Eine Frau räumt auf und redet darüber Lechtingerin Birgit Schad hat „City Cleaners Germany“ gegründet

Müll in der Natur statt im Abfalleimer zu entsorgen, ist kein neues Phänomen. Birgit Schad mit ihren Fundstücken: Eine Quarkpackung mit Mindesthaltsbarkeitsdatum 1974, eine Schokoriegelverpackung aus 2003 und eine Chipstüte aus 1991. Foto: Christina HalbachMüll in der Natur statt im Abfalleimer zu entsorgen, ist kein neues Phänomen. Birgit Schad mit ihren Fundstücken: Eine Quarkpackung mit Mindesthaltsbarkeitsdatum 1974, eine Schokoriegelverpackung aus 2003 und eine Chipstüte aus 1991. Foto: Christina Halbach

Wallenhorst. „Jeder kann was tun“: Das ist das Motto von Birgit Schad. Aus dem täglichen Müllrundgang hat die Lechtingerin ein eigenes Projekt entwickelt und jede Menge Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Ihr nachhaltiges Engagement für eine saubere Umwelt hat die Gemeinde Wallenhorst erneut mit dem Klima- und Umweltschutzpreis ausgezeichnet.

„Ja, ich habe meine Hausaufgaben gemacht“, stellt Schad beim Gespräch lachend fest. Vor mehr als zwei Jahren hat ihr täglicher Einsatz für müllfreie Straßen, Wälder und Wiesen mit einer tagelang am Straßenrand liegenden Zigarettenschachtel seinen Anfang genommen. Als ihr dafür Anfang 2018 der Umweltpreis das erste Mal verliehen wurde, hatten ihr die die Gemeindevertreter den Tipp gegeben, Öffentlichkeit und Medien ins Boot zu holen. Tue Gutes und rede darüber, eben.

„City Cleaners Germany“ gegründet

Schad, die bis dahin lediglich Fotos von aktuellen Müllfunden in der Facebook-Gruppe „Die Wallenhorster Saubermacher“ gepostet hatte, stellte das Engagement in der Folge auf breitere Füße: Sie gründete die „City Cleaners Germany“, für den Facebook-Auftritt lud sie proaktiv Freunde ein, der Gruppe beizutreten. Immerhin: „Die wenigstens sind wieder ausgetreten“, sagt Schad, zu deren Gruppe mittlerweile 365 Anhänger bundesweit zählen. Regelmäßig werden dort Bilder von Mitgliedern aus anderen Städten gezeigt, die weggeworfenen Müll aufsammeln. Über Instagram ist Schad ebenfalls mit Leuten in der ganzen Welt verbunden, die das gleiche machen wie sie. (Weiterlesen: Warum eine zwölfjährige Osnabrückerin beim Laufen Müll aufsammelt)

World Cleanup Day nach Osnabrück geholt

Begleitet von regionalen Medien hat sie außerdem ihr Ziel, den „World Cleanup Day“ in die Region Osnabrück zu holen, erfolgreich umgesetzt. Die weltweite Veranstaltung, in der Menschen aufgerufen werden, Müll aufzusammeln und zu entsorgen, hat am 15. September 2018 das erste Mal stattgefunden. Schad hat an diesem Tag mit der Umwelt-AG der Osnabrücker Ursulaschule in der Innenstadt Zigarettenstumpfe aufgehoben.

Mitstreiter vor Ort zu gewinnen, bleibt schwierig

Unter großen Zuspruch von Passanten und Ladeninhabern, sicher. Doch dabei bleibt es oft. Aktive zu gewinnen, die bereit sind, verdreckte Flaschen und schmierige Wurstpackungen aus dem Gebüsch zu ziehen, bleibe nach wie vor schwierig. Die Zahl der Mitstreiter beim Beauty Cleanup in Osnabrück oder zuletzt bei einer Aufräumaktion in Hasbergen hätten sich in überschaubaren Grenzen gehalten: „Über viel Öffentlichkeitsarbeit sind drei Leute gekommen“, erinnert sich Schad und stellt fest: „Das ist richtig müßig.“ Sie gibt sich dennoch kämpferisch: „Die Alternative ist, den Müll liegen zu lassen. Aber was ist damit gewonnen?“

Kein neues Problem

Wer meint, dass die tägliche Berichterstattung über Tonnen von Plastik in den Weltmeeren, einen Bewusstseinswandel bewirkt habe, irrt. „Es ist eher schlimmer geworden“, sagt Schad. So reichten ihre mitgeführten Tüten immer noch nicht aus, um den Müll aufzunehmen. Gänzlich neu ist die Angewohnheit, Müll in der Natur anstatt im Abfalleimer zu entsorgen, allerdings nicht: „Auch unsere Eltern sind dafür schon in den Wald gegangen“, stellt Schad symbolisch fest. So enthält ihre Sammlung einige Fundstücke mit Mindesthaltbarkeitsdaten, die bis in das zurückliegende Jahrhundert reichen. Rekord: Eine Quarkpackung ist bereits im Jahr 1974 abgelaufen.

Offener Brief gegen Luftballonwettbewerb

Überhaupt das Plastik. Birgit Schad hat bei der Preisverleihung bereits darauf hingewiesen: Der alljährliche Luftballonwettbewerb anlässlich der Wallenhorst Klib ist ihr ein Dorn im Auge. „Wenn die Ballons zur Erde zurückkehren, werden sie nicht nur für Vögel und Meerestiere zur tödlichen Gefahr.“ Auch Kühe, Pferde und Lämmer seien bereits mit Ballons im Maul aufgefunden worden, schreibt sie in einem offenen Brief an Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder. Schad, selbst Mutter einer Tochter, hat sich Alternativen für die Traditionsveranstaltung überlegt. „Es könnten zum Beispiel gemeinschaftlich Blumenzwiebeln auf einem Gemeindebeet eingepflanzt werden“, so einer ihrer Vorschläge.

Müllaktion am Hydepark

Eine nächste Aufräumaktion ist bereits in Planung: Beim nächsten World Cleanup Day am Samstag, 16. März, soll am Hyde-Park unter Beteiligung von Jugendlichen Müll aufgesammelt und entsorgt werden. Schad selbst ist mittlerweile auch als Referentin gefragt. In der Gesamtschule Schinkel hat sie kürzlich Schülern ein Interview über ihren Einsatz in Sachen Müll gegeben. Auch die Wallenhorster Kindergärten haben bereits Interesse bekundet. Die Deutsche Bundesumweltstiftung hat sie außerdem eingeladen, bei der Sommerakademie in Hannover über ihr Projekt zu referieren.

Nähere Informationen unter www.citycleanersgermany.de


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