Region bereitet sich auf den Krisenfall vor Landwirte im Landkreis Osnabrück besorgt über Afrikanische Schweinepest

Von Antonia Wahmhoff

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Viele Züchter in der Region Osnabrück fürchten sich vor der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Foto: Jens Büttner/dpaViele Züchter in der Region Osnabrück fürchten sich vor der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Foto: Jens Büttner/dpa

Osnabrück/Wallenhorst. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) kommt näher: Mit dem Fund infizierter Wildschweine in Belgien steigt die Angst der hiesigen Landwirte. Schweinehalter befürchten, dass die Tierseuche früher oder später auch in Deutschland und damit auch im Raum Osnabrück auftreten könnte – und fühlen sich machtlos. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", sagt der Wallenhorster Landwirt Ernst Linnemann.

"Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen in Belgien, und damit das Näherrücken der ASP an Deutschland, hat das Risiko erhöht, dass sich die Schweinepest  nach Deutschland ausweitet. Die Entfernung ist nur gering", beschreibt der Leiter des Veterinärdienstes für Stadt und Landkreis Osnabrück Jörg Fritzemeier die aktuelle Situation. Auch wenn über die flächenhafte Ausdehnung der Seuche nur spekuliert werden könne, bereite sich der Landkreis Osnabrück auf den Krisenfall vor.

Schwerwiegende Folgen für Schweinehalter und Fleischwirtschaft

Die Afrikanische Schweinepest ist als gefährliche Seuche anzeigepflichtig. Der aggressive Virus, der für Menschen absolut ungefährlich ist, führt bei infizierten Wild- oder Hausschweinen zu hohem Fieber und in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage zum Tod. Ein Ausbruch in Deutschland hätte schwerwiegende Folgen für die Schweinehalter und die gesamte Fleischwirtschaft, weiß Fritzemeier. Es würden Exportverbote verhängt werden, die den Markt erheblich schädigen würden.

Große Angst bei den Landwirten

Bei Ausbruch der ASP in einem Tierbestand komme es zur Keulung, das heißt zur Tötung aller Tiere, erklärt Landwirt Ernst Linnemann. Als Leiter eines Betriebes in Wallenhorst-Rulle, der auf Sauenhaltung und Schweinemast spezialisiert ist, weiß er: "Die aktuelle Situation führt zu großer Angst unter den Landwirten." Die Ferkelpreise seien bereits so stark gesunken, dass die Produktionskosten kaum gedeckt werden könnten. Der Ausbruch der ASP in Deutschland wäre eine Katastrophe für alle Schweinehalter und würde für viele den finanziellen Ruin bedeuten, ist sich der Landwirt sicher.

Infektionsrisiko lauert überall

Die Gefahr einer Infizierung lauert an den verschiedensten Stellen. Besonders hoch sei das Risiko, dass der Virus über Lebensmittelabfälle in die hiesige Schwarzwildpopulation eingeschleppt würde, weiß Veterinär Fritzemeier. Aber auch Mitarbeiter aus osteuropäischen Ländern und der Fernverkehr aus Regionen, in denen die ASP bereits ausgebrochen ist, können potentielle Überträger sein, betont Linnemann und stellt fest: „Rein theoretisch könnte immer die Gefahr bestehen, den Virus mit dem Trecker vom Feld auf den Hof zu tragen.“

Landwirte erhöhen Biosicherheit

Zum Schutz vor der Tierseuche lege man daher hohen Wert auf die Biosicherheit auf den Höfen, berichtet Linnemann. Grundsätzliche Vorschriften, die in der Schweinehaltungshygieneverordnung festgelegt seien, würden angesichts des erhöhten Risikos nun verschärft. Höchste Priorität liege auf der Desinfektion. Betriebsfremden Menschen sei der Zutritt zu den Ställen, die mit speziellen Hygieneschleusen ausgestattet seien, untersagt.

Gefahrenquellen minimieren

Außerdem sei bei der Anlieferung von Futter besondere Vorsicht geboten. Generell versuche man, den Lkw-Verkehr auf den Höfen möglichst gering zu halten. Auch die Bekämpfung von Ratten und Mäusen sei ein Teil der Prävention. „Landwirte, die selbst Jäger sind, sollten außerdem strengstens darauf achten, dass sie auf keinen Fall in Kontakt mit Wildschweinen kommen“, betont Linnemann. Die Gefahr einer Übertragung sei schlichtweg zu hoch.

Anforderungen kaum leistbar 

Für den Fall eines Ausbruchs gibt es für die Landwirte die Möglichkeit, sich bei der Tierseuchenkasse zu versichern. Doch neben hohen Beiträgen fordere diese Sicherheitsvorkehrungen, die für viele Landwirte nicht leistbar seien, so Linnemann. Dazu gehöre zum Beispiel die Einzäunung des Betriebes mit einer 1,5 Meter hohen Absperrung. Dies sei jedoch für all jene Betriebe, die nicht über eine Alleinlage im Außenbereich der Ortschaften verfügen, äußerst schwierig oder gar nicht umzusetzen.

Wenig Sicherheit 

Die große Sorge der Schweinehalter werde zusätzlich dadurch verstärkt, dass es bis jetzt kein Land gebe, in dem der Virus nach dem Ausbruch wieder eingedämmt werden konnte. Sollte sich ein Betrieb nach einem Auftreten der ASP wieder erholt haben, gebe es also keine Sicherheit, dass sich ein solcher Fall nicht wiederhole.

Schweinehalter fühlen sich machtlos

„Wir Landwirte fühlen uns allein gelassen“, betont Linnemann angesichts der großen Gefahr und der existenzbedrohenden Folgen, die ein Ausbruch haben könnte. Zwar könnten sich die Landwirte auf unterschiedlichen Wegen informieren, erhielten allerdings wenig Unterstützung von offizieller Seite. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt Linnemann.


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