Chancen durch Digitalisierung der Arbeitswelt Kolpingverband Osnabrück veranstaltet Diözesanversammlung in Hollage

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Die Digitalisierung der Arbeitswelt aus der Sicht der Wirtschaft, Gewerkschaft, Kirchen und  Handwerk diskutierten unter der Leitung von Moderator von Markus Kleinkauertz (Mitte): Andreas Sandmann (Purplan-Geschäftsführer), Reiner Möhle (Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft), Petra Tiesmeyer (Gewerksschaftsführerin DGB-Region Osnabrück-Emsland), Karl Schiewerling (Vorsitzende der Rentenkommission) und Marcel Völz (Betriebsseelsorger im Bistum Osnabrück).                                                                                                                                                                                                    Foto: Christina HalbachDie Digitalisierung der Arbeitswelt aus der Sicht der Wirtschaft, Gewerkschaft, Kirchen und Handwerk diskutierten unter der Leitung von Moderator von Markus Kleinkauertz (Mitte): Andreas Sandmann (Purplan-Geschäftsführer), Reiner Möhle (Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft), Petra Tiesmeyer (Gewerksschaftsführerin DGB-Region Osnabrück-Emsland), Karl Schiewerling (Vorsitzende der Rentenkommission) und Marcel Völz (Betriebsseelsorger im Bistum Osnabrück). Foto: Christina Halbach

Wallenhorst. Bildung und Qualifizierung, Arbeitsschutz sowie eine Stärkung der Tarifautonomie gehören nach Auffassung des Vorsitzenden der Rentenkommission der Bundesregierung Karl Schiewerling im Arbeitsmarkt 4.0. zu den wesentlichen Rahmenbedingungen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete sprach auf der Diözesanversammlung des Osnabrücker Kolpingverbandes in Hollage vor 200 Delegierten.

„Chancen und Herausforderungen – Wo bleibt der Mensch?“ lautete das Thema der dreitägigen Veranstaltung, zu dem die Kolpinger neben dem Arbeitsmarktexperten Schiewerling Vertreter der Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen und dem Handwerk zur Diskussion eingeladen haben. Ganz konkret hat der Diözesanverband Osnabrück eine Frage aufgegriffen, die in Deutschland nicht seit gestern Gegenstand von Debatten und Untersuchungen ist: Wie könnten die Rahmenbedingungen für Menschen, Unternehmen und Politiker in einer digitalisierten Welt aussehen? Was sich verändern wird, erläuterte Kolpingmitglied Karl Schiewerling, den das Thema unlängst in das geografische Herz der Digitalisierung geführt hatte: dem kalifornischen Silicon Valley, wo er als Delegationsmitglied zum Gespräch mit führenden Wissenschaftlern und Wirtschaftsforschern zusammengetroffen war.

Flexibilisierung der Arbeitszeit

Die Herausforderungen an die Arbeitswelt beschreibt Schiewerling als weitreichend, bei der Bewältigung sei „alle gesellschaftlichen Kräfte“ gefordert: Die durch digitale Arbeitsprozesse zunehmend mögliche Flexibilisierung der Arbeitszeit werde zu einem Abschied von der Präsenzkultur und wechselnden Teams und Chefs führen. Aber, weiß der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Erfahrung mit eigenen Mitarbeitern: „Es gibt Menschen, die mit solchen entgrenzten Lebenssituationen umgehen können, andere nicht.“ Darauf flexibel in Tarifverträgen zu reagieren, sei die zentrale Aufgabe der Tarifpartner, ist Schiewerling überzeugt, der in diesem Zusammenhang eine Stärkung der Tarifautonomie forderte. Außerdem sei die innerbetriebliche Weiterbildung im besonderen Maße gefragt: „08/15-Schulungen sind nicht mehr möglich.“ Schließlich müsse der Arbeitsschutz in Zeiten, in denen Arbeitnehmer einen großen Teil ihrer Arbeitszeit vor dem Bildschirm verbringen, mit Blick auf psychosomatische und Rückenerkrankungen im besonderen Maße Berücksichtigung finden.

Karl Schiewerling, Vorsitzende der Rentenkommission der Bundesregierung, sprach über die Rahmenbedingungen, die eine zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt mit sich bringt. Foto: Christina Halbach


Work-Life-Balance also: Purplan-Geschäftsführer Andreas Sandmann setzt diesen Gedanken derzeit mit einem so genannten Businesspark mit Fitnessstudio sowie leichter, gesunder Küche für junge und innovative Technologiefirmen um: „Sport, Leben und Arbeit sollen dort miteinander verbunden werden“, erläuterte der Wallenhorster Unternehmer das Konzept in der anschließenden Diskussion. An der fortschreitenden technologischen Entwicklung ändert das freilich nichts: „Die Digitalisierung ist da. Jeder muss sich damit auseinandersetzen.“ Gut aufgestellt sieht sich in der Region Osnabrück hier das Handwerk, wie der Präsident der Handwerkskammer Reiner Möhle feststellte: In puncto Digitalisierung seien entsprechende Konzepte und Lehrpläne entwickelt worden, die in Schulungsfirmen umgesetzt werden.

Nachhaltige Bildungsangebote

Für Petra Tiesmeyer, Gewerkschaftsführerin der DGB-Region Osnabrück-Emsland, ist nicht nur der Arbeitsmarkt, sondern auch der Sozialstaat gefragt: „Wir müssen alle Bereiche mitnehmen“, forderte sie mit Blick auf nachhaltige Bildungsangebote und die Umstellung der Sozialsysteme. Arbeitgeber- und Sozialverbände seien gefragt, das vernünftig auszuhandeln. Sie habe festgestellt, dass es mittlerweile auch für Menschen um die 30 schwieriger werde, mit der immer schnelleren technischen Entwicklung Schritt zu halten. Eine Beobachtung, die auch Diskussionsteilnehmer Marcel Völz kennt. Der Mitarbeiter des Bistums Osnabrück ist als Betriebsseelsorger im Einsatz: „ Ich biete einen geschützten Raum zur Entschleunigung an, in dem man ins Gespräch kommt und Probleme vor Ort diskutiert werden können.“


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