Jägerin, Kaderschützin, Lehrerin Warum eine 26-Jährige in Wallenhorst eine Jagdschule eröffnet hat

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Wallenhorst. Cornelia Weiß ist 26 Jahre alt und leitet die Jagdschule Osnabrück in Wallenhorst. Wie es ist, sich als Frau in der Männerdomäne Jagd zu behaupten, wie sie zum Schießen gekommen ist und was das Jagen für die Umwelt tun kann, erzählt die Ausbilderin aus der „Waffenstadt“ Suhl.

„Ich habe meinen Jagdschein während des Abiturs gemacht. Und im Grunde habe ich mehr dafür gelernt als fürs Abi.“ Diese Aussage bringt Cornelia Weiß‘ Leidenschaft für den Jagd- und Schießsport gut auf den Punkt. Die 26-jährige Jägerin leitet die Jagdschule Osnabrück an der Osnabrücker Straße in Wallenhorst. Anfang des Jahres hat sie die Schule eröffnet, weil sie immer stärker gemerkt hat, wie viel ihr an all dem liegt: am Schießen, an einer vernünftigen Lehre – und an der Natur.

In Rheine hat die gebürtige Thüringerin zuvor drei Jahre an einer Jagdschule gearbeitet, nachdem sie schon eine Karriere als junge Sportschützin im Nationalkader hinter sich hatte. „Durch die Arbeit in der Jagdschule kam meine Leidenschaft zur Jagd erst richtig auf. Ich war zwar immer mal los, aber je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto mehr habe ich auch gemerkt, wie interessant das eigentlich ist.“

Interesse am Schießen

Das grundsätzliche Interesse am Schießen hegt sie schon seit der Schulzeit. Da wurde es als Sportart angeboten und so hat Weiß zum Luftgewehr gegriffen. „Daraus sind immer größere Kaliber geworden und irgendwann habe ich gedacht: Da passiert doch nichts, das ist nur ,Pitsch – Klack!‘ Und dann habe ich mit dem Wurfscheibenschießen angefangen, darüber bin ich auch in die Nationalmannschaft gekommen.

Das Wurfscheibenschießen ist jagdliches, also bewegtes Schießen. Und so kam mir der Gedanke, jagen zu gehen.“ Darüber kam sie auch von Suhl in die Region. In Rheine hat sie ihren Jagdschein gemacht und eine Zeit in Ibbenbüren gelebt. Jetzt wohnt sie in Osnabrück.

Verantwortung

In Wallenhorst leitet Weiß die Jagdschule und ist für sie verantwortlich. Angestellt ist sie aber bei der Jägerschaft Osnabrück Stadt. „Darüber haben wir die Jagdschule hier gegründet.“ Damit möchte sie ein eigenes Konzept entwickeln. „Ich will nicht, dass eine Jagdschule den Leuten den Jagdschein beschafft und sie dann auf sich allein gestellt sind. Ich biete hier auch viel für fertige Jäger zur Fortbildung an“, sagt sie.

Es sei ihr wichtig, wen sie ausbildet. Zur Not verweigert sie Leuten die Ausbildung, wenn sie sie nicht als geeignet erachtet. „Ich bin schließlich auch verantwortlich für die Menschen, die hier lernen. Ich möchte im Wald niemanden neben mir stehen haben, dem ich nicht vertrauen würde.“

Naturschutz

Die Jagd betreibt Cornelia Weiß nicht aus reinem Selbstzweck. „Ich gehe nicht raus, weil ich gerne töte. Das tue ich nicht“, sagt sie. „Meine größte Angst ist, dass ich mal ein Tier nur krank schieße, also nur verletze, und es dann nicht wiederfinde.“ Selbstbewusstsein gebe ihr, dass sie weiß, dass sie schießen kann. Ihre Vita spricht da Bände: Mit dem Nationalkader wurde sie Deutsche Meisterin und hat unter anderem den zehnten Platz bei einer Europameisterschaft belegt. „Wenn man das richtige Organ getroffen hat, stirbt das Tier noch in der Sekunde. So sollte es sein. Und man wird von Mal zu Mal besser und weiß irgendwann, dass der Schuss perfekt gesessen hat. Aber wenn man das erste Mal wirklich ein Leben genommen hat – darauf muss man erst mal klar kommen.“

Die junge Jägerin verfolgt den Ansatz, dass die Jagd durchaus zum Naturschutz und auch zum Wohl der Tiere beitrage. „Es ist ja so, dass viele Leute Tiere schützen wollen und einen dann als Mörder bezeichnen. ,Das arme Reh, warum hast du es erschossen?‘ Letztendlich ist das Reh aber sein Leben lang glücklich im Wald gewesen. Dort hatte es frische grüne Nahrung und hat von seinem Tod, wenn man richtig schießt, nicht mal etwas mitgekriegt. Ganz im Gegensatz zur Massentierhaltung. Da kriegen die Tiere Kraftfutter hingeschüttet und Antibiotika ohne Ende. Und wenn sie geschlachtet werden sollen, werden sie in einer Maschine festgehalten, zehn Sekunden lang mit Strom betäubt und dann getötet. Da soll man mal überlegen, was jetzt für das Tier besser wäre.“

Weiß bevorzugt es darüber hinaus, von einem geschossenen Tier auch möglichst alles zu verwerten. Erst kürzlich habe sie ihre erste eigene Leberwurst hergestellt, sagt sie. „Das war mal der Ursprungsgedanke der Jagd und so sollte es irgendwie auch bleiben. Es ist so viel wert, einfach zu sehen, wo das Fleisch wirklich herkommt, statt in den Supermarkt zu gehen, die Packung aufzureißen und das Fleisch in die Pfanne zu werfen.“

Ökosystem im Gleichgewicht

Weiß Ziel ist es, dass „die Natur in 20 Jahren so ist wie heute vor 20 Jahren“, denn sie bemerkt durchaus Veränderungen in der Umwelt. „Wenn ich damals mit meinem Vater in den Kindergarten gelaufen bin, haben wir immer Rehwild gesehen. Wenn man heute die gleiche Strecke entlangläuft, dann sieht man da kein Tier. Und das ist schade!“ Deshalb ist ihr auch die andere Seite des Jägertums wichtig: sich um den Wald – sowohl die Bäume als auch seine Bewohner – zu kümmern.

Das Ökosystem muss im Gleichgewicht gehalten werden. „Wenn man das falsche Wild bejagt, hat man nachher keine Pflanzen mehr. Dann kann es sein, dass Bäume absterben, weil die Tiere keine passende Nahrung mehr finden und den Baum verbeißen, also die Rinde anknabbern. Andererseits muss man auch Fallen aufstellen, um Raubtiere zu fangen, damit Niederwildtiere wie Kaninchen oder Fasane überleben können.“ Deshalb gebe es pro Jagdrevier auch strikte Regeln, wie viele und welche Tiere in welcher Zeit geschossen werden dürfen.

In der Männerdomäne

Als Jägerin und Leiterin einer Jagdschule muss Cornelia Weiß sich in einer Männerdomäne behaupten und ihre Kompetenz permanent unter Beweis stellen. Als „junges Mädel“ mit Sweatshirt und Jeans wird sie zunächst nicht von jedem als Lehrerin und Ausbilderin ernstgenommen.

„Wenn etwa ein gestandener Mann mit 60 Jahren die Schule betritt und mich sieht, sitzt er erstmal mit verschränkten Armen da und hat keinen Bock. ,Die soll jetzt meine Ausbilderin sein?‘ Und letztlich sind es gerade die, die dann merken, dass ich Bescheid weiß, und stellen rund um die Uhr Fragen und hängen mir an den Lippen. Ich muss die Leute erst mal überzeugen. Aber das habe ich bisher immer geschafft.“

Sexistische Kommentare werden gelöscht

Um die Jagdschule im Internet zu repräsentieren, pflegt Weiß auch diverse Social Media-Kanäle. Auf Youtube etwa lädt sie Videos hoch, in denen sie verschiedene Waffen vorstellt. Darunter finden sich einige sexistische Kommentare, von denen sie die schlimmsten löschen musste. „Da stehe ich drüber. Tatsächlich sind diese Videos von mir aber auch schon auf Porno-Seiten aufgetaucht, bei denen dann ,Der deutsche Stecher‘ stand“, erklärt sie kopfschüttelnd.

Nichtsdestotrotz sieht Cornelia Weiß aber viel weiblichen Zuwachs in der Jagdgemeinde. „Es gibt viele Mädels in meinem Alter, die jagen. Meistens ist der Vater Jäger und dann geht man mit und lernt das kennen. Viele kommen aus der Landwirtschaft. Auch ein Klassiker ist, dass der Freund oder Mann jagen geht und sie das dann auch machen wollen. Da wächst schnell das Interesse an der Jagd.“


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