5000 Jahre alter Friedhof auf dem Ruller Esch Reste eines jungsteinzeitlichen Flachgrabes in Rulle neu verlegt

Der Stadt- und Kreisarchäologe Axel Friederichs begutachtet die Baustelle am Ruller Esch. Foto: Joachim DierksDer Stadt- und Kreisarchäologe Axel Friederichs begutachtet die Baustelle am Ruller Esch. Foto: Joachim Dierks

Wallenhorst. Als vor 19 Jahren das Baugebiet „Ruller Esch I“ erschlossen wurde, kamen zunächst die Archäologen zum Zuge. Sie nahmen die Überreste eines jungsteinzeitlichen Flachgrabes auf und lagerten sie vorerst ein. Jetzt erhält das 5000 Jahre alte Feldsteinpflaster einen neuen Standort.

Im Jahr 2000 bekamen die Archäologen Gelegenheit, drei große Suchschnitte durch das geplante Baugebiet zu legen. „Wegen der Nähe zum Großsteingrab Helmichsteine hatten wir den Verdacht, dass da noch mehr sein könnte“, erläutert Stadt- und Kreisarchäologe Axel Friederichs. Außerdem seien bei Bauarbeiten schon in den 1920er/30er- und den 1970er-Jahren in den älteren Siedlungsteilen des Haupthügels Urnen entdeckt worden, die auf eine früheisenzeitliche Brandgräberstätte schließen lassen. Der ganze Bereich des Ruller Eschs müsse so etwas wie ein vorgeschichtlicher Friedhof gewesen sein, der über lange Zeit in unregelmäßigen Abständen immer wieder für Bestattungen herangezogen wurde. Insofern sei er schon länger als „Verdachtsgebiet“ für weitere Funde eingestuft.

Foto: Joachim Dierks


Und richtig: Der dritte Suchschnitt brachte an seinem östlichen Ende unter dem bis zu anderthalb Meter mächtigen Plaggeneschauftrag ein Steinpflaster zum Vorschein, das sich als Unterbau einer Bestattungswanne herausstellte. Möglicherweise war sie mit einem kleinen Erdhügel überwölbt. Die Archäologen sprechen gleichwohl von einem „Flachgrab“, im Gegensatz zu den Großsteingräbern wie den Helmichsteinen. Sie gehen davon aus, dass in dieser Wanne ein einzelner Toter in einem ausgehöhlten Baum- oder Holzbohlensarg beigesetzt wurde. Von Leichnam und Sarg waren keine Spuren mehr vorhanden. Für Georges Tarek aus Friederichs‘ Team ist das kein Wunder: Der gut durchlüftete Sandboden habe auch die Knochen vollständig zerfallen lassen.

Foto: Joachim Dierks


Weshalb sind die Archäologen so sicher, dass diese Ansammlung von rötlich-grauen Sandsteinen tatsächlich der Einzelgrabkultur gegen Ende der Jungsteinzeit (2800 bis 2050 v. Chr.) zuzuordnen ist? „Dankenswerterweise haben unsere Vorfahren an eine Grabbeigabe gedacht. Sie legten dem Toten ein Feuerstein-Beil bei“, sagt Friederichs. Damit ist auch klar, dass es sich bei dem Toten um einen Mann gehandelt hat. Dünnblattige Flint-Ovalbeile gehörten zur Standard-Grabausstattung in Männergräbern dieser Kulturepoche.

Foto: Joachim Dierks


Im Jahr 2000 konnten die Archäologen zunächst nichts Besseres tun, als die Funde zu fotografieren, einzeln durchzunummerieren, mit einem Nordpfeil zu versehen und einzusammeln. 19 Jahre schlummerten die rund 150 Steine in Plastikwannen im Keller des Rathauses, wurden zwischenzeitlich auch mal in einer kleinen Ausstellung gezeigt. Jetzt ergab sich die Gelegenheit, sie in dem „Archäologiepark“ bei den Helmichsteinen in ihrer Original-Erstreckung neu auszulegen. Zum „Europäischen Tag der Megalithkultur“ am 28. April 2019 werden diesmal freiwillige Arbeitsgruppen in den Fokus gerückt. Als Osnabrücker Beitrag schlug die Stadt- und Kreisarchäologie vor, das für das Osnabrücker Land außergewöhnliche Beispiel der Einzelgrabkultur der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der neue Standort bei den Helmichsteinen liegt 175 Meter vom originalen Fundort entfernt. Eine Infotafel wird die Zusammenhänge erklären.

Als freiwillige Arbeitsgruppe ließen sich einige Ga-La-Baubetriebe und Berufsschullehrer Michael Zimmermann begeistern. Zimmermann unterrichtet an den BBS Osnabrück-Haste Landschaftsgartenbau. Unter seiner Anleitung verlegen die von ihren Ausbildungsbetrieben dafür freigestellten Azubis die Pflasterfläche analog der Fundaufnahme in neuzeitlichen Dränbeton. Am ersten Tag ist Alina Poske vom Gartenwerk Dukat dabei. „Das ist mal eine ganz neue Herausforderung, exakt nach einer archäologischen Fundskizze zu arbeiten“, sagt sie. Die Archäologen und die Arbeitsgruppe sind zuversichtlich, bis zum Tag der Megalithkultur am 28. April alles fix und fertig zu haben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN