Noch alles von Hand gebaut Klassische Modellflieger am Himmel über Hollage

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Den Aufsatz, um andere Flugzeuge zu tragen, gab es früher als Zusatz zu kaufen. Foto: Swaantje HehmannDen Aufsatz, um andere Flugzeuge zu tragen, gab es früher als Zusatz zu kaufen. Foto: Swaantje Hehmann

Wallenhorst. Flugtage auf dem Modellflugplatz des Osnabrücker Modellsport-Club DO-X in Hollage. Vom vergangenen Mittwoch bis zum Sonntag trafen sich hier Liebhaber klassischer Modellflugzeuge, um ihrem Hobby nachzugehen. Zum Wochenende reisten auch viele Gleichgesinnte aus ganz Deutschland und den Niederlanden an.

„Klassischen Modellenflugzeuge sind Konstruktionen, die zwischen den 50er und 80er Jahren aktuell waren“, erklärt Torsten Meins vom Osnabrücker Modellsport-Club DO-X. Dazu zählen Baukästen, die man damals kaufen konnte, aber auch Modelle, die die Besitzer mithilfe von Bauplänen selbst zusammengebaut haben. „Das Besondere an den „Retro-Fliegern“ ist, dass sie oftmals fast komplett aus Holz gebaut wurden. Es sind wenige Kunststoffteile oder Styropor verarbeitet. Sie sind von der Form ein bisschen individueller.

Einzelstücke

Jeder Flieger ist eigentlich ein Einzelstück.“, verdeutlicht Meins. Größtenteils seien diese Modelle mit Verbrennungsmotoren ausgestattet. „Heutzutage wird dagegen eher ein Elektroantrieb verwendet“, berichtet er. Allerdings würden viele Modellflieger ihr alten Fluggeräte dahingehend umrüsten. Denn Elektroantriebe seien deutlich leiser, sodass auch in Mittagsstunden und abends geflogen werden könnte. „Es sind aber noch viele Flugzeuge hier, die noch mit den Originalmotoren antreten. Die haben dann schon 30 oder 40 Jahre auf dem Buckel“, führt Meins aus. Das Fluggefühl bei einem Retro-Flieger sei nicht ganz so exakt, wie bei neuen industriell gefertigten Modellen, darin liege aber auch die Herausforderung.

100 bis 150 Bastelstunden

Für ein Baukasten benötige ein Bastler, je nach Modell, rund 100 bis 150 Stunden, um das Flugzeug anzufertigen. Im Falle eines Bauplanmodells, bei dem erst alle Teile ausgeschnitten werden müssen, dauere es länger. „Man muss zunächst die Maße aus dem Plan auf das Holz übertragen und die Teile dann aussägen oder fräsen. Bis es um Kleben kommt, vergeht da einige Zeit“, so Meins. Er selbst besitzt unter anderem klassische Kunstflugmodelle. „Es gab mal eine Klasse, die nannte sich RC1. Das waren Flieger mit 1,60 Meter Spannweite und einem 10 Kubikmeter Verbrennungsmotor. Das war der größte Motor, den es in den 70er Jahren gab. Das Gute an ihnen ist, dass sie sehr unkompliziert im Handling sind. Sie fliegen sehr genau, bei starkem wie auch bei wenig Wind.“

Hochgeschwindigkeit, Big Lifter und Krachumlenkung

Einer der Teilnehmer war Guido Schuchert aus Lembeck bei Dorsten. Seine „Fournier RF4“ stammt aus den 60er Jahren und war eine der ältesten Konstruktionen beim Treffen.

„Es war damals schon relativ modern mit Fertigflächen und einem Rumpf aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Man merkt ihm die 50 Jahre eigentlich nur an der Lautstärke an. Denn der Motor ist noch mit alter Technik versehen, mit alten ‚Schalldämpfern‘. Das ist aber mehr eine Krachumlenkung“, lacht Schuchert. Angst, dass das alte Schmuckstück abstürzten könnte hat nicht. „Der alte Ofen hat 50 Jahre Flugerfahrung, da sollte er das können“, lacht Schuchert.

Weltmeisterlich wurde es bei Jürgen König aus Wolfenbüttel mit seinem „Blue Angel RC1“. „Das war das Weltmeistermodell von 1973 und das Modell seiner Zeit. Ich habe mir 1988 den Plan besorgt und es nachgebaut“, so König. Das Besondere seien die „gepfeilten“ Flügel, die für Hochgeschwindigkeit sorgen und die, durch das vollsymmetrisches Profil, extrem stabile Lage. Das Ding ist schnell und liegt wie ein Brett in der Luft“, verdeutlicht König. 150 Kilometer in der Stunde würde das Fluggerät schaffen, schätze er. „Heute fliege ich kaum noch Verbrennungsmotoren, deshalb wird es schweren Herzens ausgemustert“, berichtet König.

Aus Rendsburg machten sich Michael Falk und Sohn Justus auf den Weg nach Wallenhorst. Sie waren unter anderem mit dem „Big Lift“ der Firma Muliplex am Start. „Ich habe es nach Plan mit ein paar Anpassungen nachgebaut. Es hat jetzt einen Elektromotor und die Ruderflächen sind ein wenig verändert.“ Die Besonderheit bei dem Modell sei, dass man darauf kleinere Segelflugzeuge befestigen und sie in einer gewissen Höhe ausklinken kann. „Das gab es damals schon serienmäßig, als ‚Add-on‘ zu kaufen“, lächelt Falk.

„Das ist ärgerlich, kann aber passieren“

Wenn die kleinen, schnellen Flieger durch den Luftraum flitzen, gelten dabei natürlich gewisse Sicherheitsregeln. „Häuser, Straßen und Bahnlinien werden von uns nicht überflogen. Außerdem beträgt die maximale Flughöhe 762 Meter. Dabei müssen wir dann aber auch auf die bemannten Segel- und Sportflieger vom Flugplatz Atterheide achten. Deshalb haben wir einen Flugleiter, der in so einem Fall die Ansage gibt, ein bisschen tiefer zu fliegen“, schildert Torsten Meins. Allerdings habe es am Freitag einen Crash zweier Modellflugzeuge gegeben. „Die wollten einen Staffelflug machen und hatten sich ein wenig verschätzt. Das ist ärgerlich, kann aber passieren“, so Meins weiter.


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