Radewege-Verein tagt Verkehrsplaner stellt Varianten für Radweg zwischen Hollage und Halen vor

Wallenhorst. Nicht befriedigend, aber immerhin ein erster Schritt: So lässt sich das Ergebnis der Vermessungsarbeiten beschreiben, die Verlauf und Kosten eines Radwegs zwischen Halen und Hollage entlang der L 109 ermitteln sollten. Verkehrsplaner Thomas Rakel stellte jetzt mögliche Varianten bei der Mitgliederversammlung des Bürgerradwegvereins vor.

Untersucht hat das in Osnabrück ansässige Planungsbüro Hamm einen 700 Meter langen Abschnitt, der sich von der Einmündung Dörnter Weg/L 109 bis zur hinter der Hase gelegenen Landesgrenze erstreckt. Näher in den Blick genommen haben die Verkehrsplaner zwei Varianten eines 2,50 Meter breiten kombinierten Rad- und Gehwegs mit einem 1,75 Meter breiten Trennstreifen zur Straße nördlich und südlich der L 109, der jeweils in beide Richtung befahren werden soll.

Die nördliche Variante würde westlich der Hasebrücke an einen Radweg anschließen, der derzeit vom Kreis Steinfurt geplant wird. Da die über das Brückenwerk führende Straße mit 5,50 Meter zu schmal für die Anlage eines zusätzlichen Radwegs ist, würden die Radfahrer über ein separates Brückenwerk geführt, das als Holzkonstruktion je nach Variante an die nördliche oder südliche Seite angehängt würde. Gleiches haben die Planer für die darauf folgende Flutbrücke vorgesehen. Schwierig wird es nach Auffassung des Planungsbüros bei der Stichkanalbrücke: „Hier eine Brücke anzuhängen, wäre mit immensen Baukosten verbunden“, stellt Rakel fest. Die Folge: Der Radweg wäre hier offiziell zu Ende. Die Radfahrer müssten - zumindest theoretisch - absteigen und ihren Drahtesel über den Bordstein bis zum Brückenende und Neustart des Radwegs schieben. Im weiteren Verlauf würde an der Hofstelle Trame der Radweg bis auf 85 Zentimeter zur Straße verschwenkt werden, um den dortigen Baumbestand zu erhalten. Von dort würde der Radfahrer in den Dörnter Weg und über die Hermannstraße bis zum Q1-Kreisel geführt.

Einmündung Dörnter Weg/L 109: An der Hofstelle Trame würde der Radweg bis auf 85 Zentimeter zur Straße verschwenkt, um den dortigen Baumbestand zu erhalten. Foto: Christina Halbach


Bei der südlichen Variante wäre bereits der Start um einiges unkomfortabler. Radfahrer müssten, um vom Halener Radweg auf die Fahrradstraße auf niedersächsischer Seite zu gelangen, die L 109 queren, um am Stichkanal ein weiteres Mal die Seite wechseln zu müssen. Dort ist das Fußgängerbord mit 0,47 Meter zu schmal, um Fahrradfahrer aufzunehmen. Um wieder auf den Radweg zu gelangen, müsste die L 109 erneut gequert werden. Ein weiteres Argument gegen diese Variante: Der Eingriff in die Natur wäre aufgrund des stärkeren Baumbestandes wesentlich höher als für den Streckenverlauf auf nördlicher Seite.

Was sagen die Vereinsmitglieder?

 Einig waren sich die Radwegaktivisten, die südliche Variante nicht weiter zu verfolgen – zu massiv schlagen Minuspunkte bei Komfort und Sicherheit zu Buche. Aber auch die nördliche Seite überzeugte nicht vollends: Das Fußgängerbord auf der Stichkanalbrücke sei zu hoch und berge Gefahren für Familien mit Kindern, hieß es. Josef Pott brachte es auf bekannte Weise auf den Punkt: „Das ist keine befriedigende Lösung.“ Um zu klären, ob möglicherweise doch eine Brücke an die Stichkanalbrücke angehängt werden könnte, regte er eine detaillierte Prüfung der Statik an. Pott hinterfragte außerdem, warum nicht sofort die gesamte Strecke bis zum Q1-Kreisel mit in die Planung eingezogen worden sei. 

Was sagt der Wallenhorster Bürgermeister?

 Der drückte auf die Kostenbremse: „Bei der Vermessung des Teilstücks geht es vor allem darum ein Preisschild und einen möglichst geringen Betrag zu ermitteln, um im Ranking weit nach oben zu kommen“, machte Otto Steinkamp deutlich. Die Gemeinde Wallenhorst hatte eigentlich unzuständigkeitshalber – die L 109 ist eine Landesstraße - für die Planung 100.000 Euro in den Haushalt eingestellt, als von Gesprächen mit dem damaligen niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies positive Signale ausgegangen waren.

Was sagt der Verkehrsplaner? 

Auch Thomas Rakel warnte davor, die Kosten in die Höhe zu treiben. 650.000 Euro soll nach einer ersten Schätzung der Bau des Radwegs und der Brückenbauwerke kosten: „Das ist aber noch nicht unter dem Strich“, betonte der Bauingenieur. Kosten für Planfeststellungsverfahren oder Artenschutz seien noch nicht einberechnet. Auch Rüdiger Mittmann von der Gemeinde Wallenhorst betonte: „Wir sind noch am Anfang.“

Was sagt der Bürgermeister aus Lotte? 

Den treiben ganz eigene Probleme – nämlich mit der Deutschen Bahn – um. Bis die Einrichtung einer Fußgänger- und Radfahrerschranke am Bahnübergang Halen durch die Mühlen des Großkonzerns gegangen ist, könne es gut und gerne 2023 werde, prognostizierte Rainer Lammers. Seine Hoffnung: „Eventuell kriegen wir es über politische Kontakte kürzer hin.“

Wie geht es weiter?

 Der Verein ist mittlerweile nicht untätig geblieben. Gemeinsam mit dem CDU-Europaabgeordneten Markus Pieper habe man einen Brief an den niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann geschrieben, berichtete der erste Vorsitzende Dirk Havermeyer: „Wir haben auf die Dringlichkeit hingewiesen und hoffen jetzt auf einen Termin, um die Situation vor Ort darzustellen.“

Was hat der Verein seinen Mitgliedern mitgeteilt?

 Der Radweg, den die Aktiven in Eigenarbeit an der Achmerstraße gebaut haben, soll endlich fertiggestellt werden. Der Kreis habe zugesagt, dass mit den Bauarbeiten für den Lückenschluss am Restaurant Tennessee Mountain in diesem Jahr begonnen werden soll, teilte Havermeyer mit. Beschlossen hat die Mitgliederversammlung außerdem, die Einziehung des Jahresbeitrages auszusetzen: „Wenn wir nicht aktiv sind und bauen, wollen wir auch nichts abbuchen“, begründete Kassenwart Lutz Noack die Entscheidung. Ihn treibe die Sorge um, dass dem Verein ansonsten Mitglieder abhandenkommen könnten. Rund 8.600 Euro liegen aktuell auf den Konten.


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