Erfolgreiche Rückkehr Ehemalige Drogenabhängige besuchen Fachklinik Nettetal

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Die Suchttherapeuten Hans-Jürgen Boder und Yvonne Bietendorf freuten sich, beim Sommerfest der Fachklinik Nettetal viele ehemalige Patienten begrüßen zu können. Foto: Christian HehemannDie Suchttherapeuten Hans-Jürgen Boder und Yvonne Bietendorf freuten sich, beim Sommerfest der Fachklinik Nettetal viele ehemalige Patienten begrüßen zu können. Foto: Christian Hehemann

Wallenhorst. Ihr jährliches Sommerfest feierte die Fachklinik Nettetal am Wochenende. Neben den derzeitigen Patienten fanden sich auch zahlreiche ehemalige Rehabilitanden auf dem Hof der Einrichtung für suchtkranke Männer ein.

Unter den Besuchern war auch Tom Schmidt (geändert, Name der Redaktion bekannt). Der 38-Jährige hat vor drei Jahren eine Therapie im Nettetal erfolgreich absolviert. „Mit Anfang 20 habe ich fast täglich Alkohol getrunken. Dabei hatte ich auch einen Autounfall und habe dadurch meinen Job verloren“, erzählt Schmidt. Doch sein Leben sei bis zu seinem 25. Lebensjahr noch halbwegs geregelt gelaufen. „Mit Mitte 20 ging es dann erst richtig los. Ich habe alles mögliche konsumiert: Kokain, Ecstasy oder LSD. Und nach einer Trennung mit Anfang 30 bin ich dann endgültig abgeschmiert. Ich war zeitweise sogar obdachlos und es ging mir auch körperlich nicht mehr gut“, so Schmidt.

Unfall am Geburtstag

Die Wende brachte dann ausgerechnet sein 35. Geburtstag. Nach einem schweren Unfall landete er im Krankenhaus und beschloss, zukünftig keine Drogen mehr zu nehmen. „Mir wurde eine Therapie empfohlen, und ich habe mich dann eigenständig hier im Nettetal beworben. Ich war zu dem Zeitpunkt aber nicht der Meinung, drogenabhängig zu sein. Ich dachte, dies wird nur ein Urlaub von meinem Leben“, sagt Schmidt.

So kam Schmidt vor drei Jahren in die Fachklinik. „Ich wusste sofort, dass ich hier richtig bin. Es ist sehr erholsam und ruhig“, betont Schmidt. Doch auch das Konzept hat ihn überzeugt. „Man ist hier rund um die Uhr in ein gutes System eingebunden“, erklärt Schmidt.

Dies stellt auch Hans-Jürgen Boder heraus. Der Suchttherapeut ist der Leiter der Fachklinik. „Wir halten hier viele Arbeitsfelder vor. Die Rehabilitanden können in der Küche, im Garten oder in der Holzwerkstatt arbeiten. Dadurch lernen sie ihre Grenzen zu erkennen und sich aktiv zu beteiligen. Gleichzeitig stärken sie ihr Selbstbewusstsein“, erzählt Boder. In den vergangenen Jahren habe sich zudem die Drogenhistorie der Patienten verändert. „Es entsteht der Eindruck, dass die Menschen heute sehr situationsabhängig konsumieren. Also wenn sie feiern wollen, nehmen sie etwas zum Aufputschen und wenn sie sich ausruhen wollen, eine Droge mit beruhigender Wirkung“, erklärt Boder. Dies mache für die Mitarbeiter viele Weiterbildungen erforderlich.

Nur die Hälfte schafft es

Boder freute sich, viele bekannte Gesichter beim Sommerfest zu sehen. „Sie haben gelernt, Hilfe anzunehmen und nutzen die Fähigkeiten, die sie bei uns gelernt haben. Das zu sehen ist auch gut für die Mitarbeiter der Fachklinik“, betont Boder. Denn bei weitem nicht alle Patienten der Fachklinik schaffen den Weg zurück in ein geregeltes Leben. „Ungefähr 60 bis 65 Prozent der Patienten schließen die Behandlung hier erfolgreich ab. Von diesen bleiben dann aber nur ungefähr die Hälfte clean“, sagt Boder. Für Tom Schmidt hat die Fachklinik Nettetal in jedem Fall funktioniert. Er ist jetzt clean, hat wieder einen Beruf und lebt in einem stabilen Umfeld.


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