WC-Deckel und Armaturen Ministerpräsident Weil besucht Wallenhorster Firma Schütte

Schnellen Schrittes unterwegs: Geschäftsführer Björn Schütte (links) führt Ministerpräsident Stephan Weil samt Entourage über das Gelände seiner Firma. Foto: Gert WestdörpSchnellen Schrittes unterwegs: Geschäftsführer Björn Schütte (links) führt Ministerpräsident Stephan Weil samt Entourage über das Gelände seiner Firma. Foto: Gert Westdörp

Wallenhorst. Hoher Besuch in der hohen Halle: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat am Donnerstag den Wallenhorster Sanitärgroßhändler Schütte und dessen neue Logistikhalle besucht. Der Landesvater zeigte sich interessiert und bürgernah - und bewies bemerkenswerte Fachkenntnisse über Klodeckel.

Wie ein Museumsbesucher steht Ministerpräsident Stephan Weil vor der Galerie von WC-Deckeln, mit denen die Firma Schütte ihre Lobby schmückt. Bunte Motive, mal mehr, mal weniger schrill, wecken beim Landesvater Erinnerungen: Ein Onkel habe eine Klobrille besessen, in die ein Stacheldraht eingearbeitet war; Gastgeber und Geschäftsführer Björn Schütte lacht: So eine habe er auch gehabt. Auch sonst scheint Weil sich auszukennen: Ein Klodeckel mit Disko-Motiv habe beim Öffnen Musik abgespielt, "dann lief da 'Staying Alive'", erzählt er.

Jedem Mitarbeiter die Hand gegeben

Von seinem straff getakteten Reiseplan - zuvor war er in Bohmte, später soll es nach Georgsmarienhütte und in die Grafschaft Bentheim gehen - scheint Weil also gänzlich unbeeindruckt zu sein. In den anderthalb Stunden, die für die Firma Schütte eingeplant sind, ist er ganz und gar Gast, aufgeschlossen, neugierig und unverkrampft. Jedem Mitarbeiter, dem er begegnet, während er sich von Schütte durch das Unternehmen führen lässt, schüttelt der Ministerpräsident die Hand.

Guido Pott, Stephan Weil und Björn Schütte in der Schütte-Ausstellung. Im Hintergrund Co-Geschäftsführer Kolja Sahm. Foto: Gert Westdörp


Neue Halle seit Dezember in Betrieb

Im Schlepptau hat Weil eine ganze Entourage: nebst Bodyguards und Referenten seinen Parteigenossen Guido Pott, der das Treffen als Wallenhorster Landtagsabgeordneter arrangiert hatte, Bürgermeister Otto Steinkamp (parteilos), den Ratsvorsitzenden Hans Stegemann und weitere Vertreter der SPD-Fraktion sowie mehrere Mitarbeiter der Firma Schütte. Während Weil und Schütte vorne plaudern, zieht sich der Tross durch Treppenhäuser und Flure bis zur Dachterrasse im 2015 bezogenen Firmensitz. Von hier fällt der Blick auf die neue Logistikhalle: "Im Sommer war hier noch eine Wiese", sagt Schütte, seit Dezember sei die Halle in Betrieb. 

In luftiger Höhe: Stephan Weil und Björn Schütte vor der kürzlich fertiggestellten Logistikhalle. Foto: Gert Westdörp

Schütte weist auf zwei weitere Expansionsflächen. "Und sollte noch mehr Platz notwendig sein, ist die Gemeinde ja vielleicht entgegenkommend", witzelt er in Richtung des Bürgermeisters. Beide lachen - nicht nur sie wissen, dass vor fünf Jahren längst nicht ausgemacht war, dass Schütte in der Gemeinde bleibt. Könnte also nun, da die Standortfrage geklärt ist, die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Unternehmen enger werden? Als Schütte den Fitnessraum der Firma präsentiert, regt Weil jedenfalls an, ihn auch den Ratsmitgliedern zur Verfügung zu stellen. Bürgermeister Steinkamp kontert schlagfertig: "Wenn die ein bisschen träger sind, ist das auch nicht schlecht."

In zehn Jahren nur noch Automaten?

Der Ministerpräsident kann aber auch ernst sein: In der neuen Halle stehen zwei deckenhohe Lagerautomaten für Kleinteile, die auf Tastendruck liefern, was der Mitarbeiter sucht; Weil will wissen, ob in zehn Jahren nur noch Automaten im Einsatz sind. Schütte verneint: Sicher seien Maschinen eine gewisse Entlastung, eine Vollautomatisierung halte er in seinem Unternehmen aber für kaum umsetzbar. Zum einen, weil die Verpackungseinheiten zu unterschiedlich seien, zum anderen, weil die Geschäfte schwankten: saisonal, weil die Menschen im Frühjahr beispielsweise besonders viele Wasserhähne für ihre Gartenschläuche kauften, aber auch konjunkturell.

Badzubehör wohin das Auge reicht: Ministerpräsident Stephan Weil, Geschäftsführer Björn Schütte, der SPD-Landtagsabgeordnete Guido Pott und Wallenhorsts Bürgermeister Otto Steinkamp (von links) im Lager. Foto: Gert Westdörp

Beim Mittagessen kommt neben Minestrone und Lasagne dann der Fachkräftemangel auf den Tisch. Schütte sieht sich gut aufgestellt: Seit dem Umzug und der Erweiterung am jetzigen Standort habe er die Mitarbeiterzahl von etwa 50 auf mehr als 160 gesteigert, dennoch werde die Suche nach qualifizierten neuen Mitarbeitern immer schwieriger. Wo es geht, nehme das Unternehmen deshalb Rücksicht: Die Frühschicht beispielsweise sei auf den Busfahrplan abgestimmt, wirft Co-Geschäftsführer Kolja Sahm ein; ohnehin profitiere die Firma sehr von der verbesserten Busanbindung des "neuen Wallenhorst-Takts". 

Ärger über deutsche Bürokratie

Weniger glücklich ist Schütte mit der deutschen Bürokratie, zu träge und langwierig seien die Verfahren. Dafür hat Weil Verständnis, er führt das Beispiel der Friesenbrücke auf den Bahnstrecke Leer-Groningen an: Drei Jahre ist es her, dass ein Frachter die Brücke irreparabel beschädigte, nach jetzigem Stand sei der Neubau 2025 fertig. "Die Niederländer dachten erst, wir verulken sie", sagt Weil. 

Verlässlicher ist da das Zeitmanagement der Ministerpräsidenten: Punkt 13 Uhr fährt Weil vom Hof, ganz wie geplant und angekündigt. Und Schütte schreitet schnell zurück in seinen Wallenhorster Firmensitz.


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