Auch die Ratten brauchen Regeln Mitmach-Musical in Wallenhorst feiert Premiere

In Wallenhorst feiert das Mitmach-Musical „Rats“ Premiere, bei dem 25 Jugendliche aus der Gemeinde auf der Bühne stehen. Foto: Klaus LindemannIn Wallenhorst feiert das Mitmach-Musical „Rats“ Premiere, bei dem 25 Jugendliche aus der Gemeinde auf der Bühne stehen. Foto: Klaus Lindemann

Wallenhorst. Wallenhorst sucht die nächsten Musical-Stars – und hat sie auch schon gefunden. 25 Jugendliche aus der Gemeinde machen mit beim Mitmach-Musical „Rats“ (zu Deutsch: Ratten). Die Probenarbeit ist in die heiße Phase getreten, denn am Freitag ist Premiere.

„Wir sind rats!“ schmettert es selbstbewusst aus 20 Kehlen auf der Bühne der Gymnastikhalle. Es ist die erste Kostümprobe. Die jungen Darsteller unterlegen den fetzigen Rap-Song mit Hip-Hop-Formationsschritten, die sie selbst entwickelt haben. Das Geschehen auf der Bühne fließt erstmals zusammen mit Video-Sequenzen, die auf die Leinwand dahinter projiziert werden. Singend und tanzend auf der Bühne überwiegen ganz klar die Mädchen, während die Jungen bei den technischen Diensten wie auch bei der Video-Produktion – unter Anleitung von Bernd Sieker im Videoclub des Wallenhorster Jugendzentrums „JAB 2“ – in der Überzahl sind.

Auf die Beine gestellt hat das Theaterprojekt der Kulturverein Ruller Haus zusammen mit dem Musiktheater Lupe, dem „JAB 2“ und dem Jugendtreff Haste, wobei die Wallenhorster Schulen und die Thomas-Morus-Schule Haste Rekrutierungshilfe geleistet haben – und die beteiligten Schüler zeitweise vom Unterricht freigestellt haben. Denn nicht alle Proben fielen in die Osterferien. Geldgeber im Hintergrund ist der Bund, der mit dem Programm „Kultur macht stark“ Bündnisse für Bildung unterstützt. Elisabeth Lumme vom Ruller Haus hat alle bisherigen Proben verfolgt und ist begeistert von der Kreativität der Teilnehmer und ihren Fortschritten.

Eine von ihnen ist die 14-jährige Felina Kim. Sie liebt die Bewegung und tanzt für ihr Leben gern. Erste Erfahrungen in der Schauspielerei hat sie auf ihrer Schule, dem Ratsgymnasium Osnabrück, im Fach Darstellendes Spiel sammeln können. Dem Team vom Musiktheater Lupe bescheinigt sie einen effektiven und zielgerichteten Arbeitsstil: „Wir lernen sehr viel, es geht schnell voran, aber macht trotzdem riesigen Spaß.“ Dass ihre Schule, die mit Ratten rein gar nichts zu tun hat, genauso heißt wie das Musical, ist für sie eine amüsante Begleiterscheinung.

Lupe verfolgt das Konzept, mit nur sechs Probetagen und jugendlichen Laiendarstellern ein einstündiges Musical zu entwickeln und aufzuführen. Regisseurin Katrin Orth: „Die Rahmenhandlung und die Musik bringen wir mit, aber ganz viele Details legen die Darsteller selbst fest, bis hin zu den Tanzschritten, den Kostümen und den Requisiten. Ideen und Fantasien sind gefordert.“ Ihr Kollege Ralf Siebenand möchte die oft herzerfrischenden Ergebnisse des Improvisierens nicht missen: „Schwerpunkt ist nicht das Auswendiglernen von Texten, sondern das Erarbeiten dieser Texte rund um Problemstellungen, die den Teilnehmern nicht fremd sind.“

Die Rahmenhandlung umreißt die Geschichte einer Gruppe jugendlicher Aussteiger, die die Schnauze voll vom Establishment haben und isoliert als „rats“ unterhalb der Zivilisation in den Katakomben und Kanälen der Großstadt leben. Dass es auch dabei nicht ohne Regeln und Gesetze geht, ist eine der Botschaften des Stücks. Denn plötzlich erscheint jemand aus der Oberwelt und wirbelt die Unterwelt, in der sich die „rats“ eingerichtet hatten, gehörig durcheinander. Wieso und weshalb, das erfährt man, wenn man am Freitag zur Aufführung kommt.


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