Stallgeruch: Energie vom Acker Wallenhorster Landwirt baut Energiepflanze Miscanthus an

Von Antonia Wahmhoff

Eine Pflanze mit rasantem Wachstum: Vor fünf Jahren haben Gerd (li.) und Christian Gers-Barlag mit dem Anbau des Riesen-Schilfs begonnen. Foto: Antonia WahmhoffEine Pflanze mit rasantem Wachstum: Vor fünf Jahren haben Gerd (li.) und Christian Gers-Barlag mit dem Anbau des Riesen-Schilfs begonnen. Foto: Antonia Wahmhoff

Wallenhorst. Eine Alternative zu Öl und Gas: Für die Wärmeversorgung ihres Betriebes baut Familie Gers-Barlag aus Wallenhorst-Hollage die Energiepflanze Miscanthus an. Ihre Bilanz nach den ersten fünf Anbaujahren: Der nachwachsende Rohstoff ist nicht nur klimaschonend, sondern auch widerstandsfähig und pflegeleicht.

"Wenn auf einem Hektar rund 20 Tonnen Miscanthus geerntet werden, entspricht das einer Menge von 8000 Litern Heizöl", erklären die Landwirte Gerd und Christian Gers-Barlag. Gemeinsam bauen Vater und Sohn die Energiepflanze im Wallenhorster Ortsteil Hollage auf zwei Hektar in Hofnähe an. Der pflanzliche Energielieferant, der auch unter den Namen "Chinaschilf" oder "Elefantengras" bekannt ist, wird schließlich als Heizmaterial für die betriebseigene Hackschnitzelheizung genutzt.

Hoher Energieaufwand

Der Familienbetrieb ist auf Sauenhaltung und Ferkelaufzucht spezialisiert. Die moderne Stallhaltung erfordere einen hohen Energieaufwand in Form von Heizwärme, erklärt Gerd Gers-Barlag (60). Besonders für die Ferkel sei es unerlässlich, dass in den Ställen stets eine Temperatur von rund 30 Grad Celsius herrsche.

Wenig Fläche – viel Energie

Um den Wärmebedarf des Betriebs zu decken, setzen die Landwirte statt auf fossile Energieträger auf eine Hackschnitzelheizung, die mit eigenem Holz und mittlerweile auch mit Miscanthus befeuert wird. Der nachwachsende Rohstoff habe einen enorm hohen Brennwert, sagt Christian Gers-Barlag (21) und erklärt weiter: "Die Energieeffizienz liegt bei 1:15." Das bedeute, dass Miscanthus bei einer Einheit Energie, die beim Anbau investiert wird, letztlich 15 Einheiten Energie bereitstellt. Dieser Wert liege weit über der Effizienz anderer energetisch nutzbarer Pflanzen, weiß der Student der Agrarwissenschaften. Entsprechend hoch sei die Minderung der Treibhausgase im Vergleich zu Öl oder Erdgas.

20 Jahre volle Erträge

Vor fünf Jahren haben Vater und Sohn mit dem Anbau begonnen. "Grundsätzlich hat Miscanthus ähnliche Standortanforderungen wie Mais", sagt Christian Gers-Barlag und sein Vater erklärt: "Häufig werden Grenzstandorte oder kleinere Flächen genutzt, die für die Bestellung mit anderen Feldfrüchten eher ungünstig sind." Bis zu 20 Jahre sollen die Anbauflächen volle Erträge liefern. Ob sich diese Prognose bewahrheitet, wollen die Landwirte aber erst einmal abwarten.

Rasantes Wachstum

Zweifelsfrei ist dagegen das schnelle Wachstum des Miscanthus. Eine beachtliche Höhe von drei bis vier Metern erreichen die Halme innerhalb eines Jahres, die erst nach Winterende geerntet werden. "Das wissen auch zahlreiche Wildtiere zu schätzen, die auf den Flächen Deckung suchen", erklären die Landwirte, die selbst Jäger sind. Seit dem zweiten Anbaujahr – der erste Aufwuchs sei nicht besonders ertragreich – ernten sie das Schilfgras jährlich im März/April mit einem herkömmlichen Feldhäcksler. Anschließend treibt die Pflanze wieder aus. Für die optimale Nutzung als Brennstoff komme es bei der Lagerung des Häckselguts darauf an, die ohnehin schon sehr trockene Biomasse vor Feuchtigkeit zu schützen.

Pflegeleicht und widerstandsfähig

"Miscanthus ist sehr pflegeleicht", bilanzieren Vater und Sohn die ersten Anbaujahre. Er komme ohne Dünger aus und auch die Unkrautbekämpfung beschränke sich auf das erste Jahr, bis sich die Pflanzen etabliert hätten. Außerdem fielen in den Folgejahren keine weiteren Kosten an. "Die diesjährige sommerliche Trockenheit wird sich in den Erträgen widerspiegeln", weiß Gerd Gers-Barlag. Doch wenn es nicht gerade zu einem frühen Wintereinbruch mit starkem Hagel- oder Schneefall komme, sei die Pflanze sehr widerstandsfähig. Ihn wundere, warum nicht noch mehr Landwirte auf den klimaschonenden Energielieferanten zurückgreifen.

Weitere Teile unserer Landwirtschafts-Serie "Stallgeruch" lesen Sie hier.


Wunderpflanze: Riesen-Schilf

Miscanthus (lat. Miscanthus x giganteus) ist ein ausdauerndes, schilfartiges Gras. Die auch als "Chinaschilf" oder "Elefantengras" bezeichnete Pflanze stammt ursprünglich aus Asien. Ein unterirdischer Erdspross (Rhizom), der als Speicherorgan für Reservestoffe dient, ermöglicht eine Überwinterung und ein wiederkehrendes Austreiben im Frühjahr. Als sogenannte C4-Pflanze zeichnet sich Miscanthus durch eine bei optimalen Umweltbedingungen sehr effektive Art der Fotosynthese und somit durch ein besonders schnelles Wachstum aus. Durch die hohe Biomasseproduktion und einen enormen Brennwert eignet sich das Schilfgras als nachwachsender Rohstoff für die energetische Nutzung. 

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