Fahrradunfreundlicher Splitt Berlin lehnt Sanierung des Leinpfads am Hollager Stichkanal ab

Von Joachim Dierks und Nina Strakeljahn

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Wallenhorst. Der im Zuge der Kanalverbreiterung in Hollage vor einigen Jahren erneuerte Kanalseitenweg („Leinpfad“) meint es nicht gut mit Radlern und Wanderern. Grobe Steine haben sich herausgearbeitet und stellen Stolperfallen dar. Aber die zuständige Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) sieht keinen Handlungsbedarf.

Im Januar hatte die CDU-Fraktion im Wallenhorster Gemeinderat beantragt, dass die Gemeinde sich um die Sanierung des östlichen Kanalseitenweges zwischen dem Hollager Yachthafen und der Bramscher Grenze kümmere. Der Weg stelle einen wichtigen Bereich der örtlichen Naherholung dar. Er sei in überörtlichen Verzeichnissen als Wander- und Radweg ausgewiesen. Leider befinde sich der Weg in einem schlechten Zustand. „Der Oberflächenbelag ist derartig ausgewaschen, dass ein Verbund der großen und kleinen Materialien des Belages nicht mehr gegeben ist. Dieses hat dazu geführt, dass sich die größeren Steine ‚lose‘ an der Oberfläche befinden und zu Stolperfallen werden“, schreibt die CDU. (Weiterlesen: Hat der Osnabrücker Hafen noch eine Zukunft?)

Gastronomie für jedermann

Dieser Zustand sei insbesondere deshalb bedauerlich, weil der Osnabrücker Motor-Yacht-Club (OMYC) seine Gastronomie bald wieder für jedermann öffnen werde und somit die Schließung der Gaststätte „Tante Anna“ zumindest teilweise kompensiert werden könne. Auch habe die Kolpingsfamilie Hollage in dem Bereich diverse Bänke aufgestellt. Wenn der Zustand des angrenzenden Weges die touristische Nutzung unattraktiv mache, würden diese positiven Ansätze zunichtegemacht.

Keine Notwendigkeit für eine Sanierung

Der CDU-Antrag stand am 27. Februar und am 24. Mai auf der Tagesordnung des Ausschusses für Bauen, Planen, Straßen und Verkehr. Die Gemeindeverwaltung berichtete von ihren Gesprächen mit der WSV. Die WSV habe erwartungsgemäß darauf hingewiesen, dass der Eigentümer Bund die Nutzung zu touristischen Zwecken lediglich gestatte, der Betriebsweg jedoch nicht als öffentlicher Weg gewidmet sei. Für die Betriebszwecke der WSV sei die Oberflächenqualität ausreichend. In bestimmten Abständen würden die Wege repariert oder erneuert. Die Notwendigkeit hierzu sei aktuell jedoch noch nicht erkennbar.

Kosten von 40.000 Euro

Wenn die Gemeinde auf eigene Kosten eine Sanierung vorziehen wolle, sei mit Kosten von etwa 40.000 Euro zu rechnen. Dabei bestehe die WSV auf einem bestimmten Ausbaustandard: Eine vier Zentimeter dicke Steinsandschicht mit einer Körnung von vier bis elf Millimetern sei einzubauen und einzuwalzen, und zwar nur durch von der WSV zugelassene Unternehmen. Die ehrenamtliche Mithilfe von Vereinen und Verbänden, um das Ganze billiger zu machen, könne aus versicherungstechnischen Gründen nicht geduldet werden. Ein Frachtschiff, das die Materialanlieferung auf dem Wasserwege billiger machen könnte, sei aktuell defekt und stehe nicht zur Verfügung.

In der Schwebe

Ferner hat die Gemeindeverwaltung auch Förderungsmöglichkeiten etwa über die Klimaschutzrichtlinie ausgelotet, die Voraussetzungen waren jedoch nicht erfüllt. Deshalb empfahl die Verwaltung in der letzten Ausschusssitzung, den Antrag der CDU abzulehnen und die Sanierung des Kanalseitenweges der WSV im Zuge ihrer turnusmäßigen Unterhaltungsmaßnahmen zu überlassen. Die Ausschussmitglieder folgten dieser Empfehlung fraktionsübergreifend jedoch nicht. Es erging kein Beschluss. Die Sache befindet sich folglich weiter in der Schwebe.

Keine baulichen Maßnahmen vorgesehen

Die Grünen wollten sich mit diesem Zustand nicht zufrieden geben. Die Bundestagsabgeordnete Filiz Polat richtete eine Anfrage an die Bundesregierung. Sie wollte wissen, wann eine Sanierung geplant sei. Der parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), teilte ihr kurz und bündig mit, dass dieser Betriebsweg einzig der Unterhaltung der Bundeswasserstraße diene. Da sein Zustand für die Zwecke der WSV ausreichend sei, seien keine baulichen Maßnahmen vorgesehen.

Grüne verärgert

Polat kommentiert diese lapidare Auskunft so: „Das finde ich insofern absurd, als dass sich die Bundesregierung mit dem Nationalen Radverkehrsplan 2020 nach eigener Auskunft ‚für eine nachhaltige Mobilität in Deutschland einsetzt` und sich das Ziel gegeben hat, ‚den Radverkehr noch attraktiver und sicherer zu machen‘. Genau das könnte die Bundesregierung hier am Stichkanal in Wallenhorst nun unter Beweis stellen.“ Arnulf Nüsslein, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Wallenhorster Gemeinderat, weist auf die Nutzung auch als Pendlerweg hin: „Für viele Wallenhorster ist der Kanalseitenweg ein Alltagsweg. Ein guter Zustand ist daher besonders wichtig. Dass uns hier als Gemeinde die Hände gebunden sind, ist mehr als ärgerlich. Auch bei uns in Wallenhorst kann der Radverkehr zur Entlastung des motorisierten Verkehrs und zum Klimaschutz beitragen. Es wäre schön, wenn das Wasser- und Schifffahrtsamt hier noch mal mit sich reden ließe.“

Andere Möglichkeiten

Auch Stefan Gutendorf, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, und Vorsitzender des Heimatvereins Hollager Hof will sich nicht dauerhaft mit dem schlechten Zustand des Weges zufrieden geben: „Wir bleiben an dem Thema dran.“ Man müsse nun darüber nachdenken, wie eine Lösung aussehen könnte. Auf eine Gesamtkonzeption setzt die SPD/FDP-Gruppe. „Wir suchen nun nach anderen Möglichkeiten“; sagte Hubert Pohlmann, stellvertretender Gruppenvorsitzender. Denn um nur ein Stück des Weges auszubauen, dafür wolle man keine Mittel bereitstellen. CWD-Fraktionsvorsitzender Manfred Gretzmann will ebenfalls den Kontakt zum WSV halten. Da das Amt in regelmäßigen Abständen den Weg ausbessert, ließe sich in diesem Zusammenhang eine Lösung finden. Möglicherweise gebe es auch noch kostengünstigere Alternativen.

Dringendere Baustellen

„Wir sind nicht in der Verantwortung“, sagt Marion Müssen, Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Wählergemeinschaft Wallenhorst. „Es ist wünschenswert, aber wir haben Baustellen, die dringender sind, deshalb müssen wir uns vorerst damit zufrieden geben.“ Eine Sanierung hält auch Ludger Meyer, Fraktionsvorsitzender der Wallenhorster Wählergemeinschaft, für „natürlich wünschenswert, ohne wenn und aber“. Allerdings sei es auch eine „klare Sache“, dass der Weg nicht Eigentum der Gemeinde sondern des Bundes ist. Deshalb solle die Gemeinde kein Geld in Hand nehmen, um etwas zu finanzieren, was ihr nicht gehört. „Wir sind nicht zuständig“, betont er.


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