Neuer "Wallenhorst-Takt" startet Es bleibt dabei: Ruller Schüler müssen früher aufstehen

Von Constantin Binder

Die Buslinie 541, mit der auch Schüler aus Rulle nach Osnabrück fahren konnten, wird jetzt durch die Linie 533 abgelöst. Foto: Jörn Martens/ArchivDie Buslinie 541, mit der auch Schüler aus Rulle nach Osnabrück fahren konnten, wird jetzt durch die Linie 533 abgelöst. Foto: Jörn Martens/Archiv

Wallenhorst. Am Donnerstag nach den Ferien tritt der neue "Wallenhorst-Takt" in Kraft. Neben zahlreichen Verbesserungen gibt es aber auch eine Verschlechterung – zumindest für Ruller Schüler, die morgens per Bus nach Osnabrück fahren. Sie müssen bis auf Weiteres 18 Minuten eher aufstehen, denn der Protest ihrer Eltern hat bei den Verkehrsplanern nicht gefruchtet.

Mit dem Fahrplanwechsel am Donnerstag erlebt die Gemeinde Wallenhorst die größte Veränderung im ÖPNV seit Jahren. Gleich mehrere Linienführungen hat die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) in Wallenhorst geändert, auch die Taktung mancher Linien ist klarer strukturiert. 

Von der Politik, die die ersten Konzeptideen im Mai 2017 diskutiert hatte, wurde der sogenannte "Wallenhorst-Takt" überaus positiv begrüßt, die VOS wirbt nun in einer Pressemitteilung mit "wichtigen Verbesserungen", und die Weser-Ems-Bus als Betreiberin will am Donnerstag gar einen Bus auf den Namen "Wallenhorst" taufen – aus "Verbundenheit mit der Region und insbesondere mit der Gemeinde Wallenhorst", wie es in einer Presseeinladung heißt.

Doch in den Jubel mischt sich auch Kritik – vor allem aus dem Ortsteil Rulle. Der erhält zwar künftig eine direkte Anbindung ans Wallenhorster Zentrum sowie das Nettebad und den Hauptbahnhof – allerdings müssen Ruller Schüler, die eine Osnabrücker Schule besuchen, künftig 18 Minuten eher abfahren als vor den Ferien. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen:

Linie 533, Wallenhorst – Rulle – Osnabrück:

Die neu geschaffene Linie 533 ersetzt die bisherige Linie 541 zwischen Rulle und Osnabrück . Hauptgrund für diese Änderung ist die Umstellung der Stadtbuslinie 41 auf Elektrobusse, deren Reichweite nicht ausreicht, um in den Landkreis zu fahren. Die Linie, die bislang über Haste nach Rulle führte, endet deshalb künftig in Haste. Stattdessen wird die Stadtbuslinie 33 gen Norden verlängert – über Rulle nach Wallenhorst. Rulle wird dabei zweimal pro Stunde angefahren, Wallenhorst einmal. Beide Ortsteile erhalten damit eine Direktverbindung im Stundentakt. Der neue Linienweg der 533 führt umsteigefrei über das Nettebad und die Dodesheide bis zum Osnabrücker Hauptbahnhof. Bramscher Straße, Hasestraße, Theater, Nikolaizentrum und Kamp fährt die neue Linie allerdings nicht mehr an. Wer in die City will, kann stattdessen am Nonnenpfad oder am Berliner Platz aussteigen. Der Neumarkt wird weiterhin angesteuert, allerdings erst nach dem Hauptbahnhof.

Durch die Anbindung an den Takt der Stadtbuslinie 33 ändern sich allerdings auch die Abfahrtszeiten der Busse von Rulle nach Osnabrück. Das werden vor allem die Rulle Schüler zu spüren bekommen, die eine Schule in Osnabrück besuchen. Reichte es bislang, den Bus um 7.06 Uhr zu nehmen, müssen die Kinder ab sofort 18 Minuten früher, um 6:48 Uhr, abfahren, um rechtzeitig in der Schule sein. Für die Eltern im Ort ein unhaltbarer Zustand, gegen den sie mit einer Unterschriftenliste protestierten. Auch Gespräche der Eltern mit der Gemeindeverwaltung und den Verkehrsplanern der VOS führten bislang nicht zu einer Nachbesserung im Fahrplan. 

Auf Anfrage bestätigte Thomas Schniedermann von der Nahverkehrsplanungsgesellschaft Planos am Mittwoch, dass sich an der Situation in Rulle zunächst nichts ändern werde. "Da gibt es zurzeit wenig Spielraum", erläuterte der Verkehrsplaner. Weil die Linie 533 mit der Stadtbuslinie 33 und anderen Stadtlinien verknüpft sei, bestehe keine Möglichkeit, den 6.48-Uhr später in Rulle abfahren zu lassen: "Die Taktlage ist wie sie ist und lässt sich nur sehr schwer ändern", sagte Schniedermann. 

Die einzige Lösung wäre Schniedermann zufolge, die Einsatzwagen anders einzusetzen, also beispielsweise einen Schulbus, der nicht an den Takt der Stadtbusse angedockt ist, über Rulle zu leiten. Einen ersten "Prüfauftrag" diesbezüglich habe die Weser-Ems-Bus jedoch bereits negativ beschieden, weil sie ihre Busse bereits auf anderen Linien benötige. 

Schniedermann sicherte aber zu, die Situation im Blick zu behalten und bei Bedarf nach Lösungen zu suchen; auch im städtischen Schülerbusverkehr würde häufig im Herbst nachjustiert. Und zur Sorge der Eltern, der 6.48-Uhr-Bus reiche nicht aus für alle Ruller Schüler, sagte Schniedermann: "Wenn Schüler nicht mitkommen, müssen wir natürlich eine Lösung finden. Wir werden nicht dauerhaft Kinder irgendwo stehen lassen." 

Auch die Weser-Ems-Bus beruhigt die Eltern: "Wir werden den Start des Wallenhorst-Taktes kritisch betrachten, und falls es wirklich hakt, mit den Aufgabenträgern nach Lösungen suchen", sagt Angelika Theidig von der Pressestelle der Deutschen Bahn in Hamburg auf Anfrage. Die 18 Minuten sehe sie allredings "absolut unkritisch".

Linie 581, Hollage – Osnabrück:

Das Gewerbegebiet Hollage ist nun besser erschlossen: Künftig fahren die Busse der Linie 581 bis zur neuen Endhaltestelle im Hullerweg .

Linie 582, Wallenhorst – Hollage – Osnabrück:

Die 582 führt künftig in beiden Fahrtrichtungen über die Hollager Straße – und nicht mehr, wie früher, über Pyer Kirchweg und Am Pingelstrang.

Linie 584, Hollage – Wallenhorst – Osnabrück:

Pyer Kirchweg und Am Pingelstrang werden künftig von der Linie 584 bedient, die im 30-Minuten-Takt zwischen Hollage, Wallenhorst, Lechtingen und Osnabrück verkehrt. Endstation ist Hollage Zentrum.

Linie 580, Wallenhorst – Bramsche:  

Die bisherige Linie 511 nach Bramsche wird in 580 umbenannt. Sie verkehrt weiterhin stündlich, durch eine zusätzliche Haltestelle in der Borsigstraße ist das Gewerbegebiet Wallenhorst aber künftig besser angeschlossen.

Linie 585, Damme – Wallenhorst – Osnabrück:

Die VOS weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass die Linie 585 entgegen den Fahrplantabellen, die im Fahrplanbuch zu finden sind, "zunächst in vollem Umfang" weiter wie bisher fährt.


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