Wallenhorster Politiker mit Liebe zu Afrika Das politische Urgestein Karl-Heinz Hornhues feiert seinen 80. Geburtstag

Der Wallenhorster CDU-Politiker Karl-Heinz Hornhues wurde am Pfingstmontag 80 Jahre alt. Die große Feier mit rund 150 Gästen findet am 15. Juni auf dem Hollager Hof Hawighorst statt. Foto: Hendrik SteinkuhlDer Wallenhorster CDU-Politiker Karl-Heinz Hornhues wurde am Pfingstmontag 80 Jahre alt. Die große Feier mit rund 150 Gästen findet am 15. Juni auf dem Hollager Hof Hawighorst statt. Foto: Hendrik Steinkuhl

Wallenhorst. Er saß 30 Jahre im Bundestag, war in den 90er-Jahren einer der wichtigsten deutschen Außenpolitiker und wird bis heute hoch geschätzt. Jetzt feiert der Wallenhorster Karl-Heinz Hornhues seinen 80. Geburtstag – und von Ruhestand kann immer noch keine Rede sein.

Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, war Karl-Heinz Hornhues in Warschau. Er erlebte den größten Tag der Bundesrepublik Deutschland an der Seite des Mannes, der als "Kanzler der Einheit" in den Geschichtsbüchern stehen wird, und gemeinsam mit Kohl reiste er aus Polen nach Berlin, wo sie von Hunderttausenden empfangen wurden.  

Der Mann, der 50 Jahre später einer der einflussreichsten Außenpolitiker Deutschlands werden sollte, kommt gebürtig aus dem Münsterland. Karl-Heinz Hornhues wurde 1939 in Stadtlohn geboren und ging in Ahaus zur Schule. Nach VWL-Studium und Promotion in Münster machte er dann einen Schritt, für den er sich zu Hause rechtfertigen musste: Er ging ins Emsland. "Da hat mein Vater gefragt, wofür er denn meine Ausbildung bezahlt hat", sagt Hornhues lachend. Das spät industrialisierte Emsland war in den 60er-Jahren noch nicht die wirtschaftsstarke Region, die es heute ist, und galt als vollkommen abgehängte Region.

"Brickwedde und Kues waren meine jungen Wasserträger"

Seine berufliche Heimat fand Hornhues im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus. Später wurde er Professor an der Katholischen Fachhochschule in Osnabrück, wohnte zunächst in der Stadt und zog dann nach Wallenhorst, wo er bis heute mit seiner Frau Ellen lebt. Seine politische Heimat war die CDU und die Junge Union Niedersachsen, zu deren Vorsitzendem er 1972 gewählt wurde. "In der kurzen Zeit, in der wir dort wirkten, haben wir der niedersächsischen CDU Profil gegeben", sagt Hornhues. Mit "wir" meint er vor allem Hermann Kues, später Staatssekretär im Familienministerium, und Fritz Brickwedde, langjähriger Chef der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. "Das waren damals meine jungen Wasserträger."

Bevor sich Hornhues auf Landesebene weiter etablieren konnte, machte er im Jahr seiner Wahl zum JU-Vorsitzenden schon den nächsten Karriereschritt. "Anders, als ich je gedacht und geplant hatte, gab es 1972 eine vorgezogene Bundestagswahl." Für die CDU wurde diese Wahl zu einer großen Niederlage, Hornhues aber zog über die Landesliste in den Bundestag ein. 

Mit Norbert Blüm gegen die eigene Fraktion gestimmt 

Als neu gewählter Bundestagsabgeordneter musste sich der 33-Jährige erst mal ganz hinten einreihen. "Das war damals straff organisiert, und wer das nicht akzeptierte, der bekam Probleme." Und Hornhues akzeptierte nicht. Gemeinsam mit Norbert Blüm und zwei anderen Abgeordneten votierte er in der Abstimmung über den Grundlagenvertrag mit der DDR gegen die eigene Fraktion. Die Abneigung seiner Fraktionskollegen bekam er unmittelbar zu spüren, erzählt Hornhues; ein schon ziemlich angetrunkener CSU-Mann etwa habe ihn abends sogar am Kragen gepackt und ihm die Leviten gelesen. 

