Chef der Energiegenossenschaft bei den Grünen 13,2 Prozent der Versorgung in Wallenhorst aus regenerativen Energien

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Referierte auf Einladung der Grünen zum Thema Energieversorgung in 20 Jahren: Der Vorsitzende der  Wallenhorster Energiegenossenschaft Christoph Ströer. Foto; Sandra DornReferierte auf Einladung der Grünen zum Thema Energieversorgung in 20 Jahren: Der Vorsitzende der Wallenhorster Energiegenossenschaft Christoph Ströer. Foto; Sandra Dorn

Wallenhorst. Energie dezentral aufzustellen und in Bürgerhand zu geben, ist nach Auffassung von Christoph Ströer eine der Antworten, wie die Energieversorgung für Strom, Wärme und Verkehr in 20 Jahren in Deutschland aussehen kann. Der Vorsitzende der Wallenhorster Energiegenossenschaft (WEG) sprach auf Einladung des Wallenhorster Ortsverbandes von Bündnis 90/Grüne.

Wohl in weiser Voraussicht hatte der Kreisgeschäftsführer der Grünen Johannes Bartelt eines der kleineren Zimmer im Gasthaus Lingemann reserviert: Denn zumindest der Zahl nach interessierten sich nur fünf Zuhörer für die zukünftige Energieversorgung in Deutschland. Warum der Zuspruch so gering ist, Bartelt weiß es selbst nicht so genau: Fußball-Weltmeisterschaft? Zu gutes Wetter? Andere Termine? „Das Thema Energie interessiert keinen mehr“, meinte Christoph Ströer, Geschäftsbereichsleiter der Naturstrom AG, leicht resignativ. Dabei war der Anlass gerade für Parteimitglieder gar nicht so unbedeutend: „Wir wollen als Grüne unter Beteiligung von Ortsgruppen und Experten bis 2020 ein neues Grundsatz-Programm aufstellen, das Perspektiven bis 2040 bieten soll“, erläuterte Bartelt den Hintergrund des Vortragsabends, an dem Ströer einen Abriss darüber liefern sollte, welche wichtigen Aufgaben von Wallenhorst bis Europa vor Versorgern, Politik und Verbrauchern liegen.

Drei Windkraftanlagen, 516 Photovoltaikanlagen

Um realistisch in die Zukunft schauen zu können, hilft häufig ein Blick auf den Status quo: So speisen sich in Wallenhorst bislang 13,2 Prozent der Versorgung aus regenerativen Energien: Dazu zählen im Gemeindegebiet drei Windkraftanlagen, 516 Photovoltaikanlagen und zwei Biomasseanlagen. Bundesweit liegt der Anteil bei 33 Prozent, im Osnabrücker Land bei 43,1 Prozent. Laut eines Kreistags-Beschlusses soll bis 2030die Versorgung mit 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen und die Versorgung mit 100 Prozent regenerativ erzeugter Wärme bis 2050 gedeckt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, beschreiten Politik und Energieversorger laut Ströer bislang den falschen Weg: „Die großen Energieversorger wie Eon und RWE sitzen bislang auf ihren Monopolen.“ Netz und Energie sind getrennt, jedoch nur gesellschaftlich. Im Ganzen sei es ein Verein. Seine Forderung lautet daher, Energie dezentral aufzustellen und gemeinsam mit den Netzen in Bürgerhand zu geben. Die WEG etwa geht seit 2012 diesen Weg. Bürger können Anteile à 250 Euro erwerben und an potenziellen Gewinnausschüttungen der Genossenschaft teilhaben.

Elektromobilität als große Herausforderung

Eine weitere große Herausforderung: Die Elektromobilität. Momentan sei das Netz nicht dafür ausgebaut, den damit verbundenen Energiebedarf zu decken. Soll heißen; Wenn jede Zweite sein Auto an der Steckdose auflädt, werde es Stromausfälle geben, befürchtet Ströer. Ein intelligentes Datenmanagement über das Verbrauchsverhalten der Kunden oder parallele Leitungen böten sich hier als Lösungen an.

Ausstieg aus der Kohle

In puncto baldiger Ausstieg aus der Kohle befürwortet Ströer die Einführung einer Co²-Abgabe. Der Preisverfall bei der Vergütung für die Einspeisung von erneuerbaren Energien sei immens, so Ströer. Würde durch Kohleabbau geförderter Strom mit einer Abgabe belegt, sei dieser nicht mehr rentabel. „Muss es hier nicht eine europäische Lösung?“, regte einer der Zuhörer an. „Ja“, meinte Ströer, „hinderlich wäre das sicherlich nicht.“


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