Natursteinpflaster bröckelt Fußgängerzone in Wallenhorst löst sich auf

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Wallenhorst. Ist die Gemeinde Wallenhorst vor 18 Jahren übers Ohr gehauen worden? Statt der damals bestellten belgischen Natursteine ist offenbar auch chinesisches Material in der Fußgängerzone verbaut worden – und ein Großteil des Pflasters löst sich jetzt auf. Wie teuer die Erneuerung der mit Stolperfallen übersäten Rathausallee wird, ist noch nicht absehbar.

Betretene Gesichter in den Reihen der Wallenhorster Ratsmitglieder. Als zwei Mitarbeiterinnen der Ingenieurplanung Wallenhorst (IPW) dem Straßen- und Verkehrsausschuss eröffnen, dass die kleinen grauen Pflastersteine im Bereich der Rathausallee, Alten Hofstelle, Alten Webschule und Leinengasse nicht wie gedacht ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut werden können, heben sich die ersten Augenbrauen. Als Stephanie Janning und Astrid Vieth dann vorschlagen, stattdessen indischen Sandstein in Kombination mit Granit oder Beton für bis zu eine Million Euro plus Mehrwertsteuer zu verbauen, müssen einige Kommunalpolitiker verschämt grinsen. Die günstigste Variante der IPW wäre Betonstein ohne Zementfugen für immerhin noch 368000 Euro. Obendrauf käme noch eine Erneuerung des Rathausvorplatzes für 120000 Euro.

„Das macht mich schon ein bisschen baff“, sagt Egon Knochenwefel (SPD) zur Fußgängerzone. „Mir liegen noch Kosten von 170000 Euro im Ohr.“ Alfred Lindner (CDU) erinnert sich an die Planung von vor etwa 20 Jahren. „Damals wurde uns das als das beste Pflaster der Welt verkauft.“ Bernard Kreutzmann vom Fachbereich Planen und Bauen der Gemeindeverwaltung erläutert auf NOZ-Nachfrage, dass damals Natursteine namens „Belgische Grauwacke“ eingebaut werden sollten. Aber: „Es ist nicht auszuschließen, dass der belgische Steinbruch da chinesische Ware untergemischt hat.“ Einen Zusammenhang der Schäden mit der Sanierung der Großen Straße im vergangenen Jahr schließt Kreutzmann aus. Während der Sperrung der Straße konnten Autos durch die Fußgängerzone zur Volksbank fahren. „Die Schäden waren schon vorher da.“ Viel schlimmer als Pkw sei der Liefer-Verkehr mit Lkw.

Unten hui, oben pfui

Das Problem der Rathausallee lässt sich mit „unten hui, oben pfui“ auf den Punkt bringen. Der Untergrund sei sauber verarbeitet, erläutern Janning und Vieth, die Steine hingegen nicht zu retten. Der Ausbau, das Reinigen und Aussortieren des Pflastermaterials seien viel zu aufwendig. Mindestens zwei Drittel seien ohnehin hinüber. „Diesen Stein will kein Mensch mehr haben“, sagt Janning, „der löst sich auf.“ Für den Rathausvorplatz gilt umgekehrt „oben hui, unten pfui“: Die vor 18 Jahren verlegten Granitsteine seien qualitativ hochwertig, der Unterbau aber schlecht. Die Folge: schiefe, wackelnde Platten.

„Ich bin mehr als entsetzt“, sagt Marlene Posnin (CDU). Ludger Meyer (Wählergemeinschaft) wird am deutlichsten: „Man hat uns doch übers Ohr gehauen! Das wäre Betrug – und der verjährt nicht nach drei Jahren“, sagt er mit Blick auf mögliche Schadenersatzforderungen.

Hoffnung keimt auf, als ein niederländischer Planer seine Vision für Wallenhorst vorstellt. „Das Hauptproblem wäre mit Betonsteinpflaster ähnlich wie in der Leinengasse gelöst“, sagt Hyco Verhaagen aus Bramsche. Ab 140000 Euro wäre die Gemeinde dabei. Das Beste für Wallenhorst wäre aus Verhaagens Sicht aber eine Kombination aus den nuancierten Betonsteinen, die an der Großen Straße verbaut wurden, und Quarzitsteinen wie am Kirchvorplatz. Symbolisch würde man damit das alte Wallenhorst (Quarzit) aus der Zeit Karls des Großen mit dem neuen Wallenhorst (Beton) verbinden. Kostenpunkt: 60 bis 70 Euro pro Quadratmeter für den nuancierten Beton und 120 bis 130 Euro für Quarzit. 4000 Quadratmeter groß ist die Fläche.


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