Neues Baugebiet an der Osnabrücker Straße Lechtinger Bürgerforum befasst sich mit Problemen an der Fahrradstraße

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Zwischen Moorbachstraße und Osnabrücker Straße ist im August 2017 eine Fahrradstraße eingerichtet worden. Kritik an der Strecke äußerten jetzt Anlieger in einem Bürgerforum. Foto: Thomas OsterfeldZwischen Moorbachstraße und Osnabrücker Straße ist im August 2017 eine Fahrradstraße eingerichtet worden. Kritik an der Strecke äußerten jetzt Anlieger in einem Bürgerforum. Foto: Thomas Osterfeld

Wallenhorst. Der Verkehr auf Wallenhorsts erster Fahrradstraße läuft noch nicht rund: Anliegerfremde Nutzung und Kontroversen zwischen Rad- und Autofahrern nahmen großen Raum beim Lechtinger Bürgerforum ein. Eine gute Nachricht hatte Bürgermeister Otto Steinkamp für Häuslebauer: An der Osnabrücker Straße soll ein Baugebiet mit bis zu 25 Wohneinheiten entwickelt werden.

Südlich der Straße „Zum Wasserwerk“ hat die Gemeinde ein 1,62 Hektar großes Gelände erworben. Geplant ist dort ein Mix aus Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie Reihenhäusern, der in die Rubrik bezahlbarer Wohnraum fallen solle, so Steinkamp. Da sich das Gebiet in einem Wasserschutzgebiet befindet, müssen die Bauherren allerdings mit Einschränkungen rechnen: Eine Unterkellerung wird nicht möglich sein, ebenso darf auf den Grundstücken kein Regenwasser versickern. Die Gemeinde will zeitnah mit der Aufstellung eines Bebauungsplans beginnen. Zur Sommerpause soll die Satzung dem Wallenhorster Rat zur Entscheidung vorgelegt werden können. Interessierte könnten sich jedoch erst auf Bauplätze bewerben, wenn die Grundstücksaufteilung abgeschlossen ist. Auf den Vergabestart werde rechtzeitig hingewiesen, sicherte Fachbereichsleiterin Claudia Broxtermann auf Nachfrage zu.

Fahrradfahrer werden beschimpft

Für intensive Diskussion sorgte die Fahrradstraße, die im August 2017 zwischen Moorbachstraße und Osnabrücker Straße eingerichtet wurde. Um Berufspendler stärker zu motivieren, den täglichen Arbeitsweg mit dem Rad zurückzulegen, sind sie dort bevorrechtigt unterwegs: Sie dürfen die gesamte Fahrbahn nutzen, Autofahrer müssen sich der Geschwindigkeit der Radfahrer anpassen. Das funktioniert noch nicht wie eigentlich gedacht: „ Fahrradfahrer werden genötigt und beschimpft“, beklagte sich eine Lechtingerin. Auch die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 werde häufig nicht eingehalten: „Ich höre regelmäßig, wie in den fünften Gang hochgezogen wird“, so die Anwohnerin weiter. Radfahrer würden mittlerweile wieder auf dem Gehweg fahren, weil die Fahrradstraße nicht die Sicherheit bietet, die sie verspricht.

Geschwindigkeitskontrollen 

 Rüdiger Mittmann, Fachbereichsleiter Bürgerservice und Soziales, bestätigte das: Messungen der Gemeinden im vergangenen Jahr hätten im Juli Durchschnittsgeschwindigkeiten von 42,7 km/h, im Oktober und November von 44,4 km/h ergeben. Nur im September habe der Wert bei 33,7 km/h gelegen. „Wir haben das im Blick“, sicherte Mittmann zu. Bei Geschwindigkeitskontrollen ist die Gemeinde jedoch auf die Polizei angewiesen. Wegen der beschränkten personellen Kapazität habe man aktuell dort wenig Erfolg. Was Rüpeleien zwischen Rad- und Autofahrern angeht, konnte der Bürgermeister nur wenig Hoffnung machen: „Dafür ist die Gemeinde nicht zuständig“, stellte Steinkamp fest und betonte: „Das lässt sich nur im gemeinsamen Miteinander regeln. Wir müssen uns im Ganzen sensibilisieren und aufeinander aufpassen.“

Gefahrenpunkt Minikreisel

Ein weiteres Problem: Die Fahrradstraße, eigentlich eine reine Anliegerstraße, werde mittlerweile von zu vielen Autofahrern genutzt, die lediglich ein Anliegen haben: Schnell auf die Osnabrücker Straße zu gelangen, so die Kritik von Anlieger Johann Leenen. Er habe Zählungen durchgeführt, die das belegten. Einen Gefahrenpunkt stellt für den Lechtinger außerdem der Minikreisel dar, der im Zuge der Einrichtung der Fahrradstraße an der Osnabrücker Straße angelegt wurde. „Es ist lebensgefährlich, wenn man von der Pyer Straße Richtung Osnabrücker Straße fährt, weil man viel zu weit hineinfahren muss, um zu sehen, ob überhaupt jemand kommt.“ Der Grund: Einige Autofahrer würden den Kreisel immer noch über- und nicht ausfahren und machten sich überhaupt keine Gedanken, dass von rechts ein PKW in den Kreisverkehr einbiegen könnte.

Überflüssiger Kreisverkehr?

Einige Teilnehmer gingen in ihrer Kritik noch einen Schritt weiter: „Was hat die Gemeinde bewogen, diese völlig überflüssigen Kreisverkehr einzurichten?“ Eine Rechts-vor Links-Regelung oder ein Stopp-Schild wären die bessere Lösung gewesen. Den Vorwurf, den Kreisverkehr nur angelegt zu haben, weil die Gemeinde dafür Zuschüsse bekommen hat, wollte der Bürgermeister jedoch nicht stehen lassen: „Der Kreisel ist im Kontext der Fahrradstraße eingerichtet worden, um das Thema Radfahren nach vorne zu bringen.“ Einige Lechtinger blieben dabei: „Man hätte die Radfahrer günstiger aus der Fahrradstraße herausführen können.“

Für Zündstoff hatte im vergangenen Sommer ein weiteres Drehkreuz gesorgt: der Butke-Kreisverkehr. Um Radfahrer zukünftig dort sicherer führen zu können, wird der Kreisel mit einem Innenring nachgerüstet. Die Geschwindigkeit der PKW soll dadurch verringert, Autofahrer am Überholen gehindert werden. Die Verwaltung nutzte das Bürgerforum, um noch einmal ihre Position deutlich zu machen: „Zahlreiche Studien belegen, das Radfahrer, die bevorrechtigt im Kreisverkehr geführt werden, weniger unfallgefährdet sind. Das ist die rechtliche Situation“, stellte Steinkamp fest. In den nächsten Wochen sollen die Baumaßnahmen beginnen. Die Verwaltung rechnet mit einer Bauzeit von etwa neun Wochen.


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