Frische Farben braucht der Adel Gemälde von Jim ter Kuile im Wallenhorster Rathaus

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Ausstellung im Wallenhorster Rathaus: Künstler Jim ter Kuile (links) und Bürgermeister  Ulrich Belde. Foto: Egmont SeilerAusstellung im Wallenhorster Rathaus: Künstler Jim ter Kuile (links) und Bürgermeister Ulrich Belde. Foto: Egmont Seiler

Wallenhorst. Der Hochadel hat sich neue Farben zugelegt. „Luise“ wartet mit rosafarbenem Teint und gelb-grün melierten Haaren auf, „Amalia“ trägt zinnoberroten Kopfschmuck, „Regina“ zieht hingegen mit taubenblauem Haar und plastisch aufgelegter Halskette die Blicke der Betrachter auf sich. Die sind eingeladen, sich im Rathaus-Foyer die Ausstellung „Farbenfroher Hochadel“ des niederländischen Künstlers Jim ter Kuile anzuschauen.

Sie stoßen dabei auf Porträtbilder adliger Damen, wie man sie von der Auftragsmalerei des 17. bis 19. Jahrhunderts kennt. Jedenfalls, was die „klassische“ Linienführung angeht. Aber die Farben sind gründlich verfremdet. In Pop-Art-Manier, ein wenig an Andy Warhols Marilyn-Monroe-Bildfolge erinnernd, greift ter Kuile zu flächigen Farbaufträgen, ungewohnten Farbkombinationen und Reliefuntergründen zur Betonung von Tiefe. Für die allesamt großformatigen Werke (100 mal 150 Zentimeter) arbeitet er mit Acryl- und Alkydharzfarben auf Leinwand.

Bei der sehr gut besuchten Vernissage empfahl Bürgermeister Ulrich Belde, den porträtierten Damen sehr genau in die Augen zu schauen – es sind überwiegend Damen, nur zwei Herren hat ter Kuile auf Leinwand gebannt –, dann gewinne man den Eindruck, dass die Damen einem zublinzeln und freundlich dazu auffordern, sich auf die ihnen widerfahrene Neuinterpretation der klassischen Porträtmalerei einzulassen. Ihm sei es jedenfalls so ergangen, die Botschaft habe ihn erreicht, und er habe beim ersten Rundgang einen großen Gefallen an den Bildern gehabt.

Der in Enschede geborene und heute in Laer bei Münster lebende Künstler ist, was seine Kunst angeht, ein Spätberufener. Bis 2010 war er in der Telekommunikationsbranche tätig. Dann sattelte er um. Die in Schlössern, Adelssitzen und Museen reich vertretenen Bilder klassischer Schönheiten hatten es ihm angetan. Er beschloss, sie mit seinen Mitteln ins 21. Jahrhundert zu transponieren. Die Originalvorlagen fast aller in Wallenhorst gezeigten Bilder hat er in ihrem Original-Ambiente gründlich studiert und ist dafür viel gereist.

In den Worten von Guido Kayser, der in ter Kuiles Vita und Werk einführte, hat er den zeitgenössischen Ausdruck der Bilder in keinem Fall verletzt, aber in seiner Interpretation dennoch zu einem eigenen neuen Stil gefunden. Ter Kuile hat bislang unter anderem in Amsterdam, Delden und Berlin ausgestellt. Nach Wallenhorst sind Ausstellungen in Innsbruck und Lübeck die nächsten Stationen. Der Kontakt zu Wallenhorst kam zustande, als die Kulturbeauftragte der Gemeinde, Margret Terglane, den Künstler vor zwei Jahren auf der Kunstmesse „Impulse“ in der Osnabrückhalle kennen lernte und ihn nach Wallenhorst einlud.

Großen Anteil an der heiteren Stimmung bei der Ausstellungseröffnung hatten die „Maxis“ des Chors „Rhythmics Icker“ unter der Leitung von Brigitte Robers-Schmoll und Michael Schmoll. Aus ihrem Repertoire präsentierten sie Pop und Gospel-Pop in harmonischen, rhythmusbetonten Arrangements. Unterstützt von Gitarren, Schlagzeug und Musik-Professor Schmoll am Keyboard, lieferten die etwa 25 jugendlichen Sänger präzise und dynamisch kontrollierte Chorsätze ab, bei denen Hannah und Nina, Pia und Teresa, Maike und Johanna sowie Lukas und Lucas solistisch hervortraten.


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