Lesung mit Rainer Rudloff Tierische Detektive ermitteln im Ruller Haus

Verstand es, die Tiere mit seiner Stimme lebendig und individuell erscheinen zu lassen: Sprachkünstler Rainer Rudloff. Foto: Hermann PentermannVerstand es, die Tiere mit seiner Stimme lebendig und individuell erscheinen zu lassen: Sprachkünstler Rainer Rudloff. Foto: Hermann Pentermann

Wallenhorst. Eine tierische Lesung gab es im Ruller Haus vor rund 40 Zuschauern. Der Stimm- und Sprachkünstler Rainer Rudloff las Auszüge aus den Bestsellern-Romanen „Felidae“ und „Glennkill“, deren Geschichte jeweils aus der Perspektive von Vierbeinern erzählt wird.

Organisatorin Stephanie Scholze war ihre Begeisterung über den Auftritt von Rainer Rudloff, der bereits seit zehn Jahren mit seinen Leseprogrammen unterwegs ist, deutlich anzumerken: „Ich wollte ihn unbedingt im Ruller Haus haben, um Ihnen zu zeigen, wie schön Vorlesen sein kann.“ Das ist ihr auch umfänglich gelungen, denn bereits am Tag zuvor war Rudloff mit seinem Programm für Kinder „Kartoffelbrei und Monsterspinnen“ in der Kultureinrichtung sowie in verschiedenen Schulen in Wallenhorst und der näheren Umgebung aufgetreten.

In seiner Lesung „Schaf, Katze, Mord“ für Erwachsene greift Rainer Rudloff erst zu „Felidae“, dem Erfolgsroman von Akif Pirincci aus dem Jahr 1989. Das Buch erzählt die Geschichte des Katers Francis, der in die Rolle des Detektivs schlüpft, um eine Mordserie an verschiedenen Artgenossen aufzuklären. Er enttarnt schließlich einen Kater als Täter, der mit den Morden die ihm verhasste domestizierte Hauskatze auf Dauer ausrotten wollte. Rudloff versteht es mit seiner Stimme gekonnt, Francis den Habitus des blasierten Besserwissers zu verleihen, der im krassen Kontrast zu dessen Freund Blaubart steht: eine deformierte Katze, die der Stimmkünstler mit betont rauchiger Stimme spricht. Die vorgelesenen Passagen sind jedoch zu kurz, als dass sich beim Zuhörer ein wirkliches Gefühl für die Geschichte entwickeln könnte.

Anders ist es bei „Glennkill“, dem allein in Deutschland anderthalb Millionen Mal verkauften Erfolgsroman der Autorin Leonie Swann. Diesem Werk räumt Rudloff auch deutlich mehr Zeit ein. Hier sind es Schafe, die Ermittlungen aufnehmen, als deren Schäfer George Glenn mit einem Spaten in der Brust tot aufgefunden wird. Auch hier schafft es Rudloff, die unterschiedlichen Charaktere der Tiere vor dem Auge des Zuhörers entstehen zu lassen: den draufgängerischen Othello, die pfiffige Miss Marple und den verfressenen Mople the Whale. Bei ihren Gesprächen darf natürlich nicht das typische Blöken fehlen. Ein empört ausgestoßenes „Das ist Mooord!“ sorgt natürlich für einiges Gelächter. Dank der erzählerischen Kraft Rudloffs kann sich der Zuhörer die Ermittlungstour der Schafe bildhaft vorstellen: Wie sie im Blumenkasten sitzend ein Gespräch belauschen oder wie das Schaf Othello die Kirche des Ortes durchsucht. Dass der Pfarrer im Beichtstuhl das Schaf zuerst für ein Gemeindemitglied hält und schließlich eines Besseren belehrt wird, ist Höhepunkt und auch Ende der Lesung. Damit ging ein vergnüglicher Abend zu Ende, der die Phantasie angeregt hat.


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