Schwimmende Schlappohren Wasserprüfung beim Teckelclub Ruller Land

Von Carolin Hlawatsch

Jagdpassion: Eine große Herausforderung für den Dackel ist das Apportieren einer toten Ente aus dem Wasser. Foto: Carolin HlawatschJagdpassion: Eine große Herausforderung für den Dackel ist das Apportieren einer toten Ente aus dem Wasser. Foto: Carolin Hlawatsch

Osnabrück. Wie wasserfreudig und schussfest sie sind, bewiesen am Samstag neun Rauhaardackel des Teckelklub Ruller Land e.V.. In einem privaten Teich des Jagdreviers Osnabrück-Darum wurde ihr Können geprüft und bewertet.

Der Dackel ist, obwohl eine der kleinsten Jagdhunderassen, vielseitig einsetzbar bei der Jagd und eignet sich zudem als Familienhund. „Viele Leute wissen garnicht, was für ein Allrounder der Teckel ist“, betont Matthias Berstermann, Vorsitzender des Teckelklub Ruller Land e.V.. Natürlich sei die ursprüngliche Hauptaufgabe dieser Hunderasse die Erd- und Baujagd, da ihre kleine Statur es den Teckeln erlaubt, in Kaninchen- oder Fuchsbaue zu klettern um das Wild heraus zu scheuchen. So werden die kleinen Jagdhunde in Norddeutschland auch beim Deichschutz eingesetzt, an Stellen wo zahlreiche Kaninchen mit ihren Bauten die Deiche durchlöchern.


Beherzt, ohne Scheu vorm Wasser: Zwergteckelhündin Tilda springt um den toten Wasservogel aus der Mitte des Teichs zurück an das Ufer zu bringen. Foto: Carolin Hlawatsch


Dass sie auch gute Schwimmer sind, zeigte sich einmal mehr am letzten Wochenende. „Tilda, hol die Ente“ rief Nicklas Hirsch aus Lienen seinem Dackel zu. Dieser zögerte nicht lange und sprang vom Ufer in den Teich, ruderte mit seinen Pfötchen auf die, in das Wasser geworfene, tote Ente zu, die langen Schlappohren zogen auf der Wasseroberfläche hinterher. Zwei von den Jägern nebenbei abgegebene Gewehrschüsse ließen Tilda nicht aufschrecken. Damit hatte sie schonmal den ersten Teil der Prüfung bestanden. Nun hieß es noch: Ente zurück an das Ufer bringen, auch „apportieren“ genannt. Für Tilda war es eine besonders große Herausforderung als jüngste und kleinste Prüfungsteilnehmerin. Tilda vom Looser Patt ist eine Zwergteckelhündin, die kleinere Variante des normalen Teckels. Noch kleiner sind nur die Kaninchenteckel. „Tilda wiegt knapp sechs Kilogramm, die Ente 1,5 Kilogramm. Da hat sie schon ganz schön was zu schleppen“, bemerkte ihr Besitzer.


Auge in Auge: Der Rauhaardackel betrachtet seine Beute. Bei der Wasserprüfung muss er eine tote Ente aus der Mitte des Sees zurück an das Ufer bringen. Foto: Carolin Hlawatsch


Tilda brachte die Ente, genau wie ihre acht Mitstreiter und so bestanden alle Teckel die Prüfung. Trainiert würde das Apportieren des Wasservogels im Vorfeld mit einer „Reizangel“. „Dafür befestigt man Entenfedern am Ende eines Bands, das mit einem längeren Stab verbunden ist und wirft die Schwinge aus. Das kann zunächst an Land und später im Wasser geübt werden“, erklärte Verbandsrichter Peter Haunert. 

Obwohl in Niedersachsen bei jagdlichen Prüfungen noch der Einsatz von lebenden Enten erlaubt ist, nutzt der Teckelklub Ruller Land tote Enten. „Eine lebende Ente würde sich schnell im Schilf verstecken. Im hohen Dickicht könnten sich die Teckel mit ihren kurzen Beinen aber verfangen. Das wollen wir bei der Prüfung nicht riskieren“, so Peter Haunert.  

Beutetrieb

Bei Wasserprüfungen mit größeren Hunden werden lebendige Enten durch das Umwickeln ihrer äußeren Schwingen mit einer Papiermanschette kurzzeitig flugunfähig gemacht. Ihr Verhalten simuliert damit das einer kranken Ente. Die Manschette löst sich nach zirka zehn Minuten von selbst auf. Viele Jagdhundhalter- und -ausbilder befürworten die Übung an der lebenden, flugunfähig gemachten Ente, da so die jagdliche Situation am realistischsten nachgestellt und die entsprechende Aufgabe des Hundes, sein Beutetrieb und Finderwille, am besten trainiert und bewertet werden könne. 

Jagdliche Prüfungen sind nicht nur für die Jäger wichtig, die ihre Hunde als Begleiter ausbilden, sondern auch für Züchter. Diejenigen, die Teckel als Jagdgebrauchshunde züchten, orientieren sich an guten Prüfungsergebnissen bei der Partnerwahl von Deckrüde und Hündin. Unterschieden wird dabei zwischen Anlageprüfungen, in denen die ererbten Eigenschaften getestet werden und Jagdgebrauchsprüfungen, in denen der Teckel nachweist, dass er mit seinem Jäger ein gutes Gespann bildet.


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