Karl-Heinz Hornhues (zweiter von links) mit dem damaligen Unions Kanzler-Kandidaten Franz-Josef Strauß (zweiter von rechts) im Jahr 1980 vor dem Osnabrücker Parkhotel. Links im Bild CDU-Politiker Reinhard von Schorlemer, rechts seine Parteikollege Konrad Schneller. Foto: Klaus Lindemann


Bembel beim Kanzler um 9 Uhr morgens

Trotz seines rebellischen Starts arbeitete sich Hornhues in der Fraktion langsam nach oben. Den neuen CDU-Vorsitzenden und späteren Kanzler Helmut Kohl erlebte auch er dabei als den Patron, als der er von so vielen Weggefährten geschildert wird. Einmal, erinnert sich Hornhues, wurde er mit zwei Begleitern bei Kohl vorstellig, um finanzielle Hilfe für die schwer kriselnde Georgsmarienhütte einzuwerben. "Juliane, bring mal ein paar Bembel, die Jungs haben Durst", habe Kohl sofort in Richtung seiner Büroleiterin Juliane Weber gerufen. Dann wurden Hornhues und seine Begleiter genötigt, Kohls neuen Wein zu trinken. "Und es war morgens um neun." 

In Kohls letzter Amtszeit von 1994 bis 1998 wurde der mittlerweile zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden für Außenpolitik aufgestiegene Hornhues dann Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses - die Krönung seiner politischen Laufbahn. Als Vertreter des Parlaments ging Hornhues nun regelmäßig auf Auslandsbesuch. Im politischen Protokoll habe er so weit oben gestanden, dass er mit zahlreichen Ehren und damit im Grunde wie ein Staatschef begrüßt wurde. "Und die Botschafter verkauften mich überall als das, was ich nicht war, aber auch nie dementiert habe, nämlich als einen engen Vertrauten des Kanzlers", erzählt Hornhues mit einem Grinsen. 

Schon als Bundestagsabgeordneter reiste Karl-Heinz Hornhues regelmäßig nach Afrika und galt schnell als Experte für den Kontinent. Hier ist er im Gespräch mit südafrikanischen Soldaten an der Grenze zu Angola. Foto: Hornhues


Im Jahr 2002 schied er dann aus dem Bundestag aus - mittlerweile hoch dekoriert, unter anderem mit dem Großen Bundesverdienstkreuz. In den Ruhestand ging Hornhues allerdings nicht, im Gegenteil. Schon als Abgeordneter galt er als Afrika-Spezialist, seit 1987 war er Vorsitzender der Deutschen Afrikastiftung und gründete schließlich gemeinsam mit seiner Frau die "Ellen und Karl-Heinz Hornhues Stiftung", die Projekte vor allem in Namibia unterstützt und 2018 ihr zehnjähriges Bestehen feierte. 

Geburtstagsfeier am 15. Juni mit 150 Gästen 

Ein Jahr später liegt das nächste große Jubiläum an: Am 10. Juni, dem Pfingstmontag, wurde Karl-Heinz Hornhues 80. Die große Feier mit über 150 Gästen findet am 15. Juni in Hollage auf dem Hof Hawighorst statt. Auch nach dem Gespräch mit dem Reporter bekommt Hornhues noch einige Zusagen, die der 79-Jährige wie selbstverständlich auf seinem Smartphone abruft.

Auf die Frage, ob er in diesem Jahr noch einmal nach Afrika reist, antwortet Hornhues, er wisse noch nicht, ob er das schaffe. Zwei Krebserkrankungen hat er bereits hinter sich. Sein Onkologe aber sei sehr zufrieden mit ihm. "Er hat gesagt: Man muss die Krankheit so angehen wie Sie. Sie sagen nicht: Oh Gott, oh Gott, ich habe Krebs, sondern: Doktor, was muss jetzt passieren?" Und dann sagt Karl-Heinz Hornhues, dass es da in Namibia noch eine Schule gebe, die man dringend ins Visier nehmen müsse. "Also ... Wahrscheinlich fliege ich auch dieses Jahr noch mal nach Afrika." 


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