Studenten entwerfen Kunstausstellung Experimente im Ruller Haus

Von Tom Bullmann

Kunst und Performances standen jetzt im Ruller Haus im Mittelpunkt einer Ausstellung. Foto: Elvira PartonKunst und Performances standen jetzt im Ruller Haus im Mittelpunkt einer Ausstellung. Foto: Elvira Parton

Wallenhorst. Das Ruller Haus auf neue, ungewohnte Art zu erforschen war das Ziel der Aktion „Performin´ the house“. Das Kulturzentrum in Wallenhorst-Rulle wurde für zwei Stunden zum Experimentierfeld für Studierende der Universität Osnabrück, die den circa 70 Besuchern ganz neue Aspekte des 700 Jahre alten Gebäudekomplexes offenbarten.

In einer ungemütlichen Kammer, die man über eine Treppe zum Dachboden erreicht, sitzt eine junge Frau und trinkt einen Schluck Wasser. Mit einer Decke hat sie sich gegen die kalte Luft gewappnet, die durch die Ritzen zwischen den Dachpfannen in den Dachboden und damit auch in die „Domestikenkammer“ des Hauses pfeift. Wer kennt überhaupt noch das Wort „Domestik“ als Bezeichnung für Dienstboten und Hausangestellte? Genauso wenig können sich junge Besucher des Ruller Hauses vorstellen, dass diese in solch einer unwirtlichen Umgebung leben mussten. Aber genau dieses Hineinversetzen in die Geschichte, das Nachvollziehen von historischen Begebenheiten liegt den Akteuren dieses Abends am Herzen.

Sechs Studierende haben mit Anna Stern, wissenschaftlicher Mitarbeiterin der Universität, ein Semester lang auf diesen Abend hingearbeitet. Mit unterschiedlichen Performances und Installationen sollte das Ruller Haus künstlerisch ausgekundschaftet, die Ergebnisse den Besuchern weitervermittelt werden. So absolvierte Giulia Cramm in der Domestikenkammer den Selbstversuch, hockte für eineinhalb Stunden in der Kälte und begab sich in die Situation des Bediensteten, der vor Jahrhunderten hier gehaust hat. Aus dem späten Mittelalter stammt die Legende vom „Ruller Blutwunder“, das dem Ort in der Mitte des 14. Jahrhunderts eine Pilgerflut bescherte. Darauf bezog sich die Video- und Soundinstallation „Grenadine“, die im großen Raum der ehemaligen Pilgerkapelle gezeigt wurde.

Die jüngere Geschichte, als das Gebäude zur Dorfschule umfunktioniert worden war, repräsentierte beispielsweise das Relikt einer Brandbombe aus dem zweiten Weltkrieg, die im Garten des Hauses gefunden und jetzt von Zauri Matikashvili in die Rauminstallation „Apfelkraut“ integriert wurde. Eine mobile Performance von Desiree Hieronimus, die Nebenjobs des Landschullehrers als Küster und Organist thematisierend, eine beeindruckende Live-Performance über Religion im Allgemeinen und den katholischen Glauben im Speziellen von Alba Navarro Carbonell und eine Aktion von Eva-Maria-Schlüter zur familiären Situation des Landschullehrers machten den Rundgang durch das Kulturzentrum lehrreich und spannend. Zu einer Abschlussperformance, bei der alle Protagonisten ihre speziellen Eindrücke und Erfahrungen per Mikrophon in eine Loop-Station eingaben, die daraus eine Art Hörspiel machte, bildete den Höhepunkt dieser ganz speziellen Haus-Bespielung. Bei Suppe, Brot und Wein sowie anregenden Diskussionen klang der Abend aus.