Vom Spritzenwagen zum Löschfahrzeug 85 Jahre Wallenhorster Feuerwehr: Ein Grund zum Feiern

Haben bis zum Tag der offenen Tür bei der Freiwilligen Feuerwehr Wallenhorst noch viel zu tun (von links): Heinrich Dorenkamp, Timo Wischmeier-Raffelt, Sebastian Hollermann und Frank Broermann. Foto: Jessica von den BenkenHaben bis zum Tag der offenen Tür bei der Freiwilligen Feuerwehr Wallenhorst noch viel zu tun (von links): Heinrich Dorenkamp, Timo Wischmeier-Raffelt, Sebastian Hollermann und Frank Broermann. Foto: Jessica von den Benken

Wallenhorst. Seit 85 Jahren ist die Freiwillige Feuerwehr Wallenhorst aktiv. Zeit einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, aber auch Zeit für ein großes Fest. Am 23. Juni stehen von 11 bis 18 Uhr die Türen des Feuerwehrhauses am Eckergarten für Besucher offen und die Kameraden laden zu einem abwechlungsreichen Programm ein.

"Wir werden Löschübungen vorführen und man kann den Feuerwehrleuten bei der Arbeit über die Schulter schauen", kündigt der stellvertretende Zugführer Timo Wischmeier-Raffelt an. Auch werde es viele Tipps zum richtigen Verhalten bei Bränden geben und die Einsatzfahrzeuge und Ausrüstungen können besichtigt werden. Kinderbelustigung gehöre genauso selbstverständlich wie Kaffee, Kuchen, Leckeres vom Grill und kühle Getränke sowie musikalische Untermalung zu einem solchen Fest dazu. "Wir möchten an diesem Tag unsere Wehr vorstellen, aber auch auf 85 Jahre Feuerwehrgeschichte in Wallenhorst zurückblicken", so Wischmeier-Raffelt weiter.

Geschichten aus der alten Zeit

Der Gründungszeitpunkt der Freiwilligen Feuerwehr Wallenhorst ist auf den 3. März 1934 datiert. 22 Männer trafen sich damals in der Gaststätte Hardinghaus, riefen die Wehr für den Bereich des Feuerlöschverbands Wallenhorst, Hollage und Pye ins Leben und wählten Josef Wahmhoff zum ersten Gemeindebrandmeister.  "Natürlich hat es schon vorher ein Feuerlöschwesen in Wallenhorst gegeben. Dies ist durch den Kaufbeleg einer Löschspritze im Jahre 1818 und durch Aufzeichnungen im “Buch von die Sprützen zu Wallenhorst“ aus den Jahren 1874 bis 1913 belegt", weiß Feuerwehrmann Heinrich Dorenkamp. Er gehört seit 50 Jahren zur Freiwilligen Feuerwehr Wallenhorst und kennt die Geschichten aus der alten Zeit noch von seinen ehemaligen Kollegen. 

Alte Aufzeichnungen aus den Anfängen der Feuerwehr in Wallenhorst. Foto: Jessica von den Benken

Nach dem Krieg für Lebensfreude gesorgt

"In den Kriegsjahren mussten die Kameraden neben den eigentlichen Löschaufgaben auch Tote aus abgeschossenen Flugzeugen oder aus durch Bomben vernichteten Wohnhäusern bergen", weiß er aus Aufzeichnungen und Erzählungen. Außerdem seien der Feuerwehr in den Kriegsjahren sogenannte sachfremde Aufgaben übertragen worden,  wie die Teilnahme an Verdunkelungsübungen oder an Entrümpelungsaktionen. Nach dem Krieg habe man mit Volksfesten, Kappenfesten und anderen Gemeinschaftsveranstaltungen versucht, wieder zur Steigerung derLebensfreude der Bevölkerung beizutragen.

Klar definierte Aufgaben

Heute sind die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr klar definiert. Neben dem umfangreichen Einsatzgebiet "Brände und Hilfeleistungen" sind die Kameraden zusätzlich für Unterstützungen des Rettungsdienstes, Brandsicherheitswachen oder auch für die regelmäßige Überprüfung der Hydranten zuständig. "Und im Rahmen der Brandschutzerziehung besuchen wir auch Kindergärten und Schulen", erklärt Frank Broermann. Er ist stellvertretender Ortsbrandmeister und gehört ebenfalls seit Jahren zum Team.

Mit der Zeit gegangen

Aber nicht nur die Arbeit der Feuerwehrleute hat sich über die Jahre verändert. Sondern auch die Fahrzeuge und Feuerwehrhäuser seien mit der Zeit gegangen, so Broermann. "Im Gründungsjahr stand dem Feuerlöschverband ein Haus, das Ende der 1920er Jahre erbaut worden war zur Verfügung. 1944 wurde dieses erweitert, musste dann jedoch wegen des Ausbaus der Bundesstraße 68 abgerissen werden", erzählt er.  Ein Ersatzbau wurde am Bockholt errichtet und 1968 in Betrieb genommen. Seit 2009 haben die Wallenhorster Kameraden nun ihren festen Platz im Feuerwehrhaus am Eckgarten 1. Dort ist noch heute ein altes Löschfahrzeug aus Vorkriegszeiten ausgestellt. 

Nur noch ein Foto erinnert an das alte Spritzenhaus in Wallenhorst. Foto: Archiv Freiwillige Feuerwehr Wallenhorst

"In den Anfangsjahren stand nur die alte Spritze aus dem Jahre 1818 zur Verfügung. Die Motorisierung begann 1937. Die erste Pumpe gab es 1940", weiß Dorenkamp. Das erste richtige Feuerwehrfahrzeug, ein Steyr, sei 1948 angeschafft worden, und das erste Tanklöschfahrzeug, ein Borgward mit Allradfahrgestell, 1700 Liter Tank und einer elektrischen Heizvorrichtung, sei 1956 in den Dienst gestellt worden. "Bis zum heutigen Tage gab es weitere 13 neue Fahrzeuge, davon allein drei im vergangenen Jahr", zählt Broermann auf.

Vielzahl an Einsätzen

Auch spektakuläre Einsätze kennen die Kameraden noch aus Erzählungen von früher oder haben sie sogar selber miterlebt. Beim Dammbruch am Piesberg 1957, beim Brückeneinsturz der B68 1966 oder bei einem missglückten Dieselöldiebstahl im Juli 1978 waren die Wallenhorster Feuerwehrleute im Einsatz. Aber auch polizeiliche Unterstützung leisteten die Kameraden in der Vergangenheit. So pumpten sie 1961 einen Teich leer, in dem Diebesgut vermutet worden war. 1999 brannten auf einem Reiterhof in Wallenhorst 500 Ballen Stroh, im Januar 2004 rief man die Feuerwehrleute zu einen Großeinsatz über mehrere Tage, denn bei Wartungsarbeiten an einer Kunststoff-Mischmaschine im Betrieb der Firma Lorenz war es zu einer Explosion gekommen. Oder 2014, als auf der B68 nach einem Unfall ein mit Spraydosen beladener Lkw in Vollbrand geraten war, waren die Kameraden im Einsatz. 

Feuerwehrmann Sebastian Hollermann kennt die alten Geschichten nur noch von Bilder und Erzählungen der Kameraden. Foto: Jessica von den Benken

Heute leitet Dieter Bockgrawe gemeinsam mit Frank Broermann die Freiwillige Feuerwehr Wallenhorst. Er ist der achte Brandmeister seit der Gründung. Wilhelm Wilker ist der älteste Kamerad – er ist seit mehr als 75 Jahren Mitglied und gehört zur 21 Mann starken Altersabteilung. 62 aktive Mitglieder, darunter seit zwei Jahren eine Frau, und die Jugendfeuerwehr mit 14 Mitgliedern gehören zur Mannschaft.


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