Kompensationsflächenpool im Wald Ökologisches „Vorzeigeprojekt“ am Kohkamp in Rulle

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Am Ufer des Kohkampbachs in Rulle informierten Matthias Haking (links) und Björn Staggenborg (Dritter von links) von der Landesforstverwaltung die Mitglieder des Umweltausschusses über die geplante Entwicklung eines Kompensationsflächenpools. Foto: Joachim DierksAm Ufer des Kohkampbachs in Rulle informierten Matthias Haking (links) und Björn Staggenborg (Dritter von links) von der Landesforstverwaltung die Mitglieder des Umweltausschusses über die geplante Entwicklung eines Kompensationsflächenpools. Foto: Joachim Dierks

Wallenhorst. Die Niedersächsischen Landesforsten wandeln 87 Hektar am Südhang des Wiehengebirges nordwestlich von Rulle in eine Vorratsfläche für naturschutzfachliche Kompensationen um. Wallenhorst erhält dadurch die Möglichkeit, auf eigenem Gemeindegebiet zu kompensieren.

Die Gemeinde ist gesetzlich verpflichtet, für Eingriffe in Natur und Landschaft durch Bebauung und Versiegelung eine Wiedergutmachung an anderer Stelle zu leisten. In den vergangenen Jahren hat die Gemeinde ihre Verpflichtungen ganz überwiegend durch den Ankauf von sogenannten ökologischen Wertpunkten in größeren privat betriebenen Kompensationsflächenpools in Bramsche und in Melle abgegolten. Im Gemeinderat war immer wieder der Wunsch geäußert worden, die Verwaltung möge doch bitte für Kompensationsflächen innerhalb des Gemeindegebietes sorgen. „Es macht ja auch Sinn, dass man nah am Ort der Verursachung die Natur dafür entschädigt, und nicht irgendwo anders in Niedersachsen“, meinte Bürgermeister Otto Steinkamp am Rande einer Exkursion des Ausschusses für Umwelt, Energie, Klimaschutz und digitale Entwicklung in den vorgesehenen Kompensationsflächenpool „Kohkamp“. Vor der eigentlichen Ausschusssitzung im Ratssitzungssaal hatten Matthias Haking aus der Zentrale der Niedersächsischen Landesforsten in Braunschweig und Björn Staggenborg vom örtlich zuständigen Forstamt Ankum die Ausschussmitglieder zu einer Begehung vor Ort eingeladen.

Oberflächenwasser halten

Am Ufer des Kohkampgrabens, der untypischerweise derzeit trocken gefallen ist, erläuterte Staggenborg, was passieren muss, um aus dem jetzt noch land- und forstwirtschaftlich genutzten Land einen anerkannten Kompensationsflächenpool werden zu lassen. „Wir müssen das Oberflächenwasser länger hier in der Landschaft halten“, sagte Staggenborg, „unsere Vorfahren haben das Entwässerungssystem so gut ausgebaut, dass nach einem Starkregen am nächsten Tag alles in der Nette angekommen ist.“ So sollen nun weite Teile des Grabensystems zugeschüttet und in einigen Fällen zumindest die Grabensohlen so weit angehoben werden, dass das Wasser in die Fläche mäandriert und versickert.

Erwünschte Pflanzen

Die Folgen: Ein stärkerer Grundwasserstrom löst in tieferen Gesteinsschichten Kalk aus und befördert ihn an die Oberfläche. Kalkliebende Flora und Fauna entwickeln sich. Wiesen vernässen und werden aus der Weidewirtschaft herausgenommen. „Wir reaktivieren hier die Quelllandschaft, wir machen einen Schwamm auf. Es wird dann weniger Grün und mehr Blüten geben“, so Staggenborg. Auch die Forstwirtschaft wird eingestellt, sobald das Ziel einer Reduzierung der Nadelgehölze erreicht ist. Im Endzustand wird der Kohkamp in höheren Lagen aus halboffenem Eichenwald, darunter aus feuchtem Eichen- und Hainbuchenwald bestehen und in den Niederungen aus Auen-, Bruch- und Quellwald mit vorherrschend Erlen und Eschen. „Damit wird der ursprüngliche Bodenwasserhaushalt vor den menschlichen Eingriffen wiederhergestellt“, erklärte Haking. Erwünschte Pflanzen wie Primeln, Sumpfdotterblumen und Waldhyazinthen würden zurückkehren.

Schlüsselblumen, Orchideen oder Primeln

Das Fachkonzept der Landesforsten für einen Kompensationsflächenpool „Kohkamp“ wurde mittlerweile von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises anerkannt. Damit verbunden ist die Auflage eines regelmäßigen „Monitoring“, also einer Prüfung, ob die Entwicklungsziele erreicht werden. Beispielsweise zählt man „Positivpflanzen“ wie Schlüsselblumen, Orchideen oder Primeln und demgegenüber die noch verbliebenen „Negativpflanzen“ wie Brennnesseln und Brombeeren. Nach etwa 30 Jahren, so ist zu erwarten, hat sich die natürliche Ordnung stabilisiert und bedarf keiner weiteren Hilfestellungen. Der Status als Kompensationsfläche ist im Grundbuch eingetragen, ein Salto rückwärts zu Land- und Forstwirtschaft somit ausgeschlossen.

In der anschließenden Ausschusssitzung kamen Fragen auf nach dem Einfluss der A 33-Nord, falls sie denn doch kommt? Haking antwortete, dass die Waldflächen um den Quellbereich und den Oberlauf des Kohkampbaches ihren FFH-Status behalten und auch die vertraglichen Grundlagen der eingetragenen Kompensationsfläche nicht berührt würden. Weitere Frage: Wenn da alles nasser wird, was wird dann aus den Wanderwegen? Antwort: Die Nutzung für Naherholung bleibt gewährleistet. Die Wege liegen zumeist auf Dämmen, die keinesfalls geflutet werden sollen.

Insgesamt zeigte die Diskussion eine breite Zustimmung zu dem „Vorzeigeprojekt“, zumal daraus auch ein Hochwasserschutz für die tiefer im Tal liegenden Gebiete resultiere. Und die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde indirekt gefördert werde. Die Gemeindeverwaltung tue gut daran, weiterhin eng am Ball zu bleiben und die Landesforsten bei der Entwicklung des Flächenpools zu unterstützen.


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