Architekt stellt Pläne vor Wallenhorster Kolumbarium zum ersten Advent fertig?

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Umbau in vollem Gange: Seit Juli wird die alte Wallenhorster Friedhofskapelle zum Kolumbarium umgestaltet. Foto: David EbenerUmbau in vollem Gange: Seit Juli wird die alte Wallenhorster Friedhofskapelle zum Kolumbarium umgestaltet. Foto: David Ebener

Wallenhorst. Der Umbau der alten Wallenhorster Friedhofskapelle zum Kolumbarium hat begonnen. Architekt Ulrich Recker ist zuversichtlich, dass die Arbeiten zum ersten Advent abgeschlossen sind. Der Kirchenvorstand von St. Alexander überzeugte sich vor Ort vom Stand der Arbeiten.

Beim gemeinsamen Baustellenbesuch erläuterte Ulrich Recker, Architekt aus Westerstede, sein Konzept. Es sieht im Wesentlichen drei Bereiche vor, zwei innerhalb des bisherigen Kapellengebäudes und einen davor. Über alle Bereiche verteilt sollen 580 Urnenkammern entstehen, in denen insgesamt 930 Urnen Platz finden. Die Doppelgräber sollen dabei eine etwas größere Öffnung erhalten als die Einzelgräber.

Charakter von 1964 erhalten

Vor allem der Charakter des achteckigen "Kapellenkranzes" solle erhalten bleiben, betonte Recker. So würden die originalen weiß-gelben Glasbausteinfenster des 1964 errichteten Gebäudes ebenso erhalten wie die hölzerne Eingangstür. Auch das Marienbild gegenüber des Eingangs werde nach Abschluss der Arbeiten an seinen Platz zurückkehren. Ansonsten ist der Kapellenkranz jedoch schon vollständig entkernt; der alte Zugang zu den drei Leichenkammern ist zugemauert, ein neuer Zugang in den Anbau in die Wand geschlagen.

Die originalen Glasbausteinfenster der alten Wallenhorster Friedhofskapelle sollen erhalten bleiben. Foto: David Ebener

Denn an den Kapellenkranz mit seinen 100 Urnenkammern werden sich drei sogenannte Urnengruften mit insgesamt 204 Urnenkammern anschließen. Dieser Bereich soll etwas dunkler und ruhiger wirken als der Kapellenkranz.

Auf der Nordseite des Gebäudes schließlich entsteht ein sogenannter Urnengarten mit weiteren 276 Kammern. Er wird an drei Seiten von Mauern umschlossen sein, aber von außen über zwei Zugänge und von innen durch eine Tür von den Urnengruften aus erreichbar sein. Eine begrünte Pergola soll den Urnengarten überdachen.

Blick in den künftigen Urnengarten: Vor der Kapelle sollen 276 Kammern Platz für 454 Urnen bieten. Foto: David Ebener

Den gesamten Entwurf hat Recker unter das Motto "Fenster zur Ewigkeit" gestellt, dementsprechend spielt das Licht eine große Rolle in den Planungen. So sollen Dachfenster im Osten und im Westen Sonnenaufgang und -untergang "einfangen" und das Licht auf eine "Asche-Grab-Stele" werfen, in die in der Mitte der alten Aussegnungskapelle etwa drei Meter tief in den Boden eingelassen wird. In diese Stele soll die Asche nach ihrer Zeit im Urnengrab übergeben werden – Recker beschrieb dies als "Vererdung der Asche". 

Kleine blaue Fenster zur Ewigkeit

Auch die Urnenkammern selbst sollen das Motiv eines Fensters aufgreifen. Hierfür hat Recker eigens mit einer Paderborner Firma blaue Glasscheiben entwickelt, in die von Hand verstreuter Sand eingearbeitet ist. Da die Urnenkammern von innen nicht beleuchtet seien, würden die Urnen von außen nicht zu sehen sein, versicherte Recker – allerdings leuchteten die Glasscheiben bei wechselndem Lichteinfall und verstärkten so den Eindruck kleiner Fenster. 

Spezialanfertigung: Antonius Wöstmann (links), Sprecher des Friedhofsausschusses, lässt sich von Architekt Ulrich Recker ein Muster der Glasplatten zeigen, mit denen die Urnenkammern verschlossen werden. Foto: David Ebener

Eingelassen sind die Urnenkammern in Sichtbetonelemente; dadurch, dass die Öffnungen unterschiedlich groß und unterschiedlich angeordnet sind, soll jedwede Ähnlichkeit mit Schließfächern vermieden werden. "Es gibt Kolumbarien, die sehen aus wie Schließfächer am Bahnhof. Das wollten wir hier bewusst nicht", sagte Recker.

Glockenklang der alten Kirche

Auch den Klang hat Recker in seinen Entwurf einbezogen: Die Mauern und die Pergola des Urnengartens so konzipiert, dass sie den Glockenklang der alten St.-Alexander-Kirche jenseits der Bundesstraße 68 aufnehmen und in den Urnengarten leiten. So sollten die alte Kirche als Symbol für die Taufe und den Anfang des Lebens (Alpha) und die alte Friedhofskapelle als Sinnbild des Todes (Omega) symbolisch über die Osnabrücker Hügellandschaft hinweg miteinander verbunden werden, erläuterte Recker sein Konzept. 

Drei Bereiche – Kapellenkranz, Urnengruften und Urnengarten – sehen Ulrich Reckers Pläne im Wallenhorster Kolumbarium vor. Foto: David Ebener

Beim Ortstermin mit dem Kirchenvorstand stellte sich nun freilich heraus, dass die Glocken der alten St.-Alexander-Kirche gar nicht mehr regelmäßig läuten. Für Antonius Wöstmann, Vorsitzender des Friedhofsausschusses, kein Grund, den Entwurf infrage zu stellen: "Da finden wir schon eine Lösung", sagte er; das Konzept sei gut, altes und neues Dorf wüchsen so wieder zusammen.

Neue Friedhofsordnung in Arbeit

Wenn alles planmäßig verlaufe, könne das Kolumbarium zum ersten Advent eingeweiht werden, sagte Recker. Ob es dann tatsächlich schon genutzt werden kann, ist allerdings eine andere Frage: Die Friedhofsverwaltung sei schon häufiger gefragt worden, ob bereits Plätze reserviert werden könnten, sagte Wöstmann; dies sei aber derzeit noch nicht möglich: "Wir müssen jetzt erst eine neue Friedhofsordnung aufstellen, in der alles geregelt ist."


Die Leichenkammern der alten Friedhofskapelle in Wallenhorst werden zu sogenannten Urnengruften umgestaltet. Foto: David Ebener

Der Rat der Gemeinde Wallenhorst hatte dem Umbau der Friedhofskapelle zum Kolumbarium im März 2017 zugestimmt. Für Diskussionen sorgte seinerzeit die sogenannte "500er-Klausel": Sie besagt, dass erst 500 Urnenplätze im neuen Kolumbarium verkauft sein müssen, bevor auf dem gemeindeeigenen Hollager Friedhof ebenfalls ein Kolumbarium in Betrieb gehen darf. 

Nachfrage nach Urnengrabstätten steigt

Auf die Frage, wann dies der Fall sein werde, antwortete Fachbereichsleiter Rüdiger Mittmann auf Nachfrage: "Den Zeitpunkt zu prognostizieren fällt schwer, denn es bleibt abzuwarten, wie sich die Nachfrage entwickelt." Auch der kirchliche Friedhof und das Kolumbarium stünden jedoch "unabhängig von Konfessionszugehörigkeit oder Konfessionslosigkeit allen Wallenhorster Bürgern offen", versicherte Mittmann. Auch Angehörige, die nicht aus Wallenhorst kommen, könnten dort beigesetzt werden. Auf dem kommunalen Friedhof sei die Nachfrage nach Grabstätten für Erdbeisetzungen seit einigen Jahren rückläufig, während die Nachfrage nach Urnengrabstätten stetig steige, ergänzte Mittmann.


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