Oh Tannenbaum Die Qual der Wahl bei Gärtnerei Brinkmann in Wallenhorst

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Auf der Suche nach dem perfekten Baum.  Foto: André  HavergoAuf der Suche nach dem perfekten Baum. Foto: André Havergo

Wallenhorst . Knapp 30 Millionen bundesweit verkaufte Tannen und Fichten in der Adventszeit zeigen, dass sich die meisten Deutschen in der Zeit der Festlichkeiten und des Innehaltens auf alte Bräuche und Gegebenheiten aus der eigenen Kindheit besinnen. Und so gehört ein bunt geschmückter Tannenbaum auch heute noch zum Fest dazu.

Sie verbringen die Feiertage unter Palmen oder haben aufgrund zunehmender CO2-Werte und Waldsterben ein schlechtes Gewissen und entscheiden sich bewusst gegen einen Weihnachtsbaum? Dann dürfte Ihnen das nun folgende Prozedere des alljährlich stattfinden Weihnachtswahnsinns erspart bleiben.

Es ist das dritte Adventswochenende, früher Samstagvormittag und ich befinde mich auf dem Gelände von Manfred Brinkmann in Hollage, um Menschen beim Tannenbaumkauf zu begleiten. Baum ist noch lange nicht gleich Baum – das lerne ich recht schnell.

Da ist das Babyboomer-Paar mit der jugendlichen Tochter, das einen „schönen Baum“ mit weichen Nadeln und einer Länge von 2,70 Metern sucht. Verkäuferin Annika Lettrari packt die erste Nordmanntanne in gewünschter Höhe aus dem Netz aus. Und darf das Modell erst einmal um die eigene Achse drehen und die weichen Äste nach unten drücken. 

Gar nicht gestellt: Die Weihnachtsreporterin gibt sich schneidig. Foto: André Havergo


„Der ist aber unten auf der einen Seite gar nicht füllig“, befindet die Mutter. Vater kontert, “aber er kommt doch sowieso vor die Wand“. Mutter nach weiterem Drehen und Begutachten: „Können wir den zur Seite legen und uns weitere anschauen?“. Lettrari zeigt weitere Bäume, einen sogar mit Vogelnest. Aber was sie auch hinstellt, irgendwas ist immer: zu krumme Spitze, schön, aber 30 Zentimeter zu kurz. Formschnitt? "Nö, geht gar nicht". Nach 20 Minuten sind sich die Drei einig und nehmen den Baum, den sie als erstes in der Hand hatten.

Die Familie ist glücklich, Lettrari auch. Sie attestiert, dass sie vermutlich jeden Tag um die 200 Bäume in die Hand nimmt, aus Netzen auspackt und den Kunden zeigt. Auch kann sie über verschiedene Käuferkategorien berichten. Da gibt es die Romantiker, die mit Säge über das Feld stapfen und zwischen grasenden Alpakas eine Blaufichte fällen wollen. Da sind die Super-Kritischen, die bis zu zwei Stunden brauchen, um einen geeigneten Baum zu finden. Oder solche, die den erstbesten nehmen, um schnell Glühwein und Bratwurst genießen zu können. Die Geschwister Stefan und Frank Lawo gehören zur letzten Kategorie und stellen an dem Tag einen neuen Rekord auf. Sie kommen, greifen innerhalb einer Minute nach einem Baum und bezahlen. Das können wohl nur Männer.

"Traum von Baum" trotz großer Auswahl schwierig zu finden

Gut 900 Bäume hält Manfred Brinkmann in Hollage seit Anfang Dezember bereit. Aufrecht und grün, mit glänzenden starren und doch so zarten Nadeln, dass sie nicht piken, kegelförmig geschlossen, stehen die Nordmanntannen nebeneinander. Alle aus eigener Anzucht, mit verschiedenen Stammhöhen oder als Ballenware im Topf. Daneben ab und an eine Blaufichte oder Douglasie. 

Die meisten schaffen es an dem Vormittag in einer Zeit von knapp 15 Minuten, so auch Familie Geres. Vater Maik sieht es gelassen: „Wir kommen seit Jahren hierher. Manchmal können wir schon nach fünf Minuten die Currywurst genießen, manchmal erst nach einer Stunde. Die Frauen haben das letzte Wort, ich bin zum Tragen dabei“.

Es ist vollbracht, das wichtigste Utensil für den Heiligen Abend gefunden. Foto: André Havergo


Die Verkäufer sorgen dafür, dass irgendwann alle ihren Traum vom Baum in der Hand halten. Um sich kurz darauf der nächsten Herausforderung zu stellen. Nämlich der, wenn plötzlich festgestellt wird, dass das gute Stück nun doch größer ist und nicht ins Auto passt. Doch Tannenbaumkäufer sind einfallsreich: egal ob in Wolldecke eingewickelt und mit Kordel um das Autodach gewickelt, ob im Hänger hinterm Motorrad hergezogen, auf dem Rollator stehend oder im Bollerwagen liegend – irgendwie wird jeder Baum nach Hause transportiert, um Heiligabend dann lichtglänzender, mit Kugeln behangener Mittelpunkt der Bescherung zu sein.

Und Ich? Ich schleiche anschließend auf das nahe Feld mit den Alpakas, gehe an gefühlt dreißig Bäumen vorbei: zu groß, nicht schön gewachsen, krumme Spitze. Und irgendwo hinten, in der letzten Ecke habe auch ich ihn gefunden: meinen Traum von Baum. Jetzt muss nur noch meine Familie überzeugt werden.


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