Ab Samstag Kirmes in Westerkappeln Wallenhorster Schausteller über Hochwasser und das Gefühl von Freiheit

Von Nele Maeder

Die Westerkappelner Kirmes ist für Carlo Parpalioni ein Muss. Hier war er schon mit seinem Opa und Vater. Foto: Nele MaederDie Westerkappelner Kirmes ist für Carlo Parpalioni ein Muss. Hier war er schon mit seinem Opa und Vater. Foto: Nele Maeder

Westerkappeln. In seinem langen Schaustellerleben hat der in Wallenhorst lebende Carlo Parpalioni ein paar verrückte Sachen erlebt, wie jene bei einem Jahrmarkt an der Küste: Seine Imbissbude war fertig aufgebaut, doch bevor er die erste Wurst auf den Schwenkgrill legen konnte, war der Rummel schon vorbei. Hochwasser!

So ein Schlamassel hat der 60-Jährige am kommenden Wochenende, 7. bis 9. September, bei der Westerkappelner Herbstkirmes sicher nicht zu erwarten, auch wenn immer mal wieder Schauer angekündigt sind. Mitten auf dem Kirchplatz steht Carlo Parpalioni mit seinem Schwenkgrill. Seit er denken kann, ist er bei der Westerkappelner Kirmes dabei. Denn die Parpalionis sind eine Schaustellerfamilie mit langer Tradition und Carlo von Kindesbeinen an dabei. 

Schulpflicht für Schausteller

Früher musste er, wenn in Kappeln Kirmes war, hier sogar zur Schule gehen. „Damals gab es noch ein Büchlein, wo man sich bei den örtlichen Schuldirektoren einen Stempel abholen musste, um nachzuweisen, dass man in der Woche die Schule besucht hatte“, erzählt Parpalioni. „Heute ist das anders. Viele Schaustellerkinder besuchen Internate oder leben bei ihren Großeltern und gehen dort zur Schule.“

Seitdem Parpalioni 18 Jahre alt ist, betreibt er seine eigene Imbissbude. Seinen Berufsweg hat er bis heute nicht bereut. „Klar, wenn es beim Abbauen in Strömen regnet und man das Wochenende kaum etwas verdient hat, dann macht es auch mal nicht so viel Spaß, als Schausteller zu arbeiten.“ So wie beim Hochwasser an der Küste. Aber die Hauptmotivation, Schausteller zu sein, sei bei ihm und den meisten Kollegen nicht das Geld, „sondern die Arbeit mit Menschen“.

Früher betrieb die Schaustellerfamilie Parpalioni die Bobbahn. Foto: Nele Maeder

Auch das Leben im Wohnwagen und die damit verbunden Ortswechsel stören ihn nicht wirklich. Für Parpalioni ist es ein „Gefühl von Freiheit“. Und ein weiterer Vorteil sei, dass man weniger Fläche zu putzen habe, meint er schmunzelnd.

Wohnsitz in Wallenhorst

Carlo Parpalioni hat auch einen festen Wohnsitz – in Wallenhorst. Dort lebt und schläft er, wenn er in der Nähe auf einem Jahrmarkt steht; so wie dieses Wochenende in Westerkappeln.

„Eine Lieblingskirmes habe ich nicht. Jede hat einen besonderen Reiz, aber am schönsten ist es schon in Orten wie Westerkappeln, wo man so viele der Besucher von früher kennt“, erzählt Parpalioni.

Wenn der Schausteller sein Leben in drei Worten beschreiben soll, nennt er es „anstrengend, schwierig und schön“. Er kann sich nicht vorstellen, etwas anderes zu machen und will den Beruf auch bis ins hohe Alter weiter führen. Wie seine Mutter. Die 84-Jährige steht mit einem Pizzastand auf dem Kirchplatz und freut sich wie Sohn Carlo auf viele weitere Westerkappelner Jahrmärkte.


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