Miteinander der Religionen Puppentheater fesselt mit "Nathan der Weise" im Hollager Hof

Puppenspieler Rolf Hector verlieh seinen Figuren, links Al-Hafi, rechts Nathan, große Intensität und fesselte das Publikum bei der Aufführung im Hollager Hof. Foto: Horst TroizaPuppenspieler Rolf Hector verlieh seinen Figuren, links Al-Hafi, rechts Nathan, große Intensität und fesselte das Publikum bei der Aufführung im Hollager Hof. Foto: Horst Troiza

Wallenhorst . Zeitlose Aktualität: Rolf Hector vom Diwan Figurentheater führte am Freitag im Heimathaus Hollager Hof Lessings „Nathan der Weise“ auf. Intensiv, fesselnd und begeisternd widmete er sich der Botschaft von Toleranz und Miteinander.

Nicht gegeneinander, sondern miteinander, so lautet die Botschaft des Stückes und wendet sich hierbei an drei der großen Weltreligionen. Innerhalb der Mauern der Stadt Jerusalem reiben sich Angehörige des Christentums, des Islams und des Judentums mit ihren unterschiedlichen Welt- und Wertevorstellungen aneinander, finden zuletzt aber zu einer Position der gegenseitigen Toleranz. Protagonist ist der Jude Nathan, der in Kontakt mit Christen und Muslimen die trennenden Grenzen aufzeigt und den Anstoß für ein gedeihliches Miteinander gibt.

Glanzstück der Aufklärung

„Nathan der Weise“ ist ohne Zweifel ein Glanzstück aus der Epoche der Aufklärung und besitzt zeitlose Aktualität. Wie damals bei seiner Entstehung reiben sich auch heute die Religionen aneinander. Nicht zuletzt deshalb hatte es in der vergangenen Saison auf dem Spielplan des Theaters Osnabrück gestanden. Rolf Hectors Diwan Theater hat Lessings Stoff seit Jahren auf dem Spielplan, brachte es jetzt aber in einer aktualisierten Inszenierung auf die Bühne im Hollager Hof.

Ohne zu übertreiben dürfen dafür an dieser Stelle die Prädikate „fesselnd“ und „begeisternd“ vergeben werden. Hector schaffte es, das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zu schlagen. Eigentlich war es ja ein zweistündiger Monolog, von den Zuschauerbänken jedoch als ein Dialog von sechs Figuren zu erleben. Der Puppenspieler gab jeder ihre eigene Stimme, so als ob in Wirklichkeit sechs Köpfe miteinander redeten und diskutierten.

Pointierter Bariton

Einzig bei der Ring-Parabel, dem Schlüsselmoment des Stücks, ruhten die Puppen. Hector wandte sich an dieser Stelle selbst mit dem Text an das Publikum und fesselte auch hier wieder mit seiner pointierten Baritonstimme.

Kurzum: „Nathan der Weise“ war auch in dieser Form ein Genuss von Anfang bis Ende und erlebt, so ist zu hoffen, noch viele, viele weitere Aufführungen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN