Euregio Musik-Festival Klavierduo Noema beweist unbändige Spielfreude im Ruller Haus

Julia Polinskaja und Arash Rokni begeisterten als Klavierduo Noema im Ruller Haus. Foto: Dominik LappJulia Polinskaja und Arash Rokni begeisterten als Klavierduo Noema im Ruller Haus. Foto: Dominik Lapp
Dominik Lapp

Wallenhorst. Schon lange ist das Ruller Haus für seine erstklassigen Konzerte bekannt. Jetzt war das Haus im Rahmen des Euregio Musik-Festivals erstmals Aufführungsort für das erst 2017 gegründete Klavierduo Noema, das am frühen Sonntagabend rund 80 Besucher lockte.

Im ausverkauften Konzertsaal spielten die aus Moskau stammende Julia Polinskaja und der aus Teheran stammende Arash Rokni, die sich während des Musikstudiums in Köln kennen gelernt hatten, ein kontrastreiches zweistündiges Programm, das es in sich hatte. Die beiden Musiker, die vorwiegend solistisch spielen, kreierten dabei mit ihrem kammermusikalischen Zusammenspiel ihre eigene, gemeinsame Sprache. Ihre vielseitigen musikalischen Erfahrungen kamen ihnen dabei zugute, als sie beeindruckende Virtuosität mit geradezu unbändiger Spielfreude verbanden.

Mitreißend-brillantes Klavierspiel

"Durch vierhändiges Klavierspiel kann ein ganzes Orchester nachgeahmt werden", versprach Thomas Leuschner, der im Ruller Haus für die Klassik-Konzerte verantwortlich ist, vollmundig vor dem Konzert. Und er sollte Recht behalten, denn Polinskaja und Rokni ließen zu keiner Zeit ein Orchester vermissen, so mitreißend und brillant war ihr Klavierspiel.

Spielerische Leichtigkeit

Mit dem ursprünglich für zwei Flöten und Streichorchester geschriebenen Adagio und der Fuge in D-Moll (F 65) von Wilhelm Friedemann Bach, dem ältesten Sohn Johann Sebastian Bachs, eröffnete das Duo den Konzertabend schwungvoll. Dabei ließ es weder die Flötenpartien noch die mehr oder weniger strenge Streicherfuge vermissen. Es folgte mit der für vier Hände komponierten Klaviersonate (KV 381) ein eingängiges Stück, das der 16-jährige Mozart für sich und seine Schwester schrieb. Hierbei überzeugten Julia Polinskaja und Arash Rokni mit spielerischer Leichtigkeit, die hervorragend mit den kraftvollen Unisono-Stellen kontrastierte.

Julia Polinskaja und Arash Rokni lernten sich an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln kennen und gründeten 2017 das Klavierduo Noema. Foto: Dominik Lapp


Schlüsselwerk der musikalischen Moderne

Einen großen Farbenreichtum präsentierten sie außerdem mit drei Walzern aus dem Opus 39 von Brahms sowie mit dem Allegro (D 947) von Schubert, bevor das Publikum in eine kurze Pause geschickt wurde. Der Höhepunkt des Abends sollte sogleich im zweiten Teil folgen. Während es zunächst mit Johann Sebastian Bachs Choralkantate "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" gesetzt weiterging, folgte mit Igor Strawinskys Ballettmusik "Le Sacre du Printemps" ein markerschütterndes Schlüsselwerk der musikalischen Moderne.

Grandiose Intonation

Die außergewöhnlich rhythmischen Strukturen, die zahlreichen Dissonanzen und die mehrfach schneidend-scharfen Einwürfe, die beim Publikum der Uraufführung im Mai 1913 noch überwiegend Missfallen erregten, wurden vom Klavierduo Noema im Ruller Haus grandios intoniert. Mit Inbrunst und Verve gaben sich die jungen Musiker jeder einzelnen Note hin und zelebrierten die Anbetung der Erde durch einen Frühlingsreigen, aber auch durch protzige Wettkampfspiele und rituelle Tänze, bevor das Konzert unter langanhaltendem Applaus zu Ende ging.


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