Beliebter Treffpunkt in Wallenhorst Leben im Schlaraffenland: Alexander Dresselhaus wird mit Imbiss groß

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Mittags strömen die Kunden ins Schlaraffenland. Der Imbiss an der Borsigstraße in Wallenhorst zieht hungrige Mäuler aus den umliegenden Märkten an. Foto: André HavergoMittags strömen die Kunden ins Schlaraffenland. Der Imbiss an der Borsigstraße in Wallenhorst zieht hungrige Mäuler aus den umliegenden Märkten an. Foto: André Havergo

Wallenhorst. Da, wo das Spielzeugparadies ist, da ist auch das Schlaraffenland. Zumindest ist das in Wallenhorst so. Jahrzehntelang schaute der im März 2018 verstorbene Norbert Dresselhaus dort und an den anderen Standorten der Imbissbuden-Kette in Osnabrück und Umgebung nach dem Rechten. Sein Sohn Alexander tritt zwar nicht in die Fußstapfen seines Vaters. Aber er weist nicht nur äußerlich viele Ähnlichkeiten mit seinem alten Herrn auf.

Ein Dienstagmittag im Schlaraffenland. Die Imbissbude auf dem Parkplatz an der Borsigstraße bei „Toys R Us“ füllt sich mehr und mehr. Ein Kind mit Schnuller im Mund hustet unentwegt. Daneben sitzt ein Mann, der sich nicht dadurch stören lässt und stoisch in der Bild-Zeitung liest, während er seine Currywurst und seine Pommes verputzt. Eine elegante Dame mit Hut und schwarzer Kleidung bestellt einen Kaffee und eine Wurst. Junge Leute, die in der Schlange stehen, schauen auf ihr Handy.

In einer Ecke neben dem Eingang sitzt Ann-Kathrin Broxtermann mit ihrer fünfjährigen Tochter Marie. Vor ihnen stehen jeweils eine Bratwurst und eine Schale Pommes. „Ich bin froh, dass sie was isst“, sagt Ann-Kathrin Broxtermann. Die Kleine ist krank, musste aber mit zum Einkaufen in den Supermarkt.

Lieber Bratwurst als Pommes

Alle sechs Wochen gehen sie mal in eine Pommesbude, sagt die 28-Jährige. Sonst wird zu Hause frisch gekocht. Marie isst am liebsten Kartoffelbrei. Dass die Pommes auch aus Kartoffeln gemacht sind, weiß sie nicht. Sie isst eigentlich nur die Bratwurst. „Das hat sie von mir. Ich mochte als Kind auch keine Pommes“, sagt Ann-Kathrin Broxtermann lachend.

Auch Alexander Dresselhaus hat als Kind ab und zu mal Pommes gegessen – aber nie zu Hause, wie er betont. Er hat auch als Kind mal welche frittiert, wie Mariola lachend erzählt. Sie arbeitet seit 28 Jahren im Schlaraffenland in Wallenhorst und kennt Alexander Dresselhaus von Kindesbeinen an. Sein Vater war fast drei Jahrzehnte lang ihr Chef.

Blick ins Innere der Schlaraffenland-Imbissbude in Wallenhorst. Foto: André Havergo

Heute ist Alexander Dresselhaus 34 Jahre alt und kümmert sich um das Personal der Schlaraffenländer, nicht als Chef, sondern als Angestellter. Damit tritt er eher in die Fußstapfen seiner Mutter, sagt er. Sein Vater hat sich um das Geschäft, neue Standorte und Ideen für neue Produkte gekümmert. Nach dem Tod von Norbert Dresselhaus hat seine damalige Freundin Bettina Stohr die Geschäfte übernommen.

Auf die Selbstständigkeit hatte und hat Alexander Dresselhaus keine Lust. Er hat es bei seinen Eltern erlebt. Als Angestellter fühle er sich freier, sagt er. „Als Selbstständiger ist man ständig unterwegs, muss ständig erreichbar sein…“ Alexander Dresselhaus erzählt achselzuckend, er habe Wirtschafts-Informatik studiert und ursprünglich was ganz anderes machen wollen als seine Eltern. Aber er konnte seinem Schicksal nicht so ganz entfliehen.

Das milde Lächeln des Vaters

Allein sein Aussehen erinnert ihn immer wieder an seinen Vater. „Ich sehe ihn, wenn ich in den Spiegel schaue“, sagt Dresselhaus und lächelt das milde Lächeln, das auch im Gesicht seines Vaters häufig zu sehen war. Er werde häufig auf ihn angesprochen, erzählt er. Schließlich war er bekannt wie ein bunter Hund. „Wenn wir auf Mallorca im Urlaub waren, hat er schon am Flughafen gleich fünf Leute getroffen, die ihn kannten.“ Auf die Bekanntheit seines Vaters will Alexander Dresselhaus gerne verzichten. Deswegen möchte er für diese Reportage auch nicht fotografiert werden.

Der Schlaraffenland-Imbiss auf dem Parkplatz bei „Toys R Us“ in Wallenhorst ist ein echter Hingucker. Foto: André Havergo

Mariola und Narda, die in der Kommandozentrale des Schlaraffenlands ständig Nachschub für die hungrigen Mäuler herstellen, kannten Norbert Dresselhaus und haben für ihn gearbeitet. „Ich war sehr traurig, als er gestorben ist. Solche Menschen gibt es sehr selten“, sagt Mariola, die seit 28 Jahren in der Imbissbude in Wallenhorst arbeitet, und zählt auf: „Er war korrekt, nett, menschlich, hilfsbereit, ein guter Mensch und ein guter Chef.“ Das gleiche gelte auch für seinen Sohn, ergänzt Mariola.

Die Fritteuse wartet

Auch Narda, die acht Jahre weniger auf dem Buckel hat als ihre Kollegin, singt ein Loblied auf ihren verstorbenen Chef. Er sei ein großzügiger, herzlicher und offener Mensch gewesen, sagt sie. „Ich konnte immer zu ihm kommen.“ Dann muss sie wieder zurück an die Fritteuse. Das Leben geht weiter. Die Kundschaft wartet.


Currywurst-Pommes-Mayo-Check

Die Wurst im Schlaraffenland wird speziell für die Imbisskette von der Firma Giersch hergestellt. Sie schmeckt anders als andere Würste, rauchig-würziger. Deswegen lohnt es sich, mal auf die Currysauce zu verzichten, die aber auch mit leichter Schärfe lecker schmeckt. Die Pommes sind knusprig und bissfest. Die Mayonnaise hat einen lockeren, leicht fruchtigen Geschmack.

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