17,6 Millionen Euro für schnelles Internet Wallenhorster Gemeindewerke wollen Glasfasernetz ausbauen

Leerrohre für Glasfaserleitungen für schnelles Internet sollen bald auch in Wallenhorst verlegt werden. Foto: Julian Stratenschulte/dpaLeerrohre für Glasfaserleitungen für schnelles Internet sollen bald auch in Wallenhorst verlegt werden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wallenhorst. Die Gemeindewerke Wallenhorst Netz (GWW) planen bis Ende 2024 an die 8444 Wohneinheiten in den vier Ortsteilen mit einem direkten Glasfaseranschluss auszustatten. Rund 17,6 Millionen Euro Investitionskosten sind nach jetzigem Stand für das Projekt veranschlagt, das die Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses den Ratsmitgliedern vorstellte.

Mit der SWO Netz GmbH, einem 100-prozentigen Tochterunternehmen der Stadtwerke Osnabrück, als strategischen Partner soll Wallenhorst durch den Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur fit für die digitale Zukunft gemacht werden. Vorausgegangen ist ein Strategieworkshop der Mitglieder des Beirates der GWW Netz, in dem nach Strom und Gas auch die Telekommunikation als Geschäftsfeld und der Aufbau einer Breitbandversorgung von den Teilnehmern festgelegt wurde. Die dafür benötigte ultraschnelle Glasfaser bis zum Endkunden, in der Fachsprache Fibre to the bulding (FTTB) genannt, gelte aktuell und auch in den nächsten Jahrzehnten als das Mittel der Wahl, ist Kämmerer Florian Lüttkemöller überzeugt. Bürgermeister Otto Steinkamp prognostizierte: „Wallenhorst wird damit die erste Kommune sein, die nicht nur die Außenbezirke versorgt, sondern auch die Ortsteile, die mit 50 bis 100 mbit versorgt sind.“

Außenbezirke profitieren vorerst nicht

Zur Erklärung: Haushalte und Gewerbebetriebe in unterversorgten Außenbezirken werden aktuell in Kooperation mit der landkreiseigenen Infrastrukturgesellschaft (Telkos) mit einem schnellen direkten Glasfaseranschluss ausgestattet. Von dieser Maßnahme profitieren derzeit jedoch nicht alle ländlichen Haushalte, wie Grünen-Ratsherr Arnulf Nüßlein feststellte: In Brockhausen etwa müssen Anwohner nach wie vor lange auf digitale Inhalte warten und werden – zumindest vorerst  – auch von dem geplanten Glasfasernetz nicht profitieren. Die Errichtung wird in diesen Gebieten als nicht wirtschaftlich genug eingeschätzt. Hier geht die Beschlussvorlage von 426 Wohneinheiten aus.

Kupferleitung wird durch Glasfaser ersetzt

Als priorisierte Gebiete werden die Ortskerne um die Hauptverteiler der Telekom mit etwa 2748 Wohneinheiten betrachtet. Weitere 5696 Wohneinheiten gelten ebenfalls als wirtschaftlich sinnvoll. Grundlage für das Netzkonzept sind die bereits bestehenden Glasfasertrassen, die für den FTTC-Ausbau in 2016 errichtet wurden. Diese reichen bislang lediglich zu den Kabelverzweigern, den grauen Stromkästen. Das Signal gelangt über eine Kupferleitung zu den Haushalten. Diese würde im Zuge des Ausbaus durch eine Glasfaserleitung ersetzt. Aktuell versorgen EWE und Telekom an die 50 Prozent der zu erreichenden Haushalte mit Bandbreiten bis zu 100 mbit. Dieses Netz soll mit dem Ausbau in den Besitz der GWW Netz übergehen.

400 Euro Anschlusskosten geplant

Realisiert werden soll das Projekt mit einer Eigenkapitalquote mit 20 Prozent (3,515 Millionen Euro). Die weiteren Investitionskosten sollen zu einem Teil durch Hausanschlusskosten, die von den späteren Nutzern einmalig zu leisten wären, finanziert werden (2,057 Millionen Euro). Hier geht die Planung derzeit von einem Betrag von je 400 Euro aus. Der Restbetrag (12 Millionen Euro) soll als Fremdkapital kreditfinanziert werden.

Osnatel und Telekom als Anbieter vor Ort

Über das gesamte Netz sollen zwischen der Gemeinde und der SWO Netz einen Pachtvertrag über mindestens 20 Jahre abgeschlossen werden. Das Stadtwerke-Tochterunternehmen wird das Netz betreiben und über einen weiteren Anbieter, die EWE, vermarkten. EWE arbeitet vor Ort mit seinem Tochterunternehmen Osnatel und der Telekom zusammen. Für weitere Anbieter sei das Netz aktuell noch nicht offen, erläuterte Lüttkemöller auf Nachfrage. Um mit dem Netzbetrieb auch Gewinn zu machen, müsste ein Marktanteil von 57 Prozent erreicht werden, was 4813 Wohneinheiten entspricht.

Fraktionsübergreifender Zuspruch

Fraktionsübergreifend löste das Projekt große Zustimmung aus: „Das ist eine Investition in die Zukunft. Wir stehen voll hinter dem Projekt“, erklärte Markus Broxtermann für die SPD/FDP-Gruppe. Manfred Gretzmann begrüßte, dass die Gemeindewerke nun auch im Bereich Kommunikation tätig seien. Der CDW-Ratsherr regte aber an, dass bald auch die Gebiete angeschlossen werden, die nicht im zentralen Bereich liegen. „Der Glasfaserausbau bedeutet auch einen Standortvorteil für Wallenhorst“, machte UWG-Ratsherr Stefan Botterhuis deutlich. Wegen des zu erreichenden Marktanteils zeigte er sich hingegen verhalten optimistisch.

Baubeginn für Mai 2020 geplant

Vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats und Genehmigung durch den Landkreis soll nach der Ausschreibungs- und Vergabephase im Mai 2020 mit den Ausbauarbeiten begonnen werden. Mit einer Fertigstellung des Glasfasernetzes wird zu Ende 2024 gerechnet.


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