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Es gibt doch Bier auf Hawaii Wallenhorster überquerte Nordpazifik in Segelboot

Der Wallenhorster Franz-Josef Landwehr berichtete im Heimathaus Hollager Hof über seinen Segeltörn von San Diego nach Hawaii. Foto: privatDer Wallenhorster Franz-Josef Landwehr berichtete im Heimathaus Hollager Hof über seinen Segeltörn von San Diego nach Hawaii. Foto: privat

Wallenhorst. So ziemlich das Gegenteil von einer Kreuzfahrt auf einem schwimmenden Hotel mit 4200 Mitreisenden hat Franz-Josef Landwehr erlebt. Der Wallenhorster Historiker charterte eine Koje auf einer 14-Meter-Segeljacht und machte einen Törn von San Diego in Kalifornien nach Hawaii mit. Im Heimathaus Hollager Hof hat er nun darüber berichtet.

Wenn man 20 Jahre überwiegend auf der Ostsee geschippert ist, dann will man irgendwann raus und einmal über den Großen Teich segeln, schilderte Landwehr seine Motivation zu dem ungewöhnlichen Unternehmen: „Die Ostsee ist ein herrliches Revier, aber man ist nie lange ohne Landsicht. Ich wollte einmal die unendliche Weite und Abgeschiedenheit auf dem Pazifik erleben, ohne Sorge um Sandbänke, dafür 6000 Meter Wassertiefe unter dem Kiel.“

Fast vier Wochen lang sah er nur Wasser und Himmel. Die 5500 Kilometer lange Reise dauerte länger als geplant, weil der sonst sehr zuverlässig wehende Nordost-Passat im Bereich 20° nördlicher Breite fast eine Woche eingeschlafen war. Das hing wiederum damit zusammen, dass weiter im Norden an der kanadischen Westküste heftige Winterstürme tobten, die das Windsystem in Äquatornähe durcheinanderbrachten.

Die Auswirkungen der Tausende Kilometer entfernten Stürme bekam die sechsköpfige Besatzung der „Freydis“ in Form gewaltiger Wellenberge zu spüren, die bei ansonsten freundlichem Wetter auf das Boot zurollten. „Man muss sich das so vorstellen, du stehst in der Talstraße in Hollage und siehst langsam den Hollager Berg auf dich zukommen“, wählte Landwehr einen anschaulichen Vergleich für das ortskundige Publikum. Das Boot klettere den Berg hinauf und rutsche auf der anderen Seite wieder hinunter, wobei es fast doppelt so schnell werde. „Wenn man seine Kaffeetasse irgendwo stehen gelassen hat, die hört man dann.“

Vorsorglich hatte Landwehr sich in der Apotheke Heftpflaster gegen Seekrankheit besorgt, die man sich hinter die Ohren klebt. „Die helfen, ohne einen müde zu machen.“ Denn er musste ja Wache gehen, egal, was kommt. Bei der sechsköpfigen Besatzung sind rund um die Uhr immer zwei Mann für die Führung des Bootes eingeteilt. Wenn plötzlich stärkerer Wind aufkam, mussten auch nachts die vier Freiwachgänger zu „Alle-Mann-Manövern“ an den Segeln aus der Koje.

Landwehr hat alles gut überstanden. Wenn das Boot heftig schlingerte, verkeilte er sich in seiner Koje mit einem zusätzlichen Holzbrett, um nicht hinauszurollen. Die Fische musste er jedenfalls nicht füttern.

Landwehrs Bilder nahmen das Publikum fast hautnah mit an Bord. Es erlebte atemberaubende Sonnenauf- und -untergänge, lernte alle Spielarten des Wetters im nördlichen Pazifik kennen, spürte den Puls des Meeres, bewunderte den Sternenhimmel. „Ohne Licht- und Luftverschmutzung kann man unendlich viel mehr Sterne sehen als am Hollager Nachthimmel“, erinnerte er sich an seine ersten Nachtwachen bei klarem Himmel, „die Milchstraße zieht sich wie ein weißer Teppich dahin, der rot schimmernde Mars wandert jede Nacht einmal ganz über das Schiff hinweg.“ Dann werde einem so richtig deutlich: „Mensch, was bist du doch nur für ein unbedeutender Wimpernschlag.“

Den ersten Landgang nach dem langen Törn erlebten die Besatzung und ihr Skipper Erich Wilts in Hilo auf Big Island, der östlichsten und größten Insel des Hawaii-Archipels.

Hier schauten sie dem aktivsten Vulkan der Erde, dem Kilauea, in sein rot glühendes „Höllenfeuer“, bevor es mit dem Boot weiterging zur westlichsten Insel Kauai, die durch ihre ganz andere, nämlich äußerst üppige Vegetation überraschte.

Abschließend räumte Landwehr mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf: „Es gibt doch Bier auf Hawaii, sogar sehr leckeres!“ Und eben nicht nur Hula-Hula.


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