Stiftung besteht seit zehn Jahren „Jungen Menschen Chancen zu geben, dass sie selbst Chancen haben“

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Seit zehn Jahren unterstützt die "Ellen und Karl-Heinz Hornhues Stiftung pro Afrika" Bildungsprojekte in Namibia. Hier ist er  in Grootfontein zu Besuch, wo die Stiftung Jugendlichen den Besuch der weiterführenden Schule ermöglicht.                                                                                        Foto: HornhuesSeit zehn Jahren unterstützt die "Ellen und Karl-Heinz Hornhues Stiftung pro Afrika" Bildungsprojekte in Namibia. Hier ist er in Grootfontein zu Besuch, wo die Stiftung Jugendlichen den Besuch der weiterführenden Schule ermöglicht. Foto: Hornhues

Wallenhorst. Die „Ellen und Karl-Heinz Hornhues Stiftung pro Afrika“ in Wallenhorst unterstützt seit zehn Jahren Farmschulen, Schüler und Studenten in Namibia. Die Verbundenheit mit dem afrikanischen Kontinent und das Wissen um die Bedeutung des Faktors Bildung hat das Ehepaar seinerzeit den Schritt gehen lassen.

„Wenn sie einmal da sind, haben sie nur zwei Chancen: Sich grausend abzuwenden oder sie sind verliebt bis über beide Ohren“, sagt Karl-Heinz Hornhues. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete hat sich für die zweite Möglichkeit entschieden. Vor ihm auf dem Tisch sind neben einer Landkarte, dem Buch „Namibia Episoden“, in dem Hornhues Politisches und Anekdotisches über seine Erlebnisse in dem afrikanischen Land erzählt, etliche Fotos ausgebreitet, die ihn mit Ansprechpartnern, Studenten und Kindern zeigen. Viele der kleinen Knirpse kennt der 79-Jährige noch mit Namen und weiß kleine Geschichten über sie zu erzählen.

Über 50 Reisen hat Hornhues, der von 1972 bis 2002 dem Deutschen Bundestag angehörte, seit 1974 vor allem nach Namibia unternommen: Zunächst in politischer Mission unter anderem in seiner Funktion als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, dann auch privat mit seiner Frau Ellen und den Söhnen Hans Martin und Detlef. In der ehemaligen deutschen Kolonie, auch als Deutsch-Südwestafrika bekannt, leben 18 Prozent unter der namibischen Armutsgrenze, Bildung ist ein Luxusgut: Über die Hälfte der Bevölkerung, sagt Hornhues, seien Analphabeten. Und trotzdem: „Namibia ist ein ideales Land für Entwicklung. Sie haben den entwickelten Teil in ihrem Land und nicht in Europa. Da steckt Hoffnung drin“, ist Hornhues überzeugt und betont: „Ohne Bildung geht nichts. Wir müssen die Länder fördern, die Bildung fördern.“ Schon in seiner aktiven politischen Zeit habe er seine Position genutzt, wenn er vor Ort Probleme entdeckt hatte. Dabei hat er festgestellt: „Sie treffen auf kleine Strukturen, da kann man mit relativen Kleinigkeiten was machen.“ Als sein Einfluss mit dem Wegfall seines politischen Mandates zu schrumpfen begann, wie er schmunzelnd zugibt, wuchs der Gedanke eine Stiftung zu gründen. Zwar engagiert sich Hornhues auch in seiner Funktion als Ehrenpräsident der Deutsch Afrika Stiftung, deren Focus liege jedoch mehr auf der Lobbyarbeit gegenüber Regierung und Ministerien in Berlin.

Mit dem Gedanken, „jungen Menschen Chancen zu geben, dass sie selbst Chancen haben“ ging es 2008 los. Seitdem hat die „Ellen und Karl-Heinz Hornhues Stiftung pro Afrika“ aus den Erträgen des Stiftungskapitals und durch Spenden Projekte und Einzelpersonen zumeist in Namibia mit rund 110.000 Euro unterstützt. Gefördert werden einzelne Farm- und Buschschulen, deren Besuch in einem dünn besiedelten Flächenland wie Namibia häufig mit langen Schulwegen verbunden oder nur durch die Unterkunft in einem Hostel möglich ist. In der Primary School im Norden Namibia gelegenen Kwakwas etwa wird mit einem vergleichsweise geringen Betrag von 1000 Euro besseres Mittagessen, Schulkleidung oder Papier finanziert. Zu den größeren Projekten zählt da schon der Bau eines gemauerten Hostels, das den bisherigen Wellblechbau ersetzt hat. Wichtig ist den Stiftern die Eigeninitiative der Geförderten: „Nicht nur nehmen, sondern selbst was tun“, betont Ellen Hornhues. So übernimmt die Stiftung das Schulgeld, um ausgewählten, vielversprechenden Schülern den Besuch einer weiterführenden Schule, dem Gymnasium, zu ermöglichen und hat Stipendien an bereits zwölf Studenten der Universität von Namibia in Windhoek vergeben. Alle stehen mittlerweile etwa als Staatsanwalt, Lehrerin oder Projektmanagerin in Arbeit und Brot: „Die sind alle was geworden. Sie sind auch so ausgesucht, dass die Wahrscheinlichkeit gering war, dass es nichts wurde“, weiß Hornhues, der vor Ort über ein weit gespanntes Netz von Ansprechpartnern verfügt. „Die können uns genau sagen, was nötig ist“, betont der Stifter, was nicht zuletzt auch ein wichtiges Argument gegenüber den Spendern ist: „Dadurch können wir garantieren, dass wirklich jeder Euro ankommt.“

Auch in Deutschland ist die Stiftung aktiv. Bereits zum fünften Mal wird in diesem Jahr in Osnabrück der Afrikapreis für Schulen vergeben, mit dem die Auseinandersetzung mit Afrika gefördert und anerkannt werden soll. 2017 wurde an der Universität Osnabrück erstmals ein Förderpreis für junge Wissenschaftler vergeben, die sich in ihrer Abschlussarbeit oder Dissertation mit dem afrikanischen Kontinent beschäftigt hat.

Nach zehn Jahren fällt die Bilanz bescheiden, gleichwohl der Zukunft positiv zugewandt aus: „Wir wussten, dass wir nicht die Welt verändern. Aber wenn man die getroffen hat, denen man geholfen hat und sieht, wie die sich freuen, dann will man das noch viele Jahre tun“, stellt Hornhues fest. Wenn alles gut geht, wird er auch in diesem Jahr wieder mit seiner Frau nach Nambia fahren, um sich über Fortschritte in den Projekten zu informieren. Auch eine Feier wird es anlässlich des Jubiläums geben: Im kleinen Kreis treffen sich Spender, Weggefährten und Geförderte zum gemeinsamen Erinnern und Austausch.


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