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Biologische Lebensmittel: 111 Menschen Hof Pente: „Zukunft säen“ und selbst ernten

Von Hendrik Steinkuhl


Bramsche/Wallenhorst. Getreide anpflanzen wie vor hundert Jahren: Auf dem Hof Pente haben rund 80 Besucher mit der Aktion „Zukunft säen“ ein Zeichen gegen Gentechnik gesetzt. Die Veranstaltung war zugleich der Auftakt in das erste Jahr einer gemeinschaftsgetragenen Landbaukultur auf dem Hof der Familie Hartkemeyer. Ab 1. Mai wird der Hof mehr als 100 Menschen gegen einen monatlichen Festpreis mit biologisch erzeugten Lebensmitteln versorgen.

„Wir hätten nie damit gerechnet, dass wir schon im ersten Jahr so viele Mitglieder haben würden“, sagt Tobias Hartkemeyer. Der Landwirt hatte mit 30 bis 40 Leuten gerechnet, die sich von ihm und seinem Team bedarfsdeckend mit Obst, Gemüse, Brot und tierischen Produkten versorgen lassen würden. Nun sind es 111 Mitglieder. „Ein paar könnten wir in diesem Jahr noch aufnehmen, doch die Grenze ist bald erreicht“, sagt Hartkemeyer. Insgesamt könne man mit den eigenen Anbauflächen 150 bis 160 Personen versorgen – allerdings noch nicht im ersten Jahr.

Das Konzept firmiert unter der Abkürzung „CSA“, was für „Community Supported Agriculture“ steht. Bei dieser Form der gemeinschaftsgetragenen Landbaukultur verpflichten sich Mitglieder, den Jahresetat eines landwirtschaftlichen Betriebes zu finanzieren. Mit dieser Grundlage kann der Hof sicher wirtschaften und versorgt seine Abonnenten im Gegenzug mit Lebensmitteln, die den monatlichen Bedarf decken. Überwunden ist damit die Kluft zwischen Konsument und Hersteller; beide werden zu Partnern mit gegenseitiger Verantwortung.

Wie reizvoll dieses Konzept der Wertschätzung des Verbrauchers ist, zeigt sich auf dem CSA Hof Pente schon jetzt, rund einen Monat bevor das Projekt offiziell startet. „Wir haben einige Helfer, die hier ohne Bezahlung mitarbeiten und teilweise mehr ranklotzen als wir“, sagt Tobias Hartkemeyer. Der eifrigste seiner Helfer wolle nun nach Monaten freiwilliger Arbeit zwei Wochen Urlaub machen und halte sich trotz Fehlens jeder Verpflichtung streng an die Form: „Er hat mir seinen Urlaubsantrag frühzeitig schriftlich eingereicht“, sagt Hartkemeyer.

Hermann Völkmann kann das nur bestätigen. Der Lehrer aus Engter hat sich und seine Familie schon vor einigen Wochen bei dem Projekt angemeldet und ist mit seiner Tochter zur Aktion „Zukunft säen“ gekommen. „Die Unmittelbarkeit und die Transparenz dieses Projektes überzeugen mich total“, sagt Völkmann. „Ich finde es einfach toll, dass ich den Bauern kenne, von dem ich meine Lebensmittel bekomme, und ich finde auch die Herausforderung toll, sich von saisonalen Produkten zu ernähren.“ Allerdings, gibt Völkmann mit einem Lachen zu, sei diese Herausforderung für ihn eher eine theoretische: „Ich bin absoluter Nicht-Koch.“ Die Verwendung exotischer Lebensmittel wie Yams oder Pastinaken bleibe damit seiner Frau vorbehalten, die sich als ausgebildete Köchin sehr auf diese Aufgabe freue.

Im Sommer wird Familie Völkmann dann Brot essen können, für das sie heute zusammen mit rund 80 anderen den Rohstoff gesät hat. „Bordeaux-Weizen, eine sehr alte und leckere Landsorte“, wie Julia Hartkemeyer den Besuchern erklärt. Neben der Sortenlehre erklärte Johannes Hartkemeyer auch den Sinn der Aktion „Zukunft säen“. Die biologische Landwirtschaft, so der Senior-Landwirt, sehe sich mit zahlreichen Saatgut-Herstellern konfrontiert, die mit sogenannten Terminator-Pflanzen alle Möglichkeiten der Gentechnik ausnutzten, den eigenen Profit zu maximieren. Terminator-Pflanzen werde mithilfe der Gentechnik ein Mechanismus eingebaut, der Gene im Erbgut an- oder abschalten könne. Das Korn werde unfruchtbar, der Landwirt müsse jedes Jahr neues Saatgut kaufen. „Das ist eine Art von eingebautem Kopierschutz“, sagte Johannes Hartkemeyer.

Bevor die freiwilligen Helfer schließlich den von Gentechnik freien Bordeaux-Weizen auf den Acker bringen durften, bekamen sie noch eine Anleitung. Die fünfte Klasse der Waldorfschule Evinghausen hatte die richtige Technik eingeübt und demonstrierte, wie man auf dem rechten Fuß stehend mit einem Vorwärtswurf den Weizen gleichmäßig verteilt.