Mit Bürgermeister Steinkamp Gespräch bei der Landesschulbehörde geführt Wallenhorster Alexanderschüler streiken für inklusive Beschulung

Schüler und Eltern der Alexanderschule demonstrierten bei der Landesschulbehörde für den Erhalt der inklusiven Beschulung an der Wallenhorster Hauptschule.                                  Foto: Monika Schmidt-HeuerSchüler und Eltern der Alexanderschule demonstrierten bei der Landesschulbehörde für den Erhalt der inklusiven Beschulung an der Wallenhorster Hauptschule. Foto: Monika Schmidt-Heuer
Monika Schmidt-Heuer

Wallenhorst. Gegen die stetige Reduzierung von Förderschullehrerstunden an der Wallenhorster Alexanderschule haben sich Schüler und Eltern jetzt deutlich zur Wehr gesetzt: Eine Delegation hat gemeinsam mit Bürgermeister Otto Steinkamp bei der Landesschulbehörde in Osnabrück auf die prekäre Situation an der Hauptschule aufmerksam gemacht.

Zur Erinnerung: In der Entlassungsfeier der Neunt- und Zehntklässler hatte Schulleiter Arne Willms mit deutlichen Worten auf die immer schlechteren Bedingungen für die inklusive Beschulung an der Alexanderschule hingewiesen. Im kommenden Schuljahr könnten nur 42 der 120 Stunden wöchentlichen sonderpädagogischen Bedarfs von Förderschullehrern abgedeckt werden: „Die sonderpädagogische Grundversorgung beträgt dann nur noch 35 Prozent“, hatte Willms vorgerechnet. Vor zwei Jahren habe der Wert noch bei 72 Prozent gelegen.

Förderschullehrer werden an andere Schulen abgeordnet

Unmut darüber gab es an der Alexanderschule schon lange: „In den letzten drei Jahren sind immer mehr Förderstunden gestrichen worden. Das hat man immer wieder mitbekommen“, erklärt dazu Elternvertreterin Monika Schmidt-Heuer für die Elternschaft der Alexanderschule. Grund: Förderschullehrer werden an andere Schulen mit entsprechendem Förderbedarf abgeordnet. Fachlehrer, die sonst von einem Förderschullehrer im Unterricht unterstützt werden, müssen dann alles alleine stemmen – mit fatalen Folgen für Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf: „Sie fallen dadurch in ein Loch. Sie und auch die Eltern stehen dann leidend da“, weiß Schmidt-Heuer. Bedauerlich sei diese Entwicklung auch für das Lehrerkollegium der Alexanderschule: „Ein Pool von Kollegen, der das inklusive Konzept seit zehn Jahren aufgebaut hat, wird dadurch auseinandergerissen.“

Alexanderschüler streiken für mehr Förderstunden

Schüler und Eltern wollen dieser Entwicklung nicht länger tatenlos zusehen. Kurz vor Ferienbeginn blieben sämtliche Alexanderschüler dem Unterricht einen Tag fern und suchten im Rathaus das Gespräch mit Bürgermeister Otto Steinkamp: „Die Schüler wissen, was passiert, wenn sich nichts ändert. Dann gibt es nämlich kaum noch Schulanmeldungen bei der Alexanderschule, und dann wird die Alexanderschule mit der Realschule Wallenhorst zusammengetan", schreibt Alexanderschüler Niclas Willer in einer Mail an die Redaktion. Und das wollten weder Schüler und noch Lehrer. Seine Befürchtung: "Dann werden die Integrationsschüler untergehen und sowas darf nicht sein.“ 

Bürgermeister überzeugt

Das Engagement der Alexanderschüler hat sich ausgezahlt: Steinkamp erklärte sich bereit, gemeinsam mit einer Delegation aus Eltern und Schülern bei der Landesschulbehörde auf die Situation aufmerksam zu machen: „Als Schulträger sind wir dafür verantwortlich, die baulichen Rahmenbedingungen zur inklusiven Beschulung zu schaffen. (…) Diese baulichen Erfordernisse werden vom Land auch immer wieder eingefordert. Insofern ist es für mich selbstverständlich, dass das Land seiner Verpflichtung zur erforderlichen personellen Ausstattung insbesondere auch an Förderschullehrern nachkommt. Für die Kinder ist es wichtig, die ihnen vertrauten Lehrer und Förderschullehrer zu behalten.“

Kaum positive Signale

Große Hoffnung auf eine Verbesserung machte die Landesschulbehördedem Bürgermeister in dem Gespräch  jedoch nicht. Dazu Elternvertreterin Schmidt-Heuer: „Es hieß, dass wir uns als Eltern damit abfinden müssen. Die Schule stehe immer noch top da und eigentlich bräuchten wir uns nicht zu beschweren.“ Konkret bedeutet das: „Der Anteil der Förderschullehrerstunden liegt mit 43,9 Prozent bereits über dem Durchschnitt der Zuweisungen an Förderschullehrerstunden an weiterführenden Schulen in Stadt und Landkreis Osnabrück“, erklärte dazu die Pressestelle der Landesschulbehörde. So stehe der Alexanderschule ein Kontingent an Förderstunden von insgesamt 117,5 Stunden zu. Dieser Bedarf werde einer aktualisierten Bedarfsermittlung zufolge von nun doch 50 Förderschullehrerstunden abgedeckt. Des Weiteren stünden der Schule weitere 64 Lehrerstunden zur Verfügung, heißt es in der Antwort weiter. Wohlgemerkt: Gemeint sind hier Fachlehrkräfte, keine Förderschullehrer.

Fachkräftemangel als Ursache

Die Behörde habe außerdem um Verständnis dafür geworben, dass wegen des Fachkräftemangels derzeit keine 100-prozentige Versorgung mit Förderschullehrern sichergestellt werden könne. Bürgermeister Steinkamp kann das nicht überzeugen: „Es macht keinen Sinn, die Alexanderschule als Pilotprojekt für inklusive Schule zu benennen und gleichzeitig Personal abzuziehen.“ Bestehende Strukturen würden erheblich geschwächt, sodass eine Unterrichtsversorgung gerade bei Kindern mit zusätzlichem Förderbedarf kaum noch gegeben sei.

Online-Petition eingerichtet

Ob Schüler und Eltern durch das Gespräch mit der Landesschulbehörde etwas erreicht haben, ist ungewiss: „Das stellt sich erst nach den Ferien raus. Letztlich ist alles offen“, stellt Elternvertreterin Schmidt-Heuer fest. Die Elternschaft hat mittlerweile eine Online-Petition eingerichtet, um ihrer Forderung gegenüber der Landesschulbehörde Nachdruck zu verleihen. Zu finden ist die Petition unter  https://www.openpetition.de/petition/online/gymnasium-vs-hauptschule-alexanderschule-wallenhorst-2.


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