Finanzen, Aufträge, Gesetze Gegenwind beim Besuch der CDU in den Wallenhorster Werkstätten

Einen Eindruck von der Arbeit in den Werkstätten Wallenhorst verschafften sich jetzt die Abgeordneten der CDU -Bezirksgruppe Osnabrück-Emsland-Grafschaft Benktheim. Foto: Jessica von den BenkenEinen Eindruck von der Arbeit in den Werkstätten Wallenhorst verschafften sich jetzt die Abgeordneten der CDU -Bezirksgruppe Osnabrück-Emsland-Grafschaft Benktheim. Foto: Jessica von den Benken

Wallenhorst. Von einer lauschigen Sommertour hatte der Besuch der CDU-Abgeordneten der Bezirksgruppe Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim in den Werkstätten Wallenhorst der Heilpädagogischen Hilfe nichts. Kontroverse Gespräche bestimmten den Vormittag.

Zwei Tagen lang tingelten die Christdemokraten durch ihre Wahlbezirke. Sie besuchten dabei an zehn Standorten jeweils ein Unternehmen aus dem Bereich Handwerk und Arbeit. Dienstagvormittag waren die Abgeordneten in den Werkstätten in Wallenhorst. Mit von der Partie: Martin Bäumer, Bernd Busemann, Christian Calderone, Christian Fühner, Bernd-Carsten Hiebing, Finanzminister Reinhold Hilbers, Gerda Hövel, Burkhard Jasper, Clemens Lammerskitten und Annette Meyer zu Strohen.

Rundgang bringt Eindruck

Der Besuch der Werkstätten für Menschen mit Behinderung gliederte sich in zwei Teile. Los ging es mit einem Rundgang zu dem Annegret Bettenbruck in ihrer Funktion als Werkstättenrätin einlud. Einen Eindruck von der anfallenden Arbeit bekamen die Gäste dabei. Eine Arbeitsgruppe packte zum Beispiel Schrauben und Verpackungsmaterialien für Solarlux zusammen, eine andere Gruppe sortierte Kisten mit technischer Ausstattung für Kaffeepartner, eine dritte Arbeitsgruppe setzte neue Batterien in Babypuppen ein. 

Die Batterien in den Babypuppen werden in den Werkstätten Wallenhorst in Handarbeit ausgetauscht. Foto: Jessica von den Benken

Diskussion über Finanzen, Aufträge und Gesetze

Das aus diesem Besuch bei der anschließenden Gesprächsrunde eine Diskussion über Finanzen, Auftragslagen und Gesetze werden sollte, damit hatte sicher zu Beginn niemand gerechnet. Doch bereits die Anmerkung von Michael Kempf, Prokurist der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück, ließ Zündstoff erahnen. Er sagte: "Die Politik spricht viel über uns. Schön, dass Sie heute einmal hier sind, um mit uns zu sprechen. Menschen mit Behinderungen brauchen Multiplikatoren, brauchen Sprachrohre um Gehör zu finden." Nach der knappen Vorstellung der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück, die derzeit 2250 Beschäftigte an 13 Standorten in Stadt und Landkreis hat, zeigte er deutlich auf, mit welchen Problemen man zu kämpfen habe. Einerseits die schwere Auftragslage, nicht zuletzt bedingt durch die Automatisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt und der Konkurrenz aus Billiglohnländern sorge für Probleme, sonder auch die Schwierigkeiten, die mit dem neuen Bundesteilhabegesetz einhergehen würden.

Volles Haus bei der Sommertour der CDU in den Werkstätten Wallenhorst. Foto: Jessica von den Benken

Schlechtes Zeugnis für die Gesellschaft

"Wir versuchen Schritt zu halten, doch unserer Auftraggeber erwarten ständig sinkende Preise", erklärte Kempf. Könne man nicht die Produktivität der Einrichtungen steigern, fragte daraufhin Finanzminister Reinhold Hilbers. Dies werde versucht soweit es gehe, antwortete Kempf. Doch müsse man bei aller Produktivitätssteigerung durch Automatisierung immer beachten, dass die Beschäftigten auch praktische Arbeit benötigen. Besonders schwierig werde es für die Werkstätten immer, wenn ein langjähriger Auftrag wegbrechen würde. Es gebe keine zweite Reihe, das sei problematisch. Mit einem Mitarbeiter, der sich speziell um die Akquise neuer Kunden kümmere, versuche man dem entgegen zu wirken. "Das ist aber keine einfache Aufgabe. Es gibt nicht viele Unternehmen, die sich trauen mit uns zu arbeiten. Ein schlechtes Zeugnis für unserer Gesellschaft, wie ich finde", sagte Kempf. Die jüngst geschlossene Kooperation mit dem VfL Osnabrück wirke sich hingegen gut für die Werkstätten aus. Gegen Kempfs Anspielung, das neue Bundesteilhabegesetz sei ein Sparmodell, welches die Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung nicht beachte, wehrte sich der Hilbers mit Nachdruck. "Menschen mit Handicap sollen mehr in die Rolle des Kunden versetzt werden", sagte er. Dies bewirke die neue Regelung. "An vielen Stellen überfordere es die Menschen jedoch auch", erwidert Kempf daraufhin.

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