Diskussion und Vorträge im September Wallenhorster Schmerztag 2018 zu Cannabis als Medizin

Von Constantin Binder

Cannabis als Medizin ist erst seit eineinhalb Jahren zulässig – und immer noch umstritten. Der Wallenhorster Schmerztag am 22. September soll informieren. Foto: Swen Pförtner/dpaCannabis als Medizin ist erst seit eineinhalb Jahren zulässig – und immer noch umstritten. Der Wallenhorster Schmerztag am 22. September soll informieren. Foto: Swen Pförtner/dpa

Wallenhorst. Für Patienten und Mediziner ist er längst eine Institution – und das weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Im September findet der Wallenhorster Schmerztag nun zum zehnten Mal statt. Thema diesmal: Cannabis in der Schmerztherapie.

Nach langen politischen Debatten ist Cannabis seit März 2017 ein verschreibungsfähiges Arzneimittel, das prinzipiell von jedem Arzt verschrieben werden kann. Wegen seiner krampflösenden und schmerzlindernden Wirkung ist es insbesondere für die Schmerztherapie von Interesse – doch ist der Einsatz nach wie vor umstritten. Das weiß auch Brigitte Teepe, Vorsitzende der Selbsthilfegruppe „Mit Schmerzen leben“ – und so machte sie „Cannabis in der Schmerztherapie“ kurzerhand zum Thema des diesjährigen Wallenhorster Schmerztags.

Podiumsdiskussion am 21. September

Schon Ende vergangenen Jahres war Teepe in die Planung eingestiegen, schließlich will so ein Schmerztag gut vorbereitet sein. Das Programm ist deshalb längst fertig, und auch die Referenten stehen fest – nun müssen also nur noch die Gäste kommen. Zum Auftakt findet am Freitag, 21. September, die traditionelle Podiumsdiskussion im Wallenhorster Rathaus statt. Moderiert wird sie erneut von Winfried Hardinghaus, Ärztlicher Leiter der Palliativstation am Marienhospital Osnabrück und Vorsitzender des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands (DHPV). Gesprächsteilnehmer sind Klaus Hachmeister, Regionaldirektor der AOK Osnabrück, sowie die Mediziner Dagmar Fangmann (Fachärztin für Anästhesiologie), Cornelius Bachmann (Neurologie der Paracelcusklinik Osnabrück), Jürgen Wilmsen-Neumann (Schmerzmedizin Ostercappeln) und Carsten Brau (Schmerzzentrum Osnabrück). Auch Teepe wird auf dem Podium sitzen – als Vorsitzende der Selbsthilfegruppe, aber eben auch als Betroffene.

Viele Berührungsängste – auch bei Ärzten

Denn natürlich ist das Thema auch für Teepe und ihre Mitstreiter, allesamt Schmerzpatienten, von großem Interesse – zumal sie bislang kaum Erfahrung damit haben. „Eine Frau aus unserer Gruppe hat Cannabis als Schmerzmittel ausprobiert, es aber schnell wieder abgesetzt, weil es ihr nicht bekommen ist“, schildert Teepe. Aus zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen und Ärzten wisse sie zudem, dass es viele Berührungsängste gebe – gerade weil Cannabis eben auch eine Droge sei und man damit „viel Blödsinn“ machen könne, wie Teepe sagt.

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Kontroverse Diskussion erwünscht

„Cannabis wirkt längst nicht bei allen Krankheiten“, weiß Teepe, bei Parkinson hingegen wirke es „ganz toll“. „Ich rate auf jeden Fall davon ab, das so auf blauen Dunst auszuprobieren“, warnt sie; wegen der Gefahr des Missbrauchs solle die Anwendung nur mit ärztlichem Rat erfolgen. Doch auch viele Mediziner seien skeptisch, weil sie nicht mit Drogen in Verbindung gebracht werden wollten – und schließlich sei mit der Verschreibung auch für Patienten ein „fürchterlicher Papierkrieg“ verbunden. Teepe rechnet deshalb damit, dass die Podiumsdiskussion, bei der Fragen aus dem Publikum ausdrücklich erbeten seien, durchaus kontrovers verlaufen dürfte.

Herausforderung für Apotheken und Krankenkassen

Der eigentliche Schmerztag beginnt dann am Samstag, 22. September, um 9 Uhr ebenfalls im Rathaus. Unter der Schirmherrschaft von Landrat Michael Lübbersmann und mit Unterstützung der Gemeinde Wallenhorst werden vier Experten zum Thema referieren. Carsten Bausch, der auch an der Diskussion am Vorabend teilnimmt, geht der Frage nach, ob die Cannabistherapie ein „Rausch auf Rezept“ oder eine therapeutische Alternative ist, Sibille Ritter von der Osnabrücker Atlas-Apotheke berichtet von neuen Herausforderungen in der Arzneimittelversorgung, Kristina Tatenhorst von der AOK Osnabrück beleuchtet die Herausforderungen für die Krankenkassen. Cornelius Bachmann, ebenfalls Teilnehmer der Diskussionsrunde am Freitag, wird schließlich über Cannabis bei sogenannten „Restless Legs“ und die psychische Abhängigkeit referieren. Auch am Samstag sind Nachfragen ausdrücklich erwünscht, bevor der Schmerztag um 14 Uhr nach einer Schlussdiskussion endet.

Für Teepe und die Selbsthilfegruppe „Mit Schmerzen leben“ ist dieser Schmerztag dabei ein kleines Jubiläum: Zum zehnten Mal findet die Veranstaltung in diesem Jahr statt.


Selbsthilfegruppe „Mit Schmerzen leben“

Die Selbsthilfegruppe „Mit Schmerzen leben“ wurde 1995 von einem Wallenhorster Schmerzpatienten ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder kommen aus der Stadt und dem gesamten Landkreis Osnabrück, aber auch aus anderen niedersächsischen Orten und dem angrenzenden Nordrhein-Westfalen. Seit 1996 finden die Treffen der Gruppe einmal im Monat – immer am zweiten Montag um 17 Uhr – in der Osnabrücker Paracelcus-Klinik statt, im Schnitt zu jedem zweiten Termin kommen Referenten. Seit 1997 ist die Gruppe ein eingetragener Verein, erste Vorsitzende ist seit 14 Jahren die Wallenhorsterin Brigitte Teepe. Ebenfalls 1997 fand zum ersten Mal der „Wallenhorster Schmerztag“ statt, den die Gruppe seitdem alle zwei bis drei Jahre erneut veranstaltet – 2018 zum zehnten Mal.

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