Stöbern, bis das Holz knackt Quer durchs Unterholz: Teckel absolvieren Prüfung in Rulle

Stehen und lauschen: Am Rand der Waldparzelle warten (von links) die Prüfungsteilnehmer Richard Voß mit Dackel Calle und Udo Geodecke, sowie Richter Wilhelm Westenberg auf den Dackel Haakon, der gerade stöbert. Foto: Carolin HlawatschStehen und lauschen: Am Rand der Waldparzelle warten (von links) die Prüfungsteilnehmer Richard Voß mit Dackel Calle und Udo Geodecke, sowie Richter Wilhelm Westenberg auf den Dackel Haakon, der gerade stöbert. Foto: Carolin Hlawatsch

Wallenhorst. Kreuz und quer durch das Unterholz liefen sieben Dackel des Teckelklub Ruller-Land. Das taten sie nicht etwa, weil sie ihren Besitzern entwischt waren, sondern weil es von ihnen gefordert wurde. Bei der Stöberprüfung in einem Jagdrevier des Forstamts Ankum in Rulle wurde das selbstständige Jagen der Hunde gerne gesehen.

Nacheinander wurden die Teckel in jeweils einer mindestens ein Hektar großen Waldparzelle von der Leine gelassen. In ihrem Gebiet sollten sie nun die Fährten von jagbaren Wildarten –  wie Reh, Hase oder Fuchs – erschnüffeln und dies durch helles Bellen, dem sogenannten Spurlaut, anzeigen. Fangen durften sie das Wild nicht. Sinn der Übung ist, dass die Teckel nach Training und Prüfung ihrem Besitzer als Gehilfe bei der Jagd zur Seite stehen können. Sie spüren das Wild auf, treiben es aus dem Dickicht, sodass der Jäger es erlegen kann. 


„Ab die Post Calle“, rief der Osnabrücker Richard Voß seinem Rauhaardackel zu, und Calle schlug sich in die Walddickung. Eine große Herausforderung für den kleinen Hund, der zuvor im Prüfungsteil „Gehorsam“ noch ein ganz anderes Verhalten an den Tag legen musste. Da hieß es nämlich, nicht weglaufen, sondern auf Geheiß des Besitzers liegen bleiben, ausharren, Schussfestigkeit und Leinenführigkeit beweisen. Kein Wunder also, dass der ein oder andere Teckel zunächst ein wenig verwirrt drein schaute, bevor er frei zu stöbern begann. 

Suchbild: Wo ist Calle? Der kleine Rauhaardackel stöberte bei der jagdlichen Prüfung durch das Revier in Rulle. Foto: Carolin Hlawatsch


Gebannt lauschte Richard Voß zusammen mit den vier Prüfungsrichtern, die sich um die Parzelle verteilt hatten und über Funkgeräte miteinander kommunizierten, ob Calle Spurlaut gibt. Doch statt Gebell hörte man nur das Gebimmel des Glöckchens, das an Calles Halsband auf und ab wippte. „Entweder findet er keine Spur, oder es ist kein Wild hier in dieser Parzelle“, schlussfolgerte Wilhelm Westenberg, Gebrauchsrichter beim Deutschen Teckelklub. In so einem Fall wird ein nächster Dackel zur „Kontrollsuche“ in das Areal geschickt. Doch auch Rauhaardackel Haakon erstöberte weder Hase noch Reh. „Also ist wohl tatsächlich gerade kein Wild in diesem Bereich. Hätte Haakon etwas gefunden, hätte er somit Calle in den Schatten gestellt, der dann womöglich durch die Prüfung gefallen wäre. Nun bekommt er eine zweite Chance in einer anderen Parzelle“, erklärte Richter Westenberg.

Hatten Freude den Jagdhunden bei einer ihrer Passionen, dem Stöbern zuzusehen: (von links) Wilhelm Westenberg, Gebrauchsrichter beim Deutschen Teckelklub, Stephanie Hansmann, Richteranwärterin und Prüfungsteilnehmer Richard Voß mit seinem Rauhaardackel Calle vom Falkenring. Foto: Carolin Hlawatsch


An einer Stöberprüfung können nur Jagdhunde teilnehmen, die zuvor die Spurlaut- oder Vielseitigkeitsprüfung bestanden haben. „Spurlaut geben zu können ist eine Voraussetzung. Dieses Verhalten zählt zu den natürlichen Anlagen beim Teckel. Es wird nicht antrainiert, sondern durch die Gene der Eltern weitergegeben“, weiß Wilhelm Westenberg. Beurteilt werden die Hunde bei der Stöberprüfung nach den Kriterien „Benehmen beim Stöbern“, „Ausdauer bei der Suche“ und „Finden“. Mit einem gemeinsamen Essen schlossen die menschlichen und tierischen Teilnehmer einen langen, aber erfolgreichen Prüfungstag ab, der bereits morgens um 9 Uhr begonnen hatte. 

Der Teckelklub Ruller-Land ist auf die Züchtung von Teckeln für den Jagdgebrauch spezialisiert. Zahlreiche Teckel aus dem Verein, sowie „Gast-Dackel“ in den Varianten „Rauhaar“, „Kurzhaar“ und „Langhaar“ sind am 24. März ab 14 Uhr bei der Zuchtschau des Teckelklubs auf dem Gelände der Firma Stavermann in Wallenhorst zu sehen. Dort gibt dann auch der Vereinsvorsitzende Matthias Berstermann Interessierten gerne Auskunft über die jagdliche Ausbildung von Dackeln. 



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