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Faten Mukarker spricht in Hollage über ihr Leben in Palästina Geschichten aus einem gespaltenen Land

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Eine Friedensbotschafterin verkauft Engel: Faten Mukarker nach ihrem Vortrag im Hollager Hof. Foto: Hendrik SteinkuhlEine Friedensbotschafterin verkauft Engel: Faten Mukarker nach ihrem Vortrag im Hollager Hof. Foto: Hendrik Steinkuhl

Wallenhorst. Während man in Deutschland nur noch über die „Mauer in den Köpfen“ diskutiert, wird Palästina im Jahr 2011 eingezäunt – im wahrsten Sinne des Wortes. Über das Leben hinter einer Sperranlage berichtete die Palästinenserin Faten Mukarker im Hollager Hof. Mit viel Witz und noch mehr Emotionen ließ sie die Zuschauer an ihren Erfahrungen mit israelischer Besatzungsmacht und arabischer Tradition teilhaben.

Am Ende ihrer Vortragsreise durch Deutschland blickte Faten Mukarker zunächst auf ihre Ankunft auf dem Frankfurter Flughafen zurück: „Ich fror zwar – aber ich konnte atmen!“ Trotz der angenehmeren Temperaturen in Israel erlebt Mukarker jede Reise nach Deutschland wie eine zeitweilige Befreiung: „In meinem Land hat ein Menschenleben keinen Wert. Und in Deutschland kommen sogar Tiere zu ihrem Recht!“

Mann wurde ausgesucht

Faten Mukarker weiß, wovon sie spricht. Die 54-jährige orthodoxe Christin ist in Bonn aufgewachsen. Mit 20 aber ging es zurück in das Heimatland von Vater und Mutter, nach Palästina. Die Eltern von Faten Mukarker suchten für ihre Tochter einen Mann aus, den sie nach dem ersten Kennenlernen heiraten musste – und mit dem sie noch heute in einem Nachbarort von Bethlehem zusammenlebt.

„Wir haben nur vier Kinder, damit sind wir eine fortschrittliche Familie. Unsere Nachbarn haben zwölf.“

Dass sie trotz Zwangsheirat einen fortschrittlichen Mann habe, könne man auch daran sehen, dass sie jetzt in Deutschland sein dürfe, sagte Faten Mukarker. Wie anders ihr Leben als Mutter in einer arabischen Kultur ist, konnte sie schon an ein paar Beispielen verdeutlichen. „Wenn man heiratet, wird man in meiner Heimat als Mutter des ältesten Sohnes angesprochen. Mein Sohn heißt Fuat und ich Im Fuat.“ Als sie ihren Mann vor ihrer ersten Schwangerschaft gefragt habe, was passiere, wenn sie keinen Sohn bekomme, habe der geantwortet: „Dann heißt du Im Fuat, bis Fuat kommt!“

Zum Glück für sie seien das erste und auch das zweite Kind Söhne geworden. Danach habe sie zwei Töchter bekommen, deren Namen sie alleine habe auswählen dürfen: „Deshalb heißen die beiden Ursula und Monika.“

Zum Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern bezog Faten Mukarker eindeutig Stellung. Sie warf Israel seine Siedlungspolitik vor und kam ganz konkret immer wieder auf das Verhalten junger Soldaten an den Grenzübergängen zurück, wo sie als Palästinenserin oft aus reiner Schikane stundenlang in der Hitze warten müsse.

Nachdem sie mit einer Powerpoint-Präsentation den gesamten Nahostkonflikt aus palästinensischer Sicht aufgerollt hatte, packte Mukarker das Publikum gegen Ende ihres Vortrags noch einmal mit vielen Fotos von der israelischen Sperranlage. Allein die Höhe von rund acht Metern, die die Sperranlage in den Abschnitten besitzt, in denen sie aus Betonplatten besteht, sorgte bei vielen Zuschauern für Kopfschütteln.

Die besondere Tragik der Sperranlage brachte Faten Mukarker zum Schluss zum Ausdruck: „In einer Zeit, wo überall Grenzen abgebaut werden, baut man in Israel noch eine Mauer!“


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