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25-Jährige bietet Schreib-Service Sky du Mont liest Liebesbriefe einer Lechtingerin


Wallenhorst. Laura Nunziante kommt aus Lechtingen und schreibt Liebesbriefe. Nicht nur für ihren Freund, mit dem sie in Frankfurt wohnt, sondern auch für andere Menschen. Den nächsten Brief vertont Schauspieler Sky du Mont.

Laura Nunziante ist 25 Jahre alt und manchmal nicht sie selbst. Das sind ihre besten Momente. Es sind die Momente, in denen sie schreibt. „Da bist du ein anderer. Du hast auf dem Papier die Chance, Dinge noch mal anders zu machen. Es ist wie ein Kanal“, sagt Nunziante, und ihre Stimme, die sonst zwischen verschlafen-nuschelnd und schrill-quiekend hin- und herhastet, ist weich und warm und fest.

Das Schreiben begleitet sie seit ihrer Kindheit. Tagebücher, Geschichten, Gedichte, Autobiografisches. Manches habe sie damit kompensieren wollen, sagt sie. Etwas ausgleichen, es rausschreiben. Noch mal anders machen. Besser. 2008 ging sie nach London, studierte creative writing, kreatives Schreiben. Autorin wollte sie werden. Sie will es noch.

Im ersten Studienjahr stieß sie auf „Feine Reime“. Ein Netzwerk von Autoren, die für andere Menschen Gedichte, Briefe und Reden verfassen. „Ghostwriter“ nennen sich Autoren, die so etwas machen. Schreibende Geister ohne Gesicht. Nicht einmal eine eigene Stimme haben die guten Ghostwriter. Denn die fühlten sich in die Sprache ihrer Auftraggeber ein, sagt Nunziante. Sie telefoniert mit jedem Auftraggeber, achtet auf dessen Wortwahl und Sprachmelodie. Schließlich sollen die Briefe und Gedichte später so klingen, als habe sie der Auftraggeber selbst erdacht.

Spannend sei die Arbeit, sagt Nunziante. So viele Menschen, so viele Anfragen, so viele Gefühle und Schicksale. Nicht jedes ist angenehm. Einmal sollte Nunziante einen Liebesbrief für eine Frau verfassen. Adressat war der Schwager der Frau. „Das war moralisch schrecklich. Ich hab mir gesagt: Es ist ihre Entscheidung. Du hilfst dieser Frau. Aber wie es ausging, wollte ich nicht wissen“, sagt Nunziante.

Selbst daraus habe sie gelernt. Das Einfühlen, die Gedanken, die Dramaturgie der Beziehung, die Sprache, mit der die Frau über ihre Situation redete. „Ich lerne dabei zu schreiben, wie andere denken“, sagt Nunziante. Während ihre Mitstudenten in Cafés jobbten, schrieb sie. „Dadurch war ich manchen einen Schritt voraus.“

Nun ist das Studium vorbei, Nunziante trägt zum Wunsch, Romane zu veröffentlichen, den BachelorTitel und arbeitet in einer Frankfurter Werbeagentur. Als Texterin. Natürlich. Das heißt: Überschriften, Fernsehspots, Homepagetexte. Wieder schreiben. Den ganzen Tag. Immer wieder, immer anders. Das sei wichtig, sagt Nunziante. Die Sprache ausloten, zuspitzen, erklären, Wünsche bedienen, mit Worten treffen.

Heute soll sie genau das tun: Menschen treffen. Mitten im Herzen. Nunziante ist um 13.30 Uhr zu Gast beim SWR 1. Der Radiosender hat sie engagiert, Liebesbriefe für Hörer zu schreiben. Die fertigen Briefe spricht Schauspieler Sky du Mont dann für die Adressaten auf CD.

Aber auch diese Liebesbriefe sind nur Etappen auf dem Weg zum obersten Ziel: Bücher schreiben, Romane. Seit zwei Jahren sitzt Nunziante an ihrem ersten. Fertig ist er noch nicht. Manchmal macht sie das wahnsinnig. Nie ist sie zufrieden. Nie hat sie genug Zeit dafür. Trotzdem arbeitet sie weiter. Beinahe jeden Tag. Stunde um Stunde. Was solle sie denn tun, fragt Nunziante. „Leute, die das ernsthaft machen, können nicht anders. Die fragen nicht nach Arbeit, die müssen schreiben.“


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