer Hecker-Erinnerungsstätte hergerichtet. In 55 Schaffensjahren schuf Hecker mehr als 1100 Werke in unterschiedlichen Techniken. Am 21. November 1944 kam er bei einem Bombenangriff im Schölerberg-Bunker ums Leben.


